Bäume pflanzen, Brote ernten!

13.02.2024

Mit Bäumen mehr Nachhaltigkeit auf dem Teller – Agroforstsysteme schaffen dafür die besten Voraussetzungen! Die im Projekt AgroBaLa verfolgten Ziele, in Südbrandenburg durch Agroforstsysteme eine klimaresiliente Landnutzung zur erreichen, die auch ökonomische Perspektiven bietet, führen letztendlich auch zur Frage der nachhaltigen Ernährung. Denn die Bewirtschaftung der Fläche liegt zwar hauptsächlich in den Händen von Landwirtschaftsbetrieben, damit diese aber langfristig auch ausreichende Anreize dafür haben, spielt neben den teilweise kontrovers diskutierten Subventionen vor allem auch eine effektive Vermarktung eine große Rolle, und damit eine faire Preisgestaltung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Die Agroforstwirtschaft ist bekannt für ihre vielen Vorteile für Mensch und Natur, sodass sich in den letzten Jahren eine zunehmende Anzahl von Landwirtschaftsbetrieben für diese nachhaltige Landnutzungsform entschieden hat. Thomas Domin vom Landwirtschaftsbetrieb Domin aus Peickwitz ist als Pionier in der Agroforstwirtschaft seit 2015 aktiv und damit über den ersten Schritt, erst einmal ein System anzulegen, bereits weit hinaus. Im Projekt AgroBaLa experimentiert er daher in Kooperation mit der BTU Cottbus-Senftenberg u. a. mit dem Anbau neuer, trockenheitstoleranter Kulturen zwischen den Gehölzstreifen wie der glutenfreien Getreidealternative Teff oder auch mit dem Anbau von Sonderkulturen im Schattenbereich der Gehölze.

Auch Baumarten wie die Esskastanie und Baumhasel, bisher in Brandenburg noch nicht sehr verbreitet, spielen eine Rolle: In der Agroforstwirtschaft wird ihnen und auch weiteren Arten großes Potential zugeschrieben. Hier kommt auch die Jute Bäckerei ins Spiel, im Projekt AgroBaLa assoziierter Partner. Als glutenfreie Bäckerei ist sie ein Unternehmen, das neue Produkte, die in Agroforstsystemen erzeugt werden können, in ihren Erzeugnissen verarbeitet. Neben Teff ist das in diesem Fall u. a. die Esskastanie, Haselnuss oder auch Mandeln, denn Mandelbäume werden in Deutschland vereinzelt ebenfalls schon in Agroforstsystemen gepflanzt.

Da für eine erfolgreiche Vermarktung von Agroforstprodukten aber neben den Landwirtschaftsbetrieben sowie Handwerks- und Handelsunternehmen auch die Konsument:innen dazu gehören, stellt sich oft die Frage der passenden Preisgestaltung. Vor allem in den ersten Jahren bedeutet die Anlage von Agroforstsystemen für Landwirtschaftsbetriebe höhere Investitionskosten und auch einen gewissen Mehraufwand. Produkte von den Bäumen und Sträuchern können aber erst nach einigen Jahren geerntet werden – Agroforstsysteme müssen also längerfristig gedacht werden, als gängige landwirtschaftliche Kulturen. Die Kosten für diesen Mehraufwand sind derzeit nicht gedeckt: Finanzielle Unterstützung, die Betriebe über die Agrarförderung für Agroforstwirtschaft erhalten können, ist extrem niedrig und wird den realen Kosten nicht gerecht.

Ein anderer Ansatz ist es, durch die Vermarktung von Agroforstprodukten zu gewissem Grad auch die Kosten für diese Landnutzungsform, die Vorteile für die gesamte Gesellschaft bringt, wieder rein zu holen. Welche Potentiale dieser Ansatz hat, versucht derzeit die Jute Bäckerei in Kooperation mit dem DeFAF e. V. herauszufinden. Mithilfe von Infokarten, der Agroforst-Broschüre und weiteren Materialien erhalten die Kund:innen in der Bäckerei Infos zur Agroforstwirtschaft. Gleichzeitig können sie über eine Kurzumfrage angeben, inwiefern sie sich aktiv für Agroforst-Produkte entscheiden und einen gewissen Mehrpreis dafür auch tolerieren würden.

In einem weiteren Projekt des DeFAF e.V., AgroWert-Regio, das sich wie AgroBaLa ebenfalls auf Südbrandenburg konzentriert, wird die ökonomische Seite der Agroforstprodukte in noch mehr Detail bearbeitet. Unter anderem geht es hier auch um kooperative Ansätze, die eine vor allem regionale Vermarktung von Erzeugnissen aus Agroforstsystemen langfristig verstetigen kann. Falls Sie selbst in diesen Bereichen aktiv sind oder Interesse an dem Thema haben, kommen Sie über  gerne auf uns zu!