Klartext Forschung #8: Natürliche Regulierung von Beikräutern und Schädlingen im Agroforst
In der Reihe Klartext Forschung • das DeFAF Science-Update beleuchtet der Fachverband aktuelle Veröffentlichungen aus wissenschaftlicher Fachliteratur zum Thema Agroforstwirtschaft (oder zu Themen mit Agroforst-Bezug) und stellt die Kernaussagen heraus. Die gewählten Veröffentlichungen sind frei verfügbar und für alle Interessierten kostenfrei lesbar.
Literaturquelle:
Eine der vier untersuchten Agroforstflächen in Dornburg. Die Hybridpappeln wurden bereits 2007 etabliert und zum Zeitpunkt der Untersuchungen einmal geerntet. (c)Christoph Meixner
Worüber wurde geforscht?
Natürliche Räuber (Prädatoren wie Insekten, Vögel, Spinnen) nutzen komplexe Lebensräume in Baumreihen, um Schädlinge wie Blattläuse und Beikräuter wie Flughafer zu kontrollieren – ein Schlüsselvorteil für nachhaltige Landwirtschaft. Der Kompromiss entsteht, da sie auch Nutzpflanzensamen fressen können.
Die Forschenden untersuchten den Effekt von silvoarablen Agroforstsystemen hinsichtlich positiver und negativer Ökosystemleistungen (eng. Ecosystem services und disservices). Dabei wurde der Fraßdruck auf die Samen eines Beikrautes (Flughafer, Avena fatua) und einer Kulturpflanze (Gerste, Hordeum vulgare) untersucht sowie der Fraßdruck auf Blattläuse (Aphis fabae) als typischen Schädling. Entsprechende Samen- und Blattlauskarten wurden in 1, 7 und 24 m Entfernung vom Gehölzstreifen in den Ackerstreifen der Agroforstsysteme sowie auf einer Referenzfläche ohne Gehölzstreifen platziert.
Es wurden 4 Agroforstsysteme in Deutschland untersucht, von denen bei drei Systemen Hybridpappel Max 1 (Populus nigra × P. maximowiczii) die Gehölzkomponente darstellt und bei einem Robinie (Robinia pseudoacacia). Die Breite der Gehölzstreifen beträgt 12 m und der Abstand zwischen den Gehölzstreifen 48 m.
Welche Erkenntnisse gab es?
Die Ergebnisse zeigen höhere Fraßraten von Beikrautsamen sowie von Blattläusen in den Agroforstsystemen, wodurch ein Beitrag zur natürlichen Schädlings- und Beikrautregulierung zu erwarten ist. Auf der anderen Seite wurden auch höhere Fraßraten der Gerstensamen in den Agroforstsystemen gemessen. Diese Effekte waren am deutlichsten bei einer kurzen Distanz zu den Gehölzstreifen zu messen. Dennoch bestand auch in der Mitte des Ackerstreifens bei einem Abstand von 24m zu den Gehölzstreifen ein statistisch signifikanter Unterschied zu den Referenzflächen ohne Gehölzstreifen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Agroforstsysteme die Funktionen von Nützlingen fördern und somit Vorteile für Kulturpflanzen erschließen können, jedoch auch den Samenfraß von Kulturpflanzen erhöhen können. Außerdem deuten die Ergebnisse bei Agroforstsystemen auf ein Landnutzungssystem mit einer diversen Räubergemeinschaft hin.
In Kürze
- Agroforstsysteme mit Baumreihen bieten vielen Nützlingen gute Lebensbedingungen, etwa durch mehr Struktur, Nahrung und Schutz.
- Gleichzeitig ziehen Blattlausfresser zu Beginn der Vegetationsperiode nur langsam von den Bäumen in die Kulturpflanzen, vermutlich weil übliche Bewirtschaftungsmaßnahmen (z.B. Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz) sie stören.
- Wird der Zeitpunkt solcher Maßnahmen angepasst, kann die natürliche Schädlingsregulierung steigen.
Insgesamt erhöhen Alley-Cropping-Systeme die natürliche Regulierung von Schädlingen und Beikräutern, erfordern aber ein bewusstes Management und sollten immer gemeinsam mit Ertragsdaten bewertet werden, um ihren wirtschaftlichen Nutzen gegenüber reinem Ackerbau zu beurteilen.
Erkenntnisse aus anderen aktuellen Untersuchungen
Im Naturschutzvorhaben SEBAS werden die Effekte von Agroforstsystemen auf die biologische Vielfalt verschiedener Artengruppen und deren Ökosystemleistungen untersucht. Zurzeit laufen die Datenauswertungen, wobei erste Ergebnisse darauf hindeuten, dass die Artenvielfalt von Laufkäfern (Carabidae) in den untersuchten silvoarablen Agroforstsystemen etwa doppelt so hoch ist wie in den Kontrollflächen. Außerdem zeigt sich eine positive Korrelation zwischen der Emergenz von Laufkäfern und dem Samenfraß an Roggen.
Kurzanalyse von:
Leon Bessert • bessert[at]defaf.de
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Zum weiterlesen:
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Die Effekte von Agroforstsystemen auf Ökosystemleistungen werden u.a. auch im Naturschutzvorhaben SEBAS untersucht.
Kontakt:
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