
Keynote von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer bei der Tagesspiegel Background Fachkonferenz Agrar & Ernährung © Tagesspiegel | Laurin Schmid
Isabelle Frenzel & Leon Bessert| 09.07.2026
Fachkonferenz Agrar & Ernährung: Resilienz und Agroforst im Fokus
Wie bleibt unsere Ernährung auch in Zeiten multipler Krisen gesichert? Diese Frage stand im Zentrum der Fachkonferenz „Agrar & Ernährung“ von Tagesspiegel Background, die Anfang Juli 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Praxis in Berlin zusammenbrachte. Ein Begriff zog sich durch nahezu alle Debatten: Resilienz – und dabei fiel auch ein Stichwort, das dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. besonders am Herzen liegt: die Agroforstwirtschaft.
Resilienz und die neue GAP als Leitthemen
Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, extreme Situationen ohne bleibende Schäden zu überstehen und ist für Agrarlandschaft sowie Ernährungssicherung essentiell. Intensiv diskutiert wurde die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP): Gefragt ist beides zugleich – die Honorierung von Gemeinwohlleistungen wie Klima-, Wasser- und Biodiversitätsschutz und eine Grundsicherung der landwirtschaftlichen Produktion, um Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und den Selbstversorgungsgrad zu stärken. Konkret gefordert wurden ein verbindliches Mindestbudget für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sowie ein eigenständiges Agrar-Budget in der GAP.
Agroforst als zentrale Klimamaßnahme
In der Podiumsdiskussion wurde die Agroforstwirtschaft ausdrücklich als eine der wichtigsten Klimamaßnahmen in der Landwirtschaft genannt. Gehölze auf Acker und Grünland verbinden produktionsorientierte Landwirtschaft mit Klimaschutz und Biodiversität – sie speichern Kohlenstoff, schützen vor Erosion und stabilisieren Erträge.
Der Workshop: Hemmnisse und Lösungswege
Wenngleich Agroforst als produktionsintegrierte Klimamaßnahme in der Landwirtschaft in aller Munde ist, klafft nach wie vor eine große Lücke zwischen Potenzial und Praxis: Es hapert noch an hinreichender Förderung und tragfähigen Business-Cases, weshalb die Skalierung stockt.
Genau hier setzte der vom DeFAF gestaltete Workshop „Agroforstsysteme als Chance für Produktion, Klimaschutz und Klimaanpassung“ an. Die Teilnehmenden priorisierten per Live-Abstimmung vier zentralen Hemmnisse für die Skalierung:
- Bürokratische und unzureichende Anlagen- und Bewirtschaftungsförderung
- Naturschutzrechtliche Hürden und hoher Genehmigungsaufwand
- Mangelnde langfristige Rechtssicherheit
- Wissenslücken und unklare Zuständigkeiten in den Behörden
Als relevantestes Hemmnis wurde die bürokratische und unzureichende Förderung identifiziert. Die Folgen: Wo verlässliche Förderung fehlt, entstehen vor allem in der Startphase von innovativen Bewirtschaftungsformen wie Agroforst kaum Projekte – zumal Agroforstsysteme langfristige Investitionen sind, die sich erst über Jahre amortisieren. Als Lösungswege diskutierten die Teilnehmenden vor allem die langfristige Wirtschaftlichkeit als Grundlage, eine gezielte Honorierung von Gemeinwohlleistungen sowie das Zusammenspiel entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Förderung über die Nutzung bis zur Kommunikation.
Dass diese Lösungswege nicht theoretisch bleiben, zeigen zwei laufende, vom DeFAF koordinierte Vorhaben: MODEMA baut ein bundesweites Modell- und Demonstrationsnetzwerk für Agroforstwirtschaft auf und bringt die Systeme mit rund 30 Betrieben sichtbar in die Fläche; EELAP verankert agrarökologische Praktiken in regionalen „Living Labs“ und nimmt dabei politische Rahmenbedingungen und Wertschöpfungsketten in den Blick.
Fazit: Resilienz braucht Agroforst – und verlässliche Rahmenbedingungen
Die Fachkonferenz hat bestätigt, was der DeFAF seit 2019 vertritt: Agroforstsysteme sind ein Schlüssel für eine resiliente, klimaangepasste und zugleich produktive Landwirtschaft. Damit dieses Potenzial in der Praxis realisiert werden kann, müssen die politischen Rahmenbedingungen nachziehen – mit praxistauglicher Förderung sowie einem sicheren Rechtsrahmen, tragfähigen Business-Cases und einer GAP, die Gemeinwohlleistungen honoriert und die Produktion absichert.
Zur Veranstaltung: Fachkonferenz Agrar & Ernährung von Tagesspiegel Background
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Die Förderung des MODEMA Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) im Rahmen des Förderprogramms „Nachhaltige Erneuerbare Ressourcen“.
Dr. Steffi Schillem | 29.06.2026
Dieser Deutsche Landschaftspflegetag vom 23.-25. Juni 2026 „war heiß“
…“heiß an Celsius und heiß an Themen“, so Maria Noichl, Vorstandsvorsitzende des DVL e. V.
Der Deutsche Landschaftspflegetag 2026 fand vom 23. bis 25. Juni 2026 unter dem Motto WERT. VOLL. LANDSCHAFT in Kassel und Schauenburg mit rund 250 Teilnehmenden statt. Im Fokus standen Themen wie Bioökonomie, Beweidung, neue EU-Agrarpolitik (GAP ab 2028) und die Praxis von Agroforstsystemen (AFS).
„Der Landschaftspflegetag machte deutlich, dass Agroforstsysteme ein großes Potenzial für die klimaangepasste Landwirtschaft bieten, insbesondere an solch heißen Tagen – zugleich aber weiterhin praktische, rechtliche und ökonomische Fragen zu klären sind.“ Dr. Steffi Schillem, Zentralkoordinatorin des DeFAF-Projekts MODEMA
Im Fachforum „Agroforst in der Praxis – Wie kann sich das lohnen?“, moderiert von Corinna Friedrich (DVL), wurde das Verbundvorhaben MODEMA als derzeit größtes Agroforstprojekt Deutschlands vorgestellt. Tobias Hoppe (Bioland Praxisforschung GmbH) zeigte anhand verschiedener Praxisbeispiele, wie vielfältig AFS ausgestaltet werden können. Die Wahl geeigneter Baumarten sowie die Ausgestaltung der Systeme hängen dabei maßgeblich von Standortbedingungen wie Wasserverfügbarkeit oder Winderosion sowie von den angestrebten Nutzungen – etwa Energieholz, Wertholz oder Nüsse – ab. Auch die aktuellen Fördermöglichkeiten standen im Fokus.
Dr. Steffi Schillem gab einen Überblick über den Projektstand von MODEMA mit aktuell 36 Betrieben in drei Modellregionen sowie den begleitenden Geschwisterprojekten. (LINK VORTRAGSFOLIEN) Erste Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede bei den Investitionskosten, insbesondere abhängig von Baumarten und Pflanzverfahren. Gleichzeitig wird ein hoher Anteil an Eigenleistungen in den Betrieben deutlich. Die Begleitforschung belegt zudem positive Effekte von AFS, darunter eine Reduktion der Windgeschwindigkeit um mehr als 50 Prozent, verringerte Verdunstung, niedrigere Bodentemperaturen sowie eine Zunahme der Regenwürmer, insbesondere in den Gehölzstreifen.
Einblicke in die betriebliche Praxis gaben die Projektlandwirte Eicke Zschoche (per Video) und Henning Rehren. Spannend war, dass die Motivation der Landwirte meist die Verbesserung bzw. der Erhalt der Produktionsbedingungen an den Klimawandel waren und dann erst die Wertschöpfung. Henning Rehren berichtete über Erfahrungen bei der Anlage von Agroforstsystemen mit Walnuss, Pappel und Ölweide, die vielfach bereits vor der Definition von AFS in der GAPDZV in Eigenleistung und mit Unterstützung aus dem lokalen Umfeld umgesetzt wurden.
Den Abschluss bildete ein ausführlicher Beitrag zu Produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahme mit Agroforstsystemen, den Herausforderungen, Chancen und Erfahrungen insbesondere am Beispiel des Tauchnitzgrabens in der Gemeinde Thallwitz durch Frank Wagener (IfaS).
Am zweiten Veranstaltungstag standen Exkursionen zu Praxisstandorten im Mittelpunkt. Auf der Domäne Frankenhausen wurden unter anderem Streuobstränder sowie ein Alley-Cropping-System mit Walnuss, Haselnuss und Johannisbeeren vorgestellt. Ein weiterer Standort zeigte Herausforderungen beim Anbau von Weiden auf feuchten, tonigen Grünlandstandorten, insbesondere hinsichtlich Pflege und Etablierung. In Vellmar wurde zudem die Umsetzung kommunaler Streuobstprojekte im Rahmen der GAK-Förderung vorgestellt, die einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und Biotopvernetzung leisten.
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Die Förderung des MODEMA Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) im Rahmen des Förderprogramms „Nachhaltige Erneuerbare Ressourcen“.
13.04.2026
Kommunale Wärmeversorgung, Reduktion der Erosion, Gewässerschutz – in Sachsen gilt die Agroforstwirtschaft für diese und weitere aktuelle Herausforderungen als eine vielversprechende Lösung. Ein vom DeFAF organisierte Feldtag führt nun am 24. April 2026 zu einem Agroforstbetriebe in der Oberlausitz, der bereits Agroforstsysteme bewirtschaftet und seine Erfahrungen dazu teilt. Neben Themen wie der Produktion von Energie- und Wertholz, Fruchtnutzung und der Beweidung mit Pferden wird auch die Ästung von Wertholzbäumen praxisnah vorgestellt. Der Agroforstplaner Jan-Fritz Nierste, der das System geplant hat, wird außerdem zum Thema Wasserrückhalt und den Umgang mit Drainagen berichten.
Der Agroforst-Feldtag wird im Rahmen des Projektes EELAP und in Zusammenarbeit mit der DeFAF Regionalgruppe Sachsen organisiert. Die Teilnahme ist kostenfrei, aus organisatorischen Gründen wird aber um Anmeldung gebeten. Hier finden Sie alle weiteren Infos zu Ablauf, Veranstaltungsort und Anmeldung.




