Klartext Forschung #9: Laufkäfer als Nützlinge im Agroforst

In der Reihe Klartext Forschung • das DeFAF Science-Update beleuchtet der Fachverband aktuelle Veröffentlichungen aus wissenschaftlicher Fachliteratur zum Thema Agroforstwirtschaft (oder zu Themen mit Agroforst-Bezug) und stellt die Kernaussagen heraus. Die gewählten Veröffentlichungen sind frei verfügbar und für alle Interessierten kostenfrei lesbar.

Alle Artikel in der Übersicht

Literaturquelle:

Sagolla, V., Beule, L., Schuldt, A., 2026. Agroforestry enhances functional trait diversity and promotes early season pest control potential of carabid beetles. Biodivers Conserv 35, 113. https://doi.org/10.1007/s10531-026-03317-9

Abb. 1 (a) Lage der fünf Untersuchungsstandorte in Deutschland, (b) Versuchsdesign mit gepaarten Untersuchungsflächen (Agroforst und offener Acker). Die Probenahme erfolgte entlang von Transekten im Agroforst und mit in einem 3 × 2-Raster auf offenem Ackerland. (c) Beispiele für die verwendeten Barber- und Emergenzfallen.

Creative Commons Attribution 4.0 International License: Sagolla, V., Beule, L., Schuldt, A., 2026. Agroforestry enhances functional trait diversity and promotes early season pest control potential of carabid beetles. Biodivers Conserv 35, 113. https://doi.org/10.1007/s10531-026-03317-9

Laufkäfer sind wichtige „Partner“ in der Landwirtschaft

Worüber wurde geforscht?

Die Forschenden untersuchen den Einfluss von Agroforstsystemen in Deutschland mit schnellwachsenden Gehölzen im Streifenanbau (Alley Cropping) auf die Anzahl, Diversität und funktionale Rolle von Laufkäfern (Carabidae). Laufkäfer sind weit verbreitete Nützlinge und reagieren auf Veränderungen in der Umwelt, wodurch sie ein guter Indikator für den Effekt von landwirtschaftlicher Bewirtschaftung sind.

Welche Erkenntnisse gab es?

Die Studie zeigt, dass die Artenvielfalt der Laufkäfer in den Baumstreifen am höchsten war und mit zunehmender Entfernung von diesen abnahm. Agroforstsysteme steigern dabei auch die funktionelle Diversität in Bezug auf verschiedene Ökosystemleistungen der Laufkäfer. Hierbei werden insbesondere samenfressende Waldarten gefördert, die durch ihren Samenfraß potenziell zur natürlichen Beikrautregulierung beitragen können.

Darüber hinaus begünstigen Agroforstsysteme Laufkäferarten, die im Frühjahr und im Herbst aus dem Boden schlüpfen. Besonders die im Frühjahr schlüpfenden Arten profitieren von den Gehölzstreifen, da diese wichtige Überwinterungsquartiere bieten. Insgesamt tragen Agroforstsysteme durch die Förderung einer diverseren Laufkäfergemeinschaft zu einer höheren Resilienz des landwirtschaftlichen Produktionssystems bei, da artenreiche Laufkäfergemeinschaften zur Kontrolle verschiedener Pflanzenschädlinge beitragen und diese durch Bejagung in einem frühen Stadium unterdrücken können.

Eine der beforschten Flächen mit Baumstreifen und offenem Ackerland.

In Kürze

  • Agroforstsysteme (Alley Cropping) in Deutschland erhöhen Artenvielfalt und funktionelle Diversität von Laufkäfern
  • Artenvielfalt ist direkt in den Gehölzstreifen am höchsten und nimmt mit zunehmender Entfernung ab
  • Gehölzstreifen dienen als wichtige Überwinterungsquartiere, besonders für im Frühjahr schlüpfende Arten
  • Geförderte samenfressende Laufkäferarten können zur natürlichen Beikrautregulierung beitragen
  • Diversere Laufkäfergemeinschaften erhöhen die Resilienz des landwirtschaftlichen Systems und helfen, Schädlinge frühzeitig zu unterdrücken
  • Laufkäfer sind zuverlässige Bioindikatoren, ihre Förderung weist auf eine allgemeine Förderung der biologischen Vielfalt hin

Erkenntnisse aus anderen aktuellen Untersuchungen

Im Naturschutzvorhaben SEBAS werden die Effekte von Agroforstsystemen auf die biologische Vielfalt verschiedener Artengruppen und deren Ökosystemleistungen untersucht. Zurzeit laufen die Datenauswertungen, wobei erste Ergebnisse darauf hindeuten, dass insbesondere Agroforstsysteme, in denen Gehölzstreifen mit angrenzenden Saumbereichen (selbstbegrünende Blühstreifen) kombiniert werden, das Vorkommen von Nützlingen wie Ohrwürmern und die Artenvielfalt von Laufkäfern und Kurzflügelkäfern fördern.

Eine ähnliche Studie mit einem Fokus auf die Messung von Blattlausprädation und Samenfraß wurde in der letzten Ausgabe von Klartext Forschung untersucht: Klartext Forschung #8: Natürliche Regulierung von Beikräutern und Schädlingen im Agroforst | DEFAF e.V.

Kurzanalyse von:

Leon Bessert • bessert[at]defaf.de

Leon Bessert

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Zum weiterlesen:

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Die Effekte von Agroforstsystemen auf Ökosystemleistungen werden u.a. auch im Naturschutzvorhaben SEBAS untersucht.

Kontakt:

Gern lassen wir uns auf wissenschaftliche Veröffentlichungen aufmerksam machen. Schreiben Sie uns an pr[at]defaf.de

Klartext Forschung • das DeFAF Science-Update