Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Mit dem Begriff Agroforstsystem werden Landnutzungssysteme beschrieben, in denen auf der gleichen Fläche Bäume mit Ackerkulturen (silvoarable Systeme), Bäume mit Tierhaltung (silvopastorale Systeme) oder Bäume mit Ackerkulturen und Tierhaltung (agrosilvopastorale Systeme) so kombiniert werden, dass ökologische und ökonomische Vorteilswirkungen zwischen den Einzelkomponenten entstehen (Nair, 1993).

Agroforstsysteme sind seit 2023 in der deutschen Agrarförderung folgendermaßen definiert:

  • bei streifenförmig aufgebauten Agroforstsystemen müssen mindestens zwei Gehölzstreifen vorhanden sein; die Gehölzstreifen dürfen höchstens 40 % der gesamten Agroforstfläche einnehmen,
  • bei verstreut über die Fläche angeordneten Gehölzpflanzen muss deren Anzahl zwischen 50 und 200 Stück je Hektar betragen,
  • bei allen Agroforstsystemen dürfen nur Baum- und Straucharten gepflanzt werden, die nicht auf der Negativliste (Anhang 1 der GAPDZV) stehen.

Für die Förderung des Beibehalts von Agroforst mit der Ökoregelung 3 gelten weitere Bedingungen zur Gestaltung. Mehr dazu hier. (Link Themenblatt 3.2)

Zu unterscheiden ist die Definition des Agrarrechtes von der Definition nach Nair, nach der Agroforstsysteme hinsichtlich ihrer Gestaltung, ihrer Artenzusammensetzung und ihrer Bewirtschaftung deutlich vielfältiger sind. Einige Beispiele sind Streuobstwiesen, Knicks, Windschutzhecken, Gewässerschutzstreifen, Homegarden-, Waldweide- oder Energieholz-Alley-Cropping-Systeme.

Agroforstsysteme sind in unterschiedlichen Ausprägungen weltweit verbreitet. Die Spannweite ist groß und reicht von Shifting-Cultivation- und Homegarden-Systemen, die insbesondere in den Tropen und Subtropen vorkommen, Aqua-Kulturen in Mangrovenwäldern (Nair, 1985), über Gewässerschutzstreifen (Vought et al., 1995) und Windschutzhecken-Systemen (Brandle et al., 2004) in Nord-Amerika und Kanada bis hin zu Energieholz-Agroforstsystemen (Grünewald et al., 2007), die insbesondere in Mitteleuropa ihren Nutzungsschwerpunkt haben.

Agroforstsysteme gelten weltweit als eine der ältesten Landnutzungsformen. Auch in Deutschland waren bereits im Mittelalter Agroforstsysteme in Form von Streuobstwiesen, Schneitelbaum-, Kopfweiden- und Allee-Systemen weiträumig verbreitet (Konold und Reeg, 2009).

Nein. Die Nutzung von Bäumen in landwirtschaftlichen Systemen hat in Mitteleuropa eine lange Tradition. Neben historischen Nutzungsformen wie der Schneitelwirtschaft (Rückschnitt geeigneter Baumarten wie Eschen und Ulmen zur Gewinnung von Viehfutter),  Holzwiesen (Nutzung von Futterlaub und Holz), der Zeidlerei (Gewinnung von Wildhonig), Kopfweiden-Wirtschaft (Gewinnung von Flecht- und Baumaterial) und dem Obstanbau (Anbau hochstämmiger Obstbäume und Nutzung der darunter liegenden Fläche als Acker oder Weide), sind insbesondere Hutewälder (z.B. Eichelmast mit Schweinen) und verschiedene Heckenwirtschafts-Systeme (z.B. Windschutz-Hecken oder Knicks) weit verbreitete und ökonomisch bedeutsame Agroforstsysteme in Mitteleuropa gewesen (Konold und Reeg, 2009).

Die ursprünglich weit verbreiteten, auf Prinzipien der Nachhaltigkeit und der Kreislaufwirtschaft basierenden Agroforstsysteme, wurden mit einsetzender Industrialisierung der Landwirtschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend aus der Agrarlandschaft verdrängt. Im Vergleich zu industrialisierten Landnutzungsformen waren sie nicht an maschinelle Bewirtschaftung angepasst,  teilweise weniger rentabel und passten nicht in die systematische Einteilung von Landnutzungsformen in entweder Land- oder Forstwirtschaft (Eichhorn et al., 2006Konold und Reeg, 2009). Heutzutage finden sich Agroforstsysteme überwiegend nur noch in Nischen- oder Spezialbereichen, wie z.B. in Form von Windschutzhecken, Gewässerrandstreifen oder Streuobstwiesen. Erst in jüngerer Zeit gibt es aufgrund der vielfältigen, positiven Eigenschaften von Agroforst wieder vermehrt Interesse an dieser Form der Landnutzung. In Mitteleuropa spielen hierbei insbesondere die Notwendigkeit zur Etablierung nachhaltiger Landnutzungssysteme sowie die steigende Nachfrage nach erneuerbaren Bio-Energierohstoffen eine Rolle.

Die Bezeichnung ‚modernes Agroforstsystem‘ wird im Gegensatz zu traditionellen Systemen in der Regel verwendet, um Agroforstsysteme zu beschreiben, die hinsichtlich Anlageschema, Pflanzenauswahl und Bewirtschaftung an ‚moderne‘ landwirtschaftliche Praktiken angepasst sind. Ein häufiges Kennzeichen moderner Agroforstsysteme ist dabei ihre Eignung zur maschinellen Bewirtschaftung mit aktueller landwirtschaftlicher Produktionstechnik. Ein wesentliches Ziel ‚moderner Agroforstsysteme‘ ist, dass die landwirtschaftliche Nutzung möglichst wenig durch die Bäume beeinträchtigt wird und dass eine ökonomisch konkurrenzfähige Produktion von tierischen, ackerbaulichen und forstwirtschaftlichen Produkten ermöglicht wird.

Ein beliebtes modernes Agroforstsystem ist die streifenförmige Pflanzung von schnellwachsenden Pappeln oder Weiden, die im Kurz- oder Mittelumtrieb zur Gewinnung von z.B Energieholz genutzt werden. Dazwischen findet die betriebsübliche Nutzung von Acker oder Grünland statt.  Bei Kurzumtriebsplantagen ist die gesamte Fläche mit Gehölzen bepflanzt.

Die Vielfalt von Agroforstsystemen hinsichtlich Strukturierungsmöglichkeiten und einsetzbarer Pflanzenarten ist groß, so dass im Prinzip auf fast jeder landwirtschaftlichen Fläche Agroforstsysteme angelegt werden können. Allerdings ist die Voraussetzung dabei, dass die Agroforstsysteme als solche sowie die verwendeten Pflanzen- oder Tierarten an die lokalen Gegebenheiten gut angepasst sind. Das bedeutet, dass nicht jede Art von Agroforstsystem für jeden Standort geeignet sind.
So ist beispielsweise die Produktion von Wertholz in Agroforstsystemen auf Standorten, auf denen sich keine guten Holzqualitäten entwickeln, wenig sinnvoll. Ebenso sind sehr trockene Bedingungen (z.B. besonders flachgründige Böden) oft Ausschlusskriterium für viele Agroforstsysteme, in denen intensiver Ackerbau mit Gehölzen kombiniert wird. Sinnvoller kann es sein, in solchen Regionen auf silvopastorale Systeme auszuweichen.
Grundsätzlich nicht für Agroforstsysteme in Frage kommen Gebiete, in denen keine Gehölze gedeihen (z.B. oberhalb der Waldgrenze, auf besonders trockenen oder feuchten / staunassen Standorten). Auch drainierte Flächen sind zumeist nicht geeignet, da die Baumwurzeln mit der Zeit in die Drainagen einwachsen und diese beschädigen können.
Welches Agroforstystem letztendlich für einen bestimmten Standort ausgewählt wird, ist daher oft Resultat längerer Überlegungen in die die Zielstellung des Landwirts, die Wuchsbedingungen, Bewirtschaftungsmöglichkeiten, ökonomische und ökologische Faktoren, die rechtlichen Rahmenbedingungen und letztendlich auch die persönliche Vorlieben der Landbewirtschafter einfließen.

Die in Agroforstsystemen potentiell entstehenden Wechselwirkungen können grob in die Bereiche Ökonomie und Ökologie aufgeteilt werden.
Ökonomisch vorteilhaft sind beispielsweise die Erhöhung der Flächenproduktivität (insbesondere interessant auf Grenzertragsflächen), der Schutz der Ackerkrume vor Wasser- und Winderosion und Erhaltung oder Steigerung der Bodenfruchtbarkeit (Streuschicht-Bildung und Humusanreicherung durch Gehölze). Darüber hinaus bieten Agroforstsysteme Möglichkeiten zur Ertragsdiversifizierung (Verkauf von z.B. konventionellen Ackerfrüchten und Hackschnitzeln), zum langfristigen Kapitalaufbau (z.B. bei Wert- oder Stammholzproduktion) und zur extensiven Bewirtschaftung der Gehölzflächen (Kostenersparnis).
Als ökologisch vorteilhafte Faktoren sind beispielsweise die Reduzierung von Schad- und Nährstoffeinträgen in Sickerwässern (Verbesserung der Grundwasserqualität), Erhöhung der Biodiversität durch eine größere Habitatvielfalt in Agroforstsystemen im Vergleich zu konventionellen Ackersystemen (Reeg et al., 2009), Veränderungen des Mikroklimas (Niederschlags- Wind- und Temperaturverteilung), oberirdische und unterirdische Kohlenstoff-bindung und Reduzierung des Einsatzes von Agrochemikalien und -düngern aufgrund Teilflächenextensivierung zu nennen (Quinkenstein et al., 2009).
Darüber hinaus  erhöhen Agroforstsysteme die Ästhetik einer ausgeräumten Agrarlandschaft und die neuen Produkte können zur Schaffung lokaler Märkte (Link AgroWertRegio) beitragen.

  • Schutz vor Wind- und Wassererosion
  • Windschutz für Ackerkulturen
  • Verminderung des Stoffaustrages in Grund- und Oberflächengewässer
  • Herausbildung stärker geschlossener Nährstoffkreisläufe durch Gehölze (verstärkte Nährstoffaufnahme im Unterboden und Abgabe über Streufall im Oberboden)
  • Schutz vor Wetterextrema (z.B. Senkung von Temperaturmaxima durch Beschattung)
  • Förderung der Kohlenstoff-Bindung und Humusbildung im Boden durch Gehölzeinfluss
  • Positive Effekte auf Ertragshöhe und -stabilität bei annuellen Kulturen aufgrund eines günstigeren Mikroklimas
  • Erhöhung der Struktur- und Habitatvielfalt in landwirtschaftlich geprägten Regionen
  • Schaffung von Extensiv- bzw. Ruhezonen sowie Rückzugsräumen für Wild (besonders für Niederwild)
  • Erhöhung der Biodiversität auf Agrarflächen
  • In vielen Fällen: ökologische, landschaftsästhetische und ökonomische Aufwertung von Agrarflächen
  • Weniger Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln auf Gehölzflächen
  • Verbesserung der flächenbezogenen Energiebilanz und höhere Nährstoffnutzungseffizienz
  • Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktpalette (Produktdiversifizierung)
  • Nachhaltige Bereitstellung von Energierohstoffen (z.B. holzartige Biomasse)
  • Gleichmäßigere saisonale Verteilung von Arbeitsspitzen (z.B. Beerntung von Energiehölzern im Winter)
  • Förderung regionaler Stoffkreisläufe und regionaler Wertschöpfung bzw. regionaler Wertschöpfungsketten
  • Erhöhung der gesellschaftlichen Akzeptanz und Wertschätzung von Landwirtschaft

Aus ökonomischer Sichtergeben die höheren Etablierungskosten von Agroforstsystemen im Vergleich zu annuellen Kulturen einen höheren Aufwand und höhere Kosten für die Bewirtschaftung sowie eine langfristige Kapital- und Flächenbindung durch die vergleichsweise langsam wachsenden Gehölze. Somit wird unter Umständen die betriebliche Flexibilität hinsichtlich Flächenverpachtung oder -verkauf verringert. Darüber hinaus besteht in Spezialfällen die Befürchtung, dass die Gehölzwurzeln mittelfristig in bestehende Acker-Drainage-Systeme eindringen und diese zerstören könnten.
Hinsichtlich ökologischer Wirkungen ist zu bedenken, dass zwischen Gehölzen und Ackerkulturen Konkurrenzsituationen um Licht, Nährstoffe, Wasser und Wuchsraum entstehen können, die sich negativ auf das Pflanzenwachstum auswirken.
Durch eine der Flächenanlage vorausgehende, sorgfältige Planung sowie durch eine fachgerechten Anlage und Bewirtschaftung von Agroforstsystemen kann jedoch in aller Regel die Mehrzahl der genannten negativen Effekte vermieden oder zumindest auf ein tolerables Maß reduziert werden.

Wie viel Kohlenstoff in einem natürlichen System gebunden wird, hängt von der Menge des kontinuierlich neu gebundenen Kohlenstoffs (Biomasse-Wachstum), der Absterberate und der Umsetzungsgeschwindigkeit der toten organischen Substanz ab. Da es sich hierbei um ein Fließgleichgewicht handelt, ist auch der in landwirtschaftlichen Systemen maximal gebundene Kohlenstoff immer abhängig von dem aktuellen Landnutzungssystem und ändert sich, wenn sich das Landnutzungssystem ändert. Im Vergleich zu annuellen Ackerkulturen speichern Agroforstsysteme durch den zusätzlichen Einfluss der Gehölze mehr Kohlenstoff in der Biomasse, der Streuschicht und im Boden. Dieser Effekt bleibt bestehen, so lange das Agroforstsystem existiert. Werden eines Tages die Bäume gefällt und nicht ersetzt, sinkt die im System gebundene Kohlenstoff-Menge wieder auf das Niveau annueller Ackerkulturen ab (Quinkenstein et al., 2012).
Darüber hinaus spielt auch die Verwendung der Ernte-Erträge des Agroforstsystems eine Rolle, da der zuvor im Holz gebundene Kohlenstoff erst wieder frei wird, wenn das Holz verbrannt oder zersetzt wird. Bei der Verwendung des Holzes als Brennmaterial oder durch Belassen von Kronenmaterial auf der Fläche, wird der Kohlenstoff in der Regel bereits innerhalb weniger Jahre wieder an die Atmosphäre abgegeben. Allerdings wird bei Nutzung der Biomasse zur Energieerzeugung unter Umständen die Nutzung einer äquivalenten, mit fossilen Energieträgern erzeugten, Energiemenge vermieden, wodurch die zusätzliche Freisetzung von fossilem Kohlenstoff in die Atmosphäre verhindert wird. Durch die Nutzung von Holz in langfristigen Holzprodukten (z.B. in Möbeln oder Bodenbelägen) verlängert sich zudem die Kohlenstoff-Speicherdauer um die Nutzungsdauer der Produkte.
Je nach Art des Agroforstsystems, den lokalen Bedingungen, der Bewirtschaftung, der Produkt-/ Holznutzung und –verarbeitung nach der Ernte ist also eine unterschiedlich hohe Kohlenstoffspeichermenge und -dauer durch Agroforstsysteme möglich.

Bei sachgerechter Anlage und Bewirtschaftung von Agroforstsystemen entstehen vielfältige Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Systemkomponenten (z.B. zwischen Gehölzen und annuellen Ackerkulturen). Einige dieser Wechselwirkungen können als vorteilhaft für die landwirtschaftliche Produktion bewertet werden, einige Wechselwirkungen sind neutral und einige können sich auch negativ auswirken. Welche der Wechselwirkungen in einem bestimmten System auftreten und welche vorherrschend sind, hängt insbesondere von der Art, Struktur und Zusammensetzung des speziellen Systems (z.B. genutzte Pflanzenarten), den lokalen Standort- und Wuchsbedingungen und der Bewirtschaftung ab. In der Regel steht bei der Planung eines Agroforstsystems mindestens eine Funktion wie z.B. Windschutz, die Erzeugung eines Produktes oder die Steigerung der Biodiversität im Vordergrund. Dadurch können Zielkonflikte entstehen, sodass zwar die eine Funktion erfüllt werden kann, in einem anderen Bereich dafür aber gewisse Kompromisse gemacht werden müssen.

Die Beurteilung, ob Agroforstsysteme positiv oder negativ zu bewerten sind, kann daher in der Regel nicht pauschal vorgenommen werden, sondern sollte für jedes Agroforstsystem unter Berücksichtigung der vor Ort wirksamen Faktoren getrennt erfolgen.

Durch eine der Flächenanlage vorausgehende, sorgfältige Planung sowie durch eine fachgerechte Anlage und Bewirtschaftung von Agroforstsystemen kann in aller Regel die Mehrzahl der genannten negativen Effekte vermieden oder zumindest auf ein tolerables Maß reduziert werden.

Die Beurteilung, ob Agroforstsysteme positiv oder negativ zu bewerten sind, kann daher in der Regel nicht pauschal vorgenommen werden, sondern sollte für jedes Agroforstsystem unter Berücksichtigung der vor Ort wirksamen Faktoren getrennt erfolgen.

Durch eine der Flächenanlage vorausgehende, sorgfältige Planung sowie durch eine fachgerechte Anlage und Bewirtschaftung von Agroforstsystemen kann in aller Regel die Mehrzahl der genannten negativen Effekte vermieden oder zumindest auf ein tolerables Maß reduziert werden.

Da Agrargehölze eine langfristige Investition darstellen, sollte die Neuanlage von Agroforstsystemen im Vorfeld gut durchdacht und geplant werden. Ausgehend von der Zielstellung des Landnutzers (Was soll erreicht werden?) sollte die Fläche und die Art des Agroforstsystems ausgewählt werden. In den folgenden Schritten sollten die Gehölze, Unterkulturen und gegebenenfalls die zu haltenden Tierarten gewählt, die grundsätzlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen (Pflanzung, Pflege, Ernte, Maschinenpark) geplant werden und das Gesamtkonzept an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden. Insbesondere die Planung der Produktvermarktung (Vertriebswege, Bewertung lokaler Absatzmärkte, Erschließung neuer Einnahmequellen, Produktbewerbung etc.) sollte umfassend und gründlich erfolgen. Des Weiteren muss sich der Landnutzer mit der aktuellen rechtlichen Situation  und den Fördermöglichkeiten vertraut machen. Zur Bewertung der Profitabilität des Vorhabens sollten zudem im Rahmen einer umfassenden betriebswirtschaftlichen Bewertung anfallende Kosten den zu erwartenden Einnahmen sachlich gegenübergestellt werden. Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, unabhängige Fachleute in die Planungen einzubeziehen (siehe u.a. Beratungsangebote). Um Planungs- und Rechtssicherheit sicherzustellen ist es zudem angeraten, im Vorfeld Kontakt zu den zuständigen Stellen für Landwirtschaft und Naturschutz aufzunehmen und mit diesen die Planungen und eventuell notwendige Änderungen am Gesamtkonzept abzustimmen.

Grundsätzlich werden die Pflanzen- und / oder Tier-Arten nach den gewünschten Produkten oder Leistungen ausgewählt, die mit dem Agroforstsystem erzeugt werden sollen. Darüber hinaus sollten die verschiedenen Komponenten (Pflanzen, Tiere), das Anlageschema und die Bewirtschaftungsmaßnahmen so aufeinander abgestimmt sein, dass die beteiligten Tier- und Pflanzenarten miteinander möglichst wenig um die Wachstumsressourcen Wasser, Nährstoffe, Licht und Raum konkurrieren und sich nicht gegenseitig schädigen. Grundsätzliches Ziel einer guten Agroforstwirtschafts-Praxis ist es, die positiven Wechselwirkungen zu maximieren und die negativen Wechselwirkungen zu minimieren.
Der Katalog von Praxisbeispielen bietet einen Überblick darüber, welche Kombinationen von Tier- und Pflanzenarten in Abhängigkeit unterschiedlicher Standortbedingungen in Mitteleuropa funktionieren können.

Wichtige Aspekte, die bei der Anordnung der Gehölze in Agroforstsystemen beachtet werden sollten, sind eine dem Produktionsziel angemessene Pflanzdichte der Gehölze, die die Versorgung etwaiger Unterkulturen mit Licht (Schattenwurf durch die Baumkronen), Nährstoffen, Wasser (Wurzelkonkurrenz) und Wuchsraum nicht gefährdet, ausreichend Abstand zwischen den Gehölzen und eine geeignete Anordnung derselbigen um die Bewirtschaftung der Fläche mit landwirtschaftlicher Technik zu ermöglichen und relevante standortspezifische Faktoren, wie beispielsweise die Nähe zu Wald und Wildtieren. Soll das System nach dem Agrarrecht förderfähig sein, sind die Richtlinien zu Abständen und Gehölzdichte der GAP, Ökoregelung 3 und gegebenenfalls der Investitionsförderung (Stand 2026 verfügbar in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen) zu beachten.

Moderne Agroforstsysteme können in der Regel so gestaltet werden, dass ein gegebenenfalls vorhandener Maschinenpark genutzt (z.B. Anpassung von Gehölzabständen an Arbeitsbreiten vorhandener Maschinen) und eine effiziente Bewirtschaftung des Agroforstsystems möglich ist (z.B. Vermeidung von Mehrfahrten durch geschicktes Flächendesign).
Intensivere Bodenbearbeitung (auch Pflügen) kann in der Regel bis zu einem Meter dicht an die Bäume heran erfolgen, sofern die Maßnahmen regelmäßig erfolgen. Hierdurch werden die oberflächennahen Baumwurzeln bereits in einem frühen Stadium abgetrennt, so dass sie sich mit der Zeit in einer größeren Bodentiefe, unterhalb der landwirtschaftlichen Kulturen, neu ausbilden. Hierdurch wird Wurzelkonkurrenz im Oberboden zwischen Gehölzen und annuellen Kulturen reduziert und spätere Schäden an stärkeren Baumwurzeln durch Bodenbearbeitungsmaßnahmen verhindert.
In Abhängigkeit von der Art des Agroforstsystems ist allerdings gegebenenfalls die Beschaffung von landwirtschaftlicher Spezialtechnik notwendig (z.B. zur Beerntung von Streuobstwiesen).

Die Agroforstwirtschaft ist seit 2023 in der GAP als landwirtschaftliche Nutzung mit Anspruch auf Flächenprämie anerkannt.

Werden bestimmte Kriterien zu Abständen und Pflanzdichte eingehalten, kann die Ökoregelung 3 für die „Beibehaltung einer agroforstlichen Bewirtschaftungsweise auf Acker- und Dauergrünland“ in Anspruch genommen werden. Sie beträgt ab 2026 600 €/ha Gehölzfläche.

Darüber hinaus bieten einige Bundesländer Investitionsförderungen für Agroforstsysteme über den GAK-Rahmenplan an, Stand Februar 2026 sind das: Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen. Die Investitionsförderung ist anwendbar auf Systeme, die den Vorgaben der ÖR 3 entsprechen. Es sind höhere Fördersätze je Hektar Gehölzfläche möglich, wenn vielfältige Arten gepflanzt werden. Die Bedingungen unterscheiden sich je nach Bundesland und können mit dem aktuellen Stand auf der Agroforst.jetzt Seite eingesehen werden.

Die positiven Wirkungen von Agrargehölzen auf Weidetiere sind vielfältig. Bäume bieten Schutz vor zu viel Sonne (Temperatur), Wind und Regen und tragen darüber hinaus durch Sichtschutz zur Minderung von sozialem Stress unter den Tieren bei. Die Weidetiere wiederum halten das Gras kurz und tragen damit sowie durch die Abgabe von Kot und Urin zur Düngung und damit zum Wachstum der Pflanzen bei. .
Dennoch sind Agrargehölze und Weideviehhaltung in der Regel nur miteinander vereinbar, wenn die Bäume vor Verbiss oder sonstigen Rindenschäden geschützt werden, insbesondere wenn die Bäume noch jung sind (Chalmin, 2009). Der Viehbesatz sollte zudem an die Fläche angepasst werden, um zu hohen Beweidungsdruck und eventuelle Schäden an der Grasnarbe zu vermeiden. Ziegen richten verglichen mit Schafen, Rindern, Pferden und Schweinen die größten Schäden an, da sie am Ehesten auch Gehölze verbeißen (Chalmin, 2009). Mögliche Schutzmaßnahmen sind Wildschutzspiralen bei Schaf- oder Ziegen und ein stabiler Baumschutz bei Beweidung mit größeren Tieren wie Rindern oder Pferden.
Werden die richtigen Schutzmaßnahmen ergriffen, können fast alle Weidetiere auf Agroforstflächen gehalten werden (Chalmin, 2009).

In vielen Fällen ja. Zusätzlich zu der notwendigen Acker- oder Viehbewirtschaftung fallen in Agroforstsystemen die Baumpflege, z.B. Rückschneiden oder Asten von Bäumen, sowie eventuelle Grünstreifen- oder Pufferstreifen-Pflege an. Hinzu kommt, dass einige landwirtschaftliche Arbeitsgänge mehr Zeit in Anspruch nehmen als in konventionellen landwirtschaftlichen Systemen (z.B. durch Umfahrung der Gehölze).
Durch standortangepasste Anlage der Agroforstsysteme können solche negativen Effekte in der Regel jedoch vermieden oder reduziert werden. Wird die Fläche regelmäßig und sorgfältig gepflegt, ist der zusätzliche Arbeitsaufwand oft verhältnismäßig gering. Hinzu kommt, dass die Mehrzahl der baumbezogenen Bewirtschaftungsmaßnahmen (z.B. Rückschneiden oder Ernte) im Winterhalbjahr durchgeführt werden können und somit in die weniger arbeitsintensive Jahreszeit fallen.

Die Hauptwirkung auf den Boden entfalten Agrargehölze über den ober- und unterirdischen Streufall (u. A. Herausbildung einer bodendeckenden Streuschicht) sowie durch das Wachstum und die Aktivität ihrer Wurzeln (Quinkenstein und Kanzler in Böhm und Veste, 2017). Gehölze können weitreichende, überdauernde Wurzelsysteme ausbilden. Durch das Wachstum wird der Boden dabei aufgelockert und belüftet. Da die Wurzeln auch in große Tiefen vordringen, können sie dort zudem Wasser- und Nährstoffquellen erschließen, die annuellen Kulturen in der Regel nicht zur Verfügung stehen. Über den Streufall und die anschließende Umsetzung der akkumulierten, toten organischen Substanz, wird sowohl die Humusbildung angeregt, als auch die im Unterboden aufgenommenen Nährstoffe wieder im Oberboden freigesetzt, wo sie auch von anderen Pflanzen genutzt werden können. So kann man teilweise schon in jungen Agroforstsystemen beobachten, dass der Humusgehalt des Oberbodens und damit auch die Aktivität der Bodenorganismen (wie Regenwürmern und Mikroorganismen) um die Bäume herum zunehmen (Quinkenstein und Kanzler in Böhm und Veste, 2017).

Hier finden Sie eine umfangreiche Begriffserklärung rund um Landwirtschaft und Agrarthemen: www.agrarraum.info

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