Boden und Bäume zusammendenken: Feldtag zu Agroforst und Direktsaat lockt nach Steinfurt



Julia Günzel | 10.09.2026

Agroforstwirtschaft gilt als eine der vielversprechendsten Maßnahmen für eine zukunftsfähige Landnutzung.Wie sich die Agroforstwirtschaft mit anderen Maßnahmen wie zum Beispiel einer schonenden Bodenbearbeitung kombinieren lässt, zeigte der Feldtag „Agroforst und Direktsaat“ am 08.09.2026 auf dem Familienhof Große-Kleimann in Steinfurt bei Münster auf. Die Veranstaltung, die vom Landkreis Steinfurt ausgerichtet wurde, lockte rund 60 Personen an. Vor allem andere Landwirtinnen und Landwirte interessierten sich für die Erfahrungen, die der Agroforst-Landwirt und DeFAF Agroforst-Botschafter Jan Große-Kleimann bisher gemacht hat.

Carsten Rech vom Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Kreis Steinfurt begrüßte alle Teilnehmenden und stellte Referent:innen sowie die Motivation des Kreises für die Aktivitäten zu Agroforst und Bodenschutz in der Landwirtschaft vor. Im Anschluss führte Jan Große-Kleimann die Gruppe zu der in 2022 angelegten Agroforstfläche, auf der in Streifen mehrere, teilweise sehr alte, Sorten Apfelbäume gepflanzt wurden. Neben der Agroforstwirtschaft wendet Große-Kleimann auch die Direktsaat an. Dadurch verspricht er sich mehr Bodenfruchtbarkeit und weniger Erosion – positive Effekte bemerke er schon jetzt.

Im Gebäude des alten Hofladens, wo der lokale Verein KuLaDu seit 2025 einen „Dritten Ort“ aufbaut, ging es mit mehreren Vorträgen zur Vermarktung von Agroforstprodukten weiter. Lea Mußenbrock von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gab einen Überblick zu den möglichen Agroforstprodukten und gab Tipps, wie diese der Kundschaft über Direktvermarktung gut sichtbar und verständlich nah gebracht werden können. Julia Günzel vom DeFAF berichtete von der Erfahrungen aus der Lausitz: über das Projekt AgroWert-Regio wurde hier die Unternehmensinitiative Besser mit Bäumen ins Leben gerufen, die über die Vorteile von Agroforstprodukten wie Brot und Eiern aufklärt. Unter anderem über das Projekt EELAP werden solchen guten Beispiele für Wertschöpfung mit Agroforstwirtschaft aufgearbeitet – und im besten Fall in anderen Regionen übertragen.

Felix Wierling, ein Landwirt aus dem Kreis Coesfeld, der seit vielen Jahren mit Direkt- und Mulchsaat arbeitet, rundete den Feldtag mit einem spannenden Erosionsexperiment ab: Am Rand des Agroforstsystems zeigte er anschaulich auf, wieviel Boden bei Regen auf einer unter Direktsaat und einer unter Mulchsaat bewirtschafteten Fläche abgetragen wird. Damit zeigte er einen weiteren möglichen Baustein für eine zukunftsfähige Landnutzung auf.

Der Kreis Steinfurt, der den Feldtag im Rahmen eines kreisweiten Projektes für Klimaanpassung mit Agroforst durchführte, zeigte mit der Veranstaltung erfolgreich auf, wie innovative Betriebe einen wichtigen Beitrag für mehr Klimaresilienz und Zukunftsfähigkeit in der Landwirtschaft leisten können. Agroforstwirtschaft ist hierfür ein wichtiges Puzzleteil, das gemeinsam mit Maßnahmen schon nach kurzer Zeit wertvolle Effekte bringen kann.