Eindrücke vom Agroforst-Feldtag am 12.09.2022 bei Braunschweig

23. September 2022

Am 12.09.2022 organisierte der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF e.V.) am Julius-Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig einen Agroforstfeldtag. Der Feldtag fand im Rahmen des Verbundprojektes SIGNAL (Sustainable intensification of agriculture through agroforestry) statt. Innerhalb des Projektes werden seit 2015 Agroforstsysteme mit Pappelreihen zu unterschiedlichen Fragestellungen untersucht. Seit dem letzten Jahr ist der DeFAF e.V. als Projektpartner hinzugenommen worden, um den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis zu gestalten. Veranstaltungen wie Feldtage bieten ein sehr gutes Format, um sich über die Agroforstwirtschaft auszutauschen und vom gegenseitigen Wissen und Erfahrungen zu profitieren.

Am Vormittag gab es vier Vorträge, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtete, so z.B. Ergebnisse aus der Wissenschaft, (förder-) rechtliche Aspekte und Beispiele aus der praktischen Planung und Umsetzung. Es nahmen über 40 Teilnehmer: innen teil, die sich in den Diskussionen und Pausen weiter austauschen konnten. Neben dem Input aus den Vorträgen war somit auch eine Vernetzung der Teilnehmer: innen untereinander möglich. Gerade die Vielfalt der Akteur: innen vor Ort machte die Diskussionen sehr fruchtbar. Es waren Vertreter: innen des Naturschutzes, der Wissenschaft, unterschiedlicher Verbände und Institutionen und Landwirt: innen, die schon Agroforstflächen bewirtschafteten oder die sich generell für neue Möglichkeiten für Ihren Betrieb interessieren. Am Nachmittag wurde die Agroforst-Versuchsfläche vom JKI in Wendhausen besichtigt. Der folgende Text gibt einen Überblick über die Inhalte der Vorträge, Inhalte der Diskussionen und über die Feldbesichtigung.

Vortrag von Isabelle Frenzel zu „Einfluss von Agroforstsystemen – Ergebnisse aus dem Agroforst-Projekt SIGNAL“ 

Isabelle Frenzel, die seit 2021 Projektmitarbeiterin beim DeFAF e.V. für den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis ist, gab zunächst einen Einblick in die Definition und die Situation von Agroforstsystemen in Deutschland. Sobald Gehölze mit Ackerkulturen und/oder Tieren kombiniert werden, spricht man von Agroforstsystemen. Der Begriff Agroforstsystem stellt einen Überbegriff für sehr unterschiedliche Systeme dar, welche in ihrer Ausgestaltung sehr vielfältig sein können. Alle gemeinsam haben sie, dass zwischen den Komponenten Wechselwirkungen entstehen. Beispiele von Agroforstsystemen:

Generell, so sagt Isabelle Frenzel, liegt der Fokus in Deutschland momentan noch stark auf einzelnen Elementen wie z.B. Grünland, Ackerland oder Forst. Bei der Agroforstwirtschaft ist vor allem das Denken in Systemen gefragt. Das Thema Agroforstwirtschaft bekommt in letzter Zeit aber immer mehr Aufmerksamkeit. So war das Thema bei unterschiedlichen Veranstaltungen Schwerpunktthema – z.B. der GÄA-Wintertagung 2021, den Ökofeldtagen 2022 oder den Lüneburger Bodentagen 2022 – und auch in den Medien fällt der Begriff der Agroforstwirtschaft immer häufiger. Hier finden Sie einen Link zu Beiträgen zur Agroforstwirtschaft in den Medien. Agroforstsysteme sind an sich nichts Neues: schon im Mittelalter wurden Systeme wie Streuobstwiesen bewirtschaftet oder die Schweine wurden zur Eichelmast in die Wälder getrieben. Im 19. Jahrhundert wurden mit der zunehmenden Mechanisierung und Modernisierung der Landwirtschaft viele Gehölzstrukturen von den Flächen entfernt. Heute werden Agroforstsysteme meist an die moderne Arbeitsweise der Landwirtschaft und deren Arbeitsbreiten angepasst. Die Agroforst-Versuchsflächen, die innerhalb des SIGNAL-Projektes in Thüringen, Niedersachsen und Brandenburg untersucht werden, bestehen aus parallelen Pappelstreifen mit einer Breite von 12m und einem Ackerstreifen von 48m.

Wenn Gehölze auf Acker oder Grünland gepflanzt werden, so verändern sich einige Parameter. Im Projekt SIGNAL wurde zunächst ergebnisoffen geforscht, ob Agroforstsysteme in Deutschland überhaupt einen Mehrwert bieten und somit auch eine Alternative zur konventionellen Landwirtschaft darstellen können. Das Fazit der Wissenschaftler: innen ist, dass Agroforstsysteme vor allem großes Potenzial beim Erosionsschutz, bei der Kohlenstoffspeicherung und der Bereitstellung von biologischen Habitaten bietet und somit einen großen Beitrag zu aktuellen Problemen wie dem Verlust an fruchtbarem Boden, dem Klimawandel oder dem Verlust an biologischer Vielfalt leisten können (Veldkamp et al. unveröffentlicht). Auch das Mikroklima kann durch Gehölzreihen positiv beeinflusst werden: So wird der Wind auf der Agroforstfläche im Durchschnitt um mehr als das Doppelte reduziert. Die potenzielle Verdunstung war im Jahr 2019 bei der Versuchsfläche in der Nähe von Cottbus auf der Ackerfläche ohne die Gehölzreihen um 40% höher und die Bodenwassergehalte waren um 20% geringer (Majaura et al. 2021). Diese Messwerte zeigen, dass gerade für die zunehmend trockeneren Sommer ein Potenzial von Agroforstsystemen ausgeht, mehr Wasser in der Fläche halten zu können. Wasser ist einer der limitierenden Rohstoffe für die Ertragssicherung. Die Erträge innerhalb der Versuche seit 2015 zeigen je nach Standort, Jahr und Kultur unterschiedliche Ergebnisse. Es kann festgehalten werden, dass es nahe der Gehölzreihen zur Ertragsreduzierung kommt, die bis zu 7m ins Feld hineinreichen können- diese werden aber zum Teil zur Mitte des Ackerstreifens wieder kompensiert, sodass Gesamterträge auf dem Ackerstreifen auch gleich (Swieter et al. 2018) oder höher (Majaura et al. 2021) im Agroforstsystem sein können. Die Gesamtproduktivität ist in einem Agroforstsystem gegenüber einem Acker ohne Gehölzstreifen oder einer Kurzumtriebsplantage (KUP) höher. So stellte Isabelle Frenzel auch die Veröffentlichung von Frau Sesermann und Kolleg: innen vor, in der mithilfe des Land-Equivalent-Ratio eine Kurzumtriebsplantage (KUP), eine Ackerfläche in Reinkultur ohne Gehölzstreifen und ein Agroforstsystem auf ihre Biomasse-Erträge untersucht worden. Die Maximalwerte der Produktivität wurden dabei im Agroforstsystem erreicht. Die höchste Produktivität wurde errechnet, wenn eine der Komponenten mehr als 75% auf der Fläche darstellt (Sesermann et al. 2019). Vor allem die Bäume in den Randreihen profitieren von Agroforstsystemen – sie erzielten ca. 43% höhere Erträge als die Bäume im Bestandsinneren (Böhm et al. 2020).  Auch auf die Bodenfruchtbarkeit haben Agroforstsysteme Einfluss, so ging Isabelle Frenzel in ihrem Vortrag auf Ergebnisse zur Regenwurmpopulationen und die Häufigkeit und Zusammensetzung von Bodenbakterien ein. Regenwürmer und Mikroorganismen gelten als ein wichtiger Schlüsselindikator für die Bodenfruchtbarkeit. Indem Regenwürmer sich bohrend und fressend durch den Boden bewegen hinterlassen sie Bioporen und stellen durch Ihren Kot Nährstoffe zur Verfügung und verbessern die Bodenstruktur. Baumreihen in Agroforstsystemen beherbergen nach den Untersuchungen der Wissenschaftler: innen von SIGNAL deutlich mehr Regenwürmer als Ackerland. In den Gehölzstreifen konnten Dr. Lukas Beule und Anna Vaupel bis zu 32-mal mehr Regenwürmer gegenüber dem Ackerland feststellen. Die positiven Effekte reichten im Agroforstsystem bis in die Getreidereihen hinein.  Auch die Häufigkeit und Zusammensetzung von Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien änderte sich durch Agroforstsysteme. Pilze und Bakterien sind für wichtige Stoffkreisläufe und die Nährstoffverfügbarkeit verantwortlich. Vor allem Pilze profitieren von Agroforstsystemen. Ständerpilze konnten in den Baumreihen um bis zu Faktor 300 gefördert werden. Die Gesamt-Diversität wird somit durch die Integration von Baumreihen gefördert, wobei sich diese Effekte wahrscheinlich nicht nur auf mikrobiologische Ebene beschränken (Beule et al. 2021). Dr. Lukas Beule und Kolleg: innen untersuchten weiterhin die wichtigsten Pathogene (u.a. Leptosphaeria maculans,  Leptosphaeria biglobosa, Sclerotinia sclerotiorum) und konnten feststellen, dass die Pflanzengesundheit und Lebensmittelsicherheit ist in Agroforstsystemen gewährleistet ist und potenziell pathogene Pilze bei Raps (Verticillium longisporum) und bei Weizen (Fusarium tricinctum) potenziell unterdrückt werden (Beule et al. 2019).

Hier können Sie Quellen aus dem Text von den Veröffentlichungen der Wissenschaftler: innen nachlesen:

  • Beule L., Lehtsaar E., Rathgeb A., Karlovsky P. (2019): „Crop Diseases and Mycotoxin Accumulation in Temperate Agroforestry Systems“. Sustainability 11(10), 2925; doi:10.3390/su11102925. Access via link https://www.mdpi.com/2071-1050/11/10/2925
  • Beule L, Arndt M, Karlovsky P (2021) Relative Abundances of Species or Sequence Variants Can Be Misleading: Soil Fungal Communities as an Example. Microorganisms 2021, 9, 589. https://doi.org/10.3390/microorganisms9030589
  • Böhm C., Kanzler M., Pecenka R., (2020): Untersuchungen zur Ertragsleistung (Land Equivalent Ratio) von Agroforstsystemen. Innovationsgruppe AUFWERTEN – Agroforstliche Umweltleistungen für Wertschöpfung und Energie. Loseblatt #35
  • Majaura M., Freese D. (2021): Schlussbericht Teilprojekt E – SIGNAL Sustainable Intensification of Agriculture through Agroforestry. FKZ: 031B0510E
  • Sesermann D.-M., Freese D., Swieter A., Langhof M., Veste M.(2019): Trade-Off between Energy Wood and Grain Production in Temperate Alley-Cropping Systems: An Empirical and Simulation-Based Derivation of Land Equivalent Ratio. Agriculture 9, 147, doi:10.3390/agriculture907014
  • Swieter A., Langhof M., Lamerre J., Greef J.M. (2018): „Long-term yields of oilseed rape and winter wheat in a short rotation alley cropping agroforestry System“. Agroforestry Systems, 1-12. https://doi.org/10.1007/s10457-018-0288-5

Vortrag von Michelle Breezmann zu Möglichkeiten der Umsetzung eines Agroforstsystems und Praxisbeispiele

Der Vortrag von Michelle Breezmann zeigte unterschiedliche Agroforstsysteme in Deutschland, die mögliche Umsetzung und die (förder-)rechtliche Situation von Agroforstsystemen in Deutschland. Michelle Breezmann ist Beraterin mit dem Schwerpunkt auf die Agroforstwirtschaft. Neben ihren Beratungstätigkeiten hat sie ihren Master in Agroforestry and Food Security absolviert, um sich noch intensiver mit den unterschiedlichen Aspekten der Agroforstwirtschaft auseinander zu setzen. Sie hat unter anderem das Agroforstsystem beim Biohof Garvsmühlen geplant und umgesetzt. Im Vortrag zeigte sie Fotos von unterschiedlichen Agroforstsystemen mit grafischen Visualisierungen, wie die Systeme in 25 Jahren aussehen könnten.

Die rechtlichen Gegebenheiten wurden von ihr erläutert: So bestehen seit 2004 Fördermöglichkeiten auf EU-Ebene, diese wurde aber auf nationaler Ebene in Deutschland bisher noch nicht umgesetzt. Ab 2023 soll sich das aber ändern: Agroforstsysteme sind dann genau definiert (§ 4 Abs. 2 und 3 GAPDZV) und können gefördert werden. Bis 2022 wurden Agroforstsysteme meist mit Hilfe der Codierungen für Dauerkultur Obst oder Dauerkultur Kurzumtriebsplantage (KUP) angelegt. Michelle Breezmann ging auf die Anforderungen eines Agroforstsystems ein, die nach der Verordnung zur Durchführung der GAP-Direktzahlungen (GAP-Direktzahlungen-Verordnung – GAPDZV) gelten, damit das System ab 2023 förderfähig ist.

Sobald Landwirt:innen Gehölze auf landwirtschaftlicher Fläche als Dauerkultur Obst, Dauerkultur Kurzumtriebsplantage (KUP)  oder als Agroforstsystem codieren, können diese auch nicht als geschütztes Landschaftselement von der landwirtschaftlichen Fläche aberkannt werden und somit auch nicht von der Förderfähigkeit ausgeschlossen werden. Der Landwirt oder die Landwirtin hat somit weiterhin die Möglichkeit die Gehölzfläche(n) zu versetzen oder von der Fläche zu entfernen.

Der Vortrag bot viel Raum für Fragen und Diskussionen. Dabei war es ausgesprochen konstruktiv, dass auch Akteur:innen aus Naturschutzbehörden anwesend waren. Weiterhin wurde sich über die Förderungssummen ausgetauscht, die mit 60Euro/ Hektar Gehölzfläche von den Teinehmer: innen als deutlich zu gering eingestuft wurden. Auch Fragen zur Gestaltung, wie z.B. die Ausrichtung der Gehölze, oder anfallende Aufgaben bei der Anlage eines Agroforstsystems wurden thematisiert. So werden für die Praxis z.B. meist Abstände von 30-100m zwischen den Gehölzreihen empfohlen, damit die positiven Effekte von Gehölzstreifen gut genutzt werden können. Eine Nord-Süd-Ausrichtung ist von Vorteil, da bei dieser Ausrichtung ein Großteil des Schattenwurfs über den Tag verteilt in die Baumreihe selbst fällt und nicht auf die benachbarte Acker- oder Grünlandfläche.

Durch die Ausrichtung von Nord-Süd kann die Konkurrenz um Licht für die angrenzende Kultur geringer gehalten werden als bei einer Ost-West-Ausrichtung der Baumreihen. Auch das Beschneiden der Baumwurzeln, z.B. durch das Pflügen nahe der Gehölzstreifen in den ersten Jahren wurde empfohlen. Wenn man z.B. Pappeln in einem Agroforstsystem verwendet werden – diese Baumart ist ein Flachwurzler- wird die Pappel durch das Beschneiden der Feinwurzeln in den ersten Jahren zum Wurzeln in tiefere Bodenschichten angeregt. Wichtig ist, dass diese Maßnahme direkt am Anfang der Anlage durchgeführt werden, da bei der Verletzung von größeren Wurzeln der Baum sehr anfällig für Krankheiten wird. Es wurde der Praxistipp eines anwesenden Agroforstwirts gegeben, dass nochmal 10cm tiefer als die Bearbeitungstiefe nahe der Baumreihen bearbeitet werden sollte, damit die Baumwurzeln bei weiteren Bearbeitungsgängen auf dem Ackerstreifen nicht wieder in den Bearbeitungshorizont hineinwachsen und somit die Maschinen bei weiteren Arbeitsgängen geschont werden können. Auch unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten und die Negativliste der GAPDZV für Agroforstsysteme wurden diskutiert. Einige Teilnehmer: innen wunderten sich, dass die Robinie auf der Negativliste steht, da diese Baumart gerade in den trockenen Jahren gezeigt hat, dass sie mit den zunehmend trockneren Bedingungen weiterhin gut wächst.

Vortrag von Mauritz von Grundherr zur Vorstellung des Agroforstsystems auf dem Rittergut Lucklum

Maurtiz von Grundherr ist seit 4 Jahren Betriebsleiter für die Güterverwaltung Reinau auf dem Rittergut Lucklum. Vor kurzem etablierte das Landwirtschafts-Team auf dem Rittergut ein Agroforstsystem auf ihrem Betrieb und ein weiteres ist in im Frühjahr geplant. Der Betrieb arbeitet bei der Planung mit Philipp Gerhardt von der Baumfeldwirtschaft zusammen. Das erste Agroforstsystem haben sie dieses Frühjahr auf der Pferdeweide gepflanzt. Dabei sind die Gehölzreihen so angeordnet, dass sie auf einen zentralen Punkt gelenkt werden, um auch das Holen der Pferde effizienter zu gestalten (das Design im oberen Teil in der Draufsicht).  Das Agroforstsystem, welches im Frühjahr folgt, ist nach sogenannten Keyline-Aspekten geplant. Keyline bedeutet dabei, dass sich die Gehölzreihen den Höhenlinien anpassen. Insgesamt werden auf der Fläche rund 10.000 Bäume stehen, darunter rund 7.500 Pappeln, 1.700 Büsche und 150 Nussbäume. Die Gesamtfläche ist ca. 35 Hektar groß.

Eine der Hauptmotivationen für den Betrieb zur Agroforstwirtschaft ist vor allem die Erosion durch Wind und Wasser zu verringern. Mauritz von Grundherr berichtete von einem Starkniederschlagsereignis von 2019. In kürzester Zeit waren große Teile des fruchtbaren Ackerbodens am untersten Ende der Fläche zu finden. Starkniederschläge nehmen durch den Klimawandel voraussichtlich zu, denn warme Luft kann mehr Feuchtigkeit halten. Auch wenn die Gehölze noch sehr jung sind, konnte er schon kleine Effekte feststellen und freut sich schon, wenn auch die untere Fläche in die Umsetzung kommt und die Gehölze größer werden, damit sich der Erosionsschutz noch verstärkt. Der Betrieb verfügt über eine Holzhackschnitzel-Anlage, wo die Produkte aus dem Agroforstsystem verwertet werden sollen. Auch in der Verwertung der Holzhackschnitzel zur Wärmegewinnung sieht der Betrieb großes Potenzial. Was nach ihm bei der Planung von Agroforstsystemen beachtet werden sollte, sind die Drainagen. Hierzu wurden die Drainage-Pläne in der Planung der Agroforstsysteme berücksichtigt. Der Betrieb leistet mit der Anlage der beiden Agroforstsysteme Pionierarbeit.  Für Bewilligungsstellen und Ämter ist „Agroforst“ zum Teil ein neuer Begriff. Was eine kleine Überraschung bei der Planung für Mauritz von Grundherr gewesen ist, dass auch der Denkmalschutz bei der Planung vom Agroforstfläche eine Rolle spielte. So wurde in Rücksprache ein Teil der Fläche (links in der Draufsicht) von Gehölzen freigehalten werden, damit der Brockenblick weiterhin gewährleistet ist. Im Planungsprozess stand Mauritz von Grundherr auch im Austausch mit Mitarbeiter: innen der Naturschutzbehörde Wolfenbüttel. Diese begrüßten das Vorhaben vom Betrieb sehr. Vertreter: innen der Naturschutzbehörde waren auch beim Feldtag anwesend und ermutigten die teilnehmenden Landwirt: innen auf die Naturschutzbehörden zuzugehen. Agroforstsysteme werden prinzipiell als sehr positiv gesehen und zusammen können Wege erarbeitet werden, sodass aus Naturschutzsicht keine Konflikte entstehen. Finanzieren will das Landwirtschafts-Team die Investition der Agroforstsysteme auch über Projekte und auch Firmen, Stiftungen oder Institute zeigen große Bereitschaft für nachhaltige Projekte Geld zur Verfügung zu stellen. Da im Bereich Agroforstwirtschaft vieles noch Neuland für den Betrieb ist, sei etwas „Lehrgeld“ unvermeidbar gewesen. Auf Dauer möchte der Betrieb interessierten Betrieben die Erfahrungen und das Wissen zu Agroforstsysteme weitergeben, damit diese es bei der Planung und Umsetzung einfacher haben und auch die Kosten realistisch einplanen können. Mauritz von Grundherr blickt dem Frühjahr gespannt entgegen und wird in Zukunft sicherlich mehr über die Wirkung der Agroforstsysteme berichten können.

Vortrag von Michael Weitz zu Agroforstsysteme mit schnellwachsenden Gehölzen im Fokus

Michael Weitz, Gründer und Geschäftsführer von der Lignovis GmbH, gab uns einen Einblick in die Anlage von Agroforstsystemen mit speziellem Fokus auf die Produktion von schnellwachsenden Gehölzen. Seit 2012 hat die Lignovis GmbH über 4.000 ha Gehölzfläche mit rund 25 Mio. Bäumen als Agroforstsysteme sowie Pappel- und Weidenplantagen in der EU gepflanzt. In seiner Präsentation stellte er unterschiedliche Systeme vor, die von ihm und seinem Team gepflanzt wurden und worauf dabei geachtet werden muss. Dafür zeigte er in seiner Präsentation auch Videos von dem Ablauf einer Pflanzung mit Pappel-Pflanzruten.

Die Pappelruten sollten zu Beginn der Vegetationsperiode gepflanzt werden. Die Wurzelentwicklung startet erst, wenn sich der Boden erwärmt. Die Größe der Pflanzruten kann dabei variieren, wobei vor allem längere Pappelruten (mit bis zu 180cm Länge, welche 60-70cm tief gesetzt werden) auch eine Wasserversorgung aus tieferen Bodenschichten begünstigen. Wenn von Lignovis eine Pflanzung durchgeführt wird, muss der Boden von dem Landwirt oder der Landwirtin zumindest oberflächlich gelockert werden, um eine spätere mechanische Kontrolle der Konkurrenzvegetation zu ermöglichen. Die Pflanzmaschine, das Pflanzmaterial und das Pflanzteam stellt die Lignovis GmbH. Dabei gibt es eine Auswahl an unterschiedlichen Sorten, die zur Pflanzung je nach Standort verwendet werden können.

Michael Weitz ging auf mögliche Zuwachsraten einiger Pappelsorten ein, so können 2-jährige Pappeln bereits eine Höhe von über 5m erreichen. Entscheidend für eine gute Entwicklung ist die möglichst konkurrenzfreie Entwicklung der Bäume in den ersten beiden Jahren. Insbesondere im Nahbereich, sollten die Bäume frei von Gras und Beikräutern gehalten werden. Die Ernte kann im kurzen oder im mittleren bzw. langen Umtrieb erfolgen. Michael Weitz stellte in seiner Präsentation die Vor- und Nachteile von kurzen und mittleren bzw. langen Umtriebszeiten vor, welche im Anschluss weiter von den Teilnehmer: innen diskutiert und auch Erfahrungen ausgetauscht wurden.

Bei der Ernte der Pappeln, werden die Stämme z.B. mit Kneifer oder Fäller-Bündler Geräten bodennah geschnitten und treiben danach wieder aus. Ein Agroforstsystem mit Pappeln kann 20 Jahre und länger genutzt werden. Aus der Biomasse der Pappeln kann z.B. Holzhackschnitzel hergestellt werden, welches zur Wärmeerzeugung oder auch zur Düngung verwendet werden können. Die Hackholzschnitzelverwertung zur Wärmeproduktion wurde in der Diskussion aufgegriffen und die Teilnehmer: rinnen tauschten sich aus, dass das Holz z.B. ein Jahr gelagert werden kann, damit es natürlich an Feuchtigkeit verliert und die weitere Trocknung und Verarbeitung somit kostengünstiger wird. Michael Weitz beleuchtete neben den Potenziale der Produktion von Holz aus der Agroforstwirtschaft und den potenziell steigenden Holzpreisen auch die ökologischen Vorteile wie den Erosions- und Verdunstungsschutz, die insgesamt höhere Gesamtproduktivität einer Fläche oder auch den Image-Gewinn bei den Endverbraucher: innen. In der Präsentation zeigte er weiterhin Videos von Hühner-Agroforstsystemen und wie diese das Tierwohl fördern können und die Hühner den Auslauf seitdem besser nutzen.

Führung von Dr. Maren Langhof über die Agroforst-Versuchsfläche

Nach dem Mittagessen ging es in Kolonne zur Agroforst-Versuchsfläche vom JKI in Wendhausen.

Dr. Maren Langhof stellte das Design der Versuchsanlage vor und ging auf die Besonderheiten der Fläche und Ergebnisse zur Ertragsentwicklung ein. Auf der Versuchsfläche wird schwerpunktmäßig der Einfluss schnellwachsender Pappelstreifen zur energetischen Verwertung auf die Erträge und Qualitäten der Ackerkulturen und das Management der Agroforstanlage untersucht. Weiterhin fanden auf der Versuchsfläche Untersuchungen zur Bedeutung von Kurzumtriebsstreifen als Lebensraum für Vögel und Säugetiere statt. Die Fläche wurde 2008 etabliert und besteht aus parallelen Pappelstreifen, welche 48m oder 96m voneinander entfernt gepflanzt wurden. Die 48m breiten Streifen werden dabei auch im Rahmen des SIGNAL-Projektes untersucht. Mit der Wahl dieser Ackerbreiten ist der Abstand zwischen den Pappelreihen an die Bearbeitungsbreiten der Maschinen angepasst.

Die Baumstreifen wurden in drei Varianten angelegt, als reine Pappelstreifen, Pappeln in Kombination mit Aspen zur Wertholzgewinnung und Pappeln in Kombination mit heimischen Gehölzen zur ökologischen Aufwertung. Auf der Anlage wurden die drei Pappelsorten Max, Koreana und Hybride 275 gepflanzt.

Der Boden auf der Versuchsfläche hat einen hohen Tonanteil, wodurch die Fläche teilweise schwer bearbeitbar ist: Bei Nässe verschlemmt sie schnell, während bei Trockenheit z.T. große Schrumpfrisse entstehen. Die Pappeln werden daher bei Bodenfrost geerntet. Dazu reichte Dr. Maren Langhof einlaminierte Bilder herum, die einen Eindruck der Ernte vermittelten. Das Pappelholz wird beim Erntevorgang direkt zu Holzhackschnitzel geschreddert. Die Ernte der Pappelstreifen findet auf der Versuchsanlage in 3- und 6-jähriger Rotation statt. Der jährliche Holzzuwachs beträgt in Abhängigkeit der Pappelsorte, der Rotation und der Lage der Baumstreifen auf der Versuchsfläche zwischen 5 und 22 t Trockenmasse/ha. Bereits ein Jahr nach der Ernte waren die Pappeln im Schnitt 2,70 m hoch; zur Ernte erreichen sie Höhen von über 10 m.

Weiterhin stellte Dr. Maren Langhof die Maiserträge für die Jahre 2019 und 2020 vor. In diesen Jahren waren die Gehölze über 8 m hoch. Nahe der Gehölzstreifen wurde der Ertrag von Mais stark reduziert, während sich die Erträge zur Mitte hin denen der Referenzfläche ohne Gehölze anglichen.

Für langjährige (2009-2016) mittlere Erträge stellten die Wissenschaftler:innen für Raps und Winterweizen am Standort Wendhausen keine signifikanten Unterschiede zwischen dem Agroforstsystem und der Referenzfläche ohne Bäume fest (Swieter et al. 2019, Quelle oben verlinkt).

Ausblick

Insgesamt gab der Agroforst-Feldtag bei Braunschweig am 12.09.2022 Input zum Thema Agroforstwirtschaft aus unterschiedlichen Perspektiven. Wir freuen uns als DeFAF e.V. über die rege Teilnahme. Wenn Sie Fragen zum Feldtag oder Inhalten der Präsentationen haben, kontaktieren Sie gerne Isabelle Frenzel (Frenzel@defaf.de oder 0355 752 132 44) . Schauen Sie auch gerne auf der Veranstaltungsseite des DeFAF e.V. oder abonnieren Sie den Infobrief, um über weitere Events zum Thema Agroforstwirtschaft informiert zu sein.