Europäische Landschaften aufwerten mit Agroforstsystemen: der DeFAF auf der 8. EURAF-Konferenz in Neuchâtel, Schweiz

29.06.2026

Mehr als 400 Teilnehmende, 20 Sessions, 9 Workshops, 9 Exkursionen und spannende Postersessions – die diesjährige europäische Agroforstkonferenz, die vom 22.-26. Juni 2026 in Neuchâtel, Schweiz, stattfand, bot ein vielfältiges Programm. Der DeFAF war mit einer Session, Workshops und einem Vortrag vertreten.

In vielen europäischen Ländern ist die Agroforstwirtschaft ein wichtiger Baustein für eine zukunftsfähige Landnutzung – nicht zuletzt hängt ihre Umsetzung derzeit vor allem von der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU ab. Der Austausch und die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene ist daher essentiell, um erfolgreiche Ansätze für mehr Gehölze auf landwirtschaftlichen Flächen zu erreichen. Mit der mittlerweile 8. Konferenz hat die Europäische Agroforst-Föderation (EURAF) hierfür ein wichtiges Format geschaffen.

In mehreren internationalen Projekten arbeitet auch der DeFAF mit anderen europäischen Ländern zusammen. Das Projekt EELAP widmet sich der Skalierung der Agroforstwirtschaft auf die Landschaftsebene und untersucht u.a. erfolgreiche Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten im Bereich Agroforstwirtschaft. Julia Günzel vom DeFAF berichtete hierzu in einem Vortrag in der Session „Soziale Aspekte der Agroforstwirtschaft“ über die Erfahrungen mit kooperativen Vermarktungsmodellen. Hierzu gibt es in der Lausitz, in der die Initiative „Besser mit Bäumen“ entstanden ist, gute Erfahrungen und in EELAP wird in den nächsten Monaten untersucht, unter welchen Bedingungen sich solche Ansätze ausweiten lassen können.

Ein weiterer Schwerpunkt in EELAP ist die Integration der Agroforstwirtschaft auf regionaler Ebene, um einen Beitrag zu Nachhaltigkeitszielen wie der Verbesserung der Biodiversität zu leisten. Ein aktuelles Thema ist diesbezüglich der nationale Wiederherstellungsplan für die Natur, der derzeit erarbeitet wird und die Agroforstwirtschaft als eine Maßnahme vorsieht. In einem Workshop stellte Julia Günzel den Hintergrund der EU-Wiederherstellungsverordnung und den nationalen Beteiligungs- und Erarbeitungsprozess am Beispiel von Deutschland vor. Mit den rund 15 Teilnehmenden entstand ein spannender Austausch zu den Herausforderungen, Chancen und den derzeit noch offenen Fragen zur Umsetzung der Pläne in den EU-Ländern.

Digitale Tools und deren Anwendung waren Inhalt zweier Sessions die gemeinsam in den Projekten DigitAF und ReFOREST angeboten wurden. Dr. Rico Hübner stellte die Handhabung und Nutzung der Agroforstlandkarte des DeFAF vor. Im Bereich Ökonomie wurde ein Workshop zum Agroforstrechner abgehalten.

Hoch spannend waren auch die Eingereichten Vorträge in der Session zum Thema „Carbon Farming“. Hier konnten die neuesten Ergebnisse in diesem spannenden Forschungsfeld verfolgt werden.

Als Guest Editor der Springer-Nature Zeitschrift Agroforestry Systems sammelt Rico Hübner noch interessante Beiträge, aus den vorgestellten Ergebnissen. Es sollen ca. 20 Artikel in einer speziell für die Tagung erstellten Collection bis Ende des Jahres veröffentlich werden – bei Interesse gerne melden.

Für alle, die der Tagung nicht persönlich beiwohnen konnten, die Keynotes wurden digital aufbereitet und stehen jetzt zur Verfügung. Viel Spaß beim reinhören!