Agroforst als Multifunktionstool: Workshop zu Potentialen und Handlungsspielräumen von Kommunen

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28.10.2026

Viele Landkreise und andere Gebietskörperschaften stehen vor der Aufgabe, Maßnahmen für Klimaschutz, Klimaanpassung oder auch die nachhaltige Ressourcennutzung in der Region zu ergreifen. Die Agroforstwirtschaft kann hierfür einen wichtigen Beitrag leisten. Wie das in der Praxis aussehen kann, diskutierten mehr als 20 Teilnehmende bei einem Workshop am 27.10.2026 in der Katholischen Landvolkshochschule (LVHS) Freckenhorst in Warendorf, Nordrhein-Westfalen.

Die Veranstaltung, die vom DeFAF im Rahmen des Projektes EELAP und in Kooperation mit dem Landesverband Regionalbewegung NRW sowie der LVHS Freckenhorst durchgeführt wurde, thematisierte die Potentiale von Agroforstsystemen für die Erreichung kommunaler Ziele im Bereich Landnutzung und Klimaresilienz. Diese Ziele und entsprechende Handlungsfelder, Maßnahmen und Pilotprojekte sind in der Regel in verschiedensten Planungsinstrumenten wie z.B. Klimaschutzkonzepten, Klimaanpassungsstrategien, in der Regionalplanung oder auch in Biodiversitätsstrategien festgehalten.

Die Agroforstwirtschaft spielt in diesen Planungsinstrumenten bisher eine eher geringe Rolle, wie eine Recherche zeigte, die im Projekt EELAP am Beispiel von den Regierungsbezirken Detmold und Münster durchgeführt wurde. Julia Günzel vom DeFAF präsentierte in ihrem Einführungsvortrag einige der Ergebnisse. Sie betonte dabei, dass es aber durchaus schon jetzt eine Reihe von Anknüpfungspunkten für die Nutzung der Agroforstwirtschaft als Werkzeug gäbe, z.B. über die Themen Erosions- und Hochwasserschutz, Erhalt und Förderung der Natur- und Kulturlandschaft oder Kohlenstoffbindung. Diese Themenbereiche seien in vielen der analysierten Planungsinstrumente von hoher Priorität und begründen Maßnahmen wie klimaangepasste Landwirtschaft, Erhöhung des Gehölzanteils in der Landschaft eine verstärkte Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen.

Bevor es in den interaktiven Teil des Workshops ging, gab es mehrere fachliche Impulse. Simon Geffroy vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Klima (LANUK) in NRW präsentierte Daten und Fakten aus dem Klimaatlas NRW und zeigt auf, für welche der Klimafolgen Agroforstwirtschaft wirksam sein kann. Julia Binder von der Uni Münster stellte anschaulich dar, wie mit Agroforstsystemen ein Mehr an Biodiversität auf Agrarflächen geschaffen werden kann. Vor allem im Rahmen des Projektes agroforst-monitoring wird dazu umfangreich und unter Beteiligung interessierter Bürger:innen geforscht. Wie mithilfe von zusätzlichen Maßnahmen innerhalb von Gehölzstreifen eine noch größere Wirkung für mehr Biodiversität geschaffen werden kann, zeigt der Biodiv-Wegweiser, entstanden im Projekt Bäume auf den Acker. Im Anschluss ging Prof. Dr. Ulrich Schurr von Forshungszentrum Jülich und Mitglied des Bioökonomierates NRW auf den möglichen Beitrag von Agroforstsystemen für mehr Wertschöpfung und Kreislaufwirtschaft in der Region ein. Dafür zeigte er vor allem die Anknüpfungspunkte für Agroforstwirtschaft in der aktuellen Fassung der Bioökonomiestrategie für NRW auf. Zwar ist die Agroforstwirtschaft zu gewissem Grad bereits berücksichtigt, weitere Anknüpfungspunkte sieht er aber auch im Bereich Forstwirtschaft, Ernährungs- und Holzwirtschaft sowie bei der Bereitstellung von Ökosystem-Funktionen.

Als weitere Impulse aus der Praxis für den Workshopteil berichteten Wiebke Brinkmann-Roitsch (Agroforst-Landwirtin und Landesverband Regionalbewegung NRW, Kreis Lippe), Carsten Rech (Kreis Steinfurt), Henrike Schedler (Hof Grünsnück, Kreis Rhein-Sieg) sowie Johannes Büsch (Biohof Büsch, Kreis Kleve) von ihren Aktivitäten und Bestrebungen, um Agroforstwirtschaft in ihrem Umfeld voranzubringen. Im Anschluss ging es an die Thementische, an denen vor allem zu bestehenden Anknüpfungspunkten für Agroforst, der möglichen Rolle von Kommunen und zum Beitrag von Agroforstsystemen für Biodiversität und Kulturlandschaft. Als zentrale Ergebnisse wurden vor allem der aktuelle Mangel an Personal und finanziellen Ressourcen seitens der Kommunen betont, aber auch ihre mögliche Rolle als Multiplikatorinnen und Antreiberinnen bzw. Begleiterinnen, um die Integration von Agroforstwirtschaft in aktuellen und zukünftigen strategischen Planungsprozessen zu unterstützen. Auch kamen einige neue Ideen auf, wo Agroforstwirtschaft mehr berücksichtigt werden könnte, und wen man dafür noch ins Boot holen sollte. Der Workshop stellte damit einen guten Auftakt für weiteren gezielten Austausch mit regionalen Akteur:innen und insbesondere kommunalen Vertreter:innen für mehr Agroforstwirtschaft in NRW dar. Aktuelle Infos gibt es über die Projektseite von EELAP oder auch über das Agroforst-Netzwerk NRW.