Bezugnehmend auf eine kleine Anfrage der Partei Die Linke zur Integration der Agroforstwirtschaft in die deutsche Agrarförderpolitik hat sich die deutsche Bundesregierung sehr ernüchternd geäußert. Wir haben mit einer Pressemitteilung darauf reagiert und betont, wie groß das Interesse an der Agroforstwirtschaft nach unserer Wahrnehmung in Deutschland ist und wie essentiell die Förderung dieser Landnutzungsform für eine nachhaltige Landwirtschaft ist.

Der DeFAF e.V. und speziell der Fachbereich Recht und Verwaltung unternimmt aktuell große Anstrengungen, um das Thema Agroforstwirtschaft in die Öffentlichkeit und vor allem an die Entscheidungsträger heran zu tragen. Ziel ist es dabei zu erreichen, dass Agroforstsysteme rechtssicher und in breiter Vielfalt in Deutschland umgesetzt werden können. Auch ist es wichtig, dass den Landwirtschaftsbetrieben hierfür finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden und sie Planungssicherheit erhalten.

In diesem Zusammenhang gab es im Sommer im Bundestag u.a. auch eine kleine Anfrage der Partei Die Linke an die Bundesregierung mit detaillierten Fragen zur Integration der Agroforstwirtschaft in die deutsche Agrarförderpolitik. Die Antwort der Bundesregierung fiel sehr enttäuschend aus – nicht nur für die anfragende Fraktion, sondern nach unserer Wahrnehmung auch für Abgeordnete anderer im Bundestag vertretener Fraktionen, die sich ebenfalls eine eindeutigere Stellungnahme erhofft hatten. Die Antwort zeigt außerdem, dass unsere Anstrengungen fortgesetzt werden müssen bzw. der Druck auf die relevanten Institutionen des Bundes weiter erhöht bzw. aufrechterhalten werden muss. Die Pressemitteilung können Sie hier einsehen.

 

 

Wo jetzt noch weitläufige monotone Getreidefelder zu sehen sind, wird zurzeit die Anpflanzung eines Agroforstsystems geplant und in Zukunft ökologische Landwirtschaft nach Biolandrichtlinien betrieben. Zur Bewirtschaftung des Landwirtschaftsbetriebes mit einer Betriebsfläche von ca. 300 ha sowie der Umsetzung des Agroforstvorhabens haben sich Ulrich Kotzbauer, Thomas Erver und Henno Arndt (v.li.) zur Biohof Garvsmühlen KG zusammengeschlossen.

Die landwirtschaftlichen Flächen werden hauptsächlich als Ackerflächen genutzt. Mit der Umstellung des Ackerbaus auf eine nachhaltige Landwirtschaft liegt den drei Betreibern die Verbesserung der Biodiversität durch die Etablierung eines Agroforstsystem am Herzen, um neben der ackerbaulichen Nutzung der Flächen ein schöneres vielfältigeres Landschaftsbild zu schaffen. Durch Bäume und Hecken soll an diesem küstennahen, windexponierten Standort ein verbesserter Erosionsschutz und Humusaufbau erzielt werden. Bei der Umstellungsplanung und der Einrichtung des Agroforstsystems wird die Biohof Garvsmühlen KG durch den DeFAF e.V., den Agroforstexperten Burkhard Kayser sowie die Forstwissenschaftsstudentin Sabine Kotzbauer unterstützt.

Im ersten Schritt wird die Anpflanzung eines Agroforstsystems auf ca. 40 ha geplant, wobei mit einer Anpflanzung der ersten Flächen von 10 ha im laufenden Jahr begonnen wird. Die Anpflanzungen werden so vorgenommen, dass die Kultivierung der Bäume und die ackerbauliche Nutzung auf einer Fläche möglich sind. Die Anordnung der Bäume erfolgt in Reihen, so dass in den Bereichen zwischen den Reihen eine maschinelle Bewirtschaftung der Ackerflächen weiterhin erfolgen kann. In den Zwischenräumen von Baum zu Baum erfolgt eine Anpflanzung von Hecken und Wildobst.

Neben dem ökologischen Nutzen, dem Ertrag von Bäumen und Sträuchern sowie der in Zukunft liegenden Holzgewinnung erhofft man sich auch andere LandwirtInnen und Interessierte für die Agroforstidee zu begeistern. Insbesondere möchte man auch den Verpächtern die Vorteile dieser kombinierten Bewirtschaftungsmethode näherbringen und so in Zukunft die Anpflanzung von Bäumen auch auf diese Fläche zu erweitern. Ein nennenswerter Teil der Pachtflächen sind Landes- oder Kircheneigentum. Besonders hier erhoffen sich die Betreiber mit der Anpflanzungsidee auf offene Ohren zu stoßen.

Der Betrieb und die Agroforstanpflanzungen liegen im schönen Ostseebad Rerik, mit direktem Blick auf das Salzhaff und Ostsee, in Nähe des beliebten Ostseefernradwegs in einer stark von Touristen frequentierten Region. Die Besucher können sich hier in Zukunft im geplanten Hofcafé bei einem Lupinenkaffee aus eigenem Anbau und Apfelkuchen mit Äpfeln aus der Agroforstanpflanzung direkt über den DeFAF und diese alternative und zukunftsweisende Methode der Landbewirtschaftung informieren. Wer schon jetzt mehr zu dem geplanten Agroforstsystem oder dem Biohof wissen möchte, darf sich gerne bei Ulrich Kotzbauer melden. Am 12. August wird es auf dem Hof außerdem eine Veranstaltung zum Thema Agroforstwirtschaft geben, bei der man den Betrieb und die Menschen hinter dem Projekt näher kennenlernen kann. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Kontakt:

Biohof Garvsmühlen KG
Ansprechpartner: Ulrich Kotzbauer
Dorfweg 3
18230 Ostseebad Rerik OT Garvsmühlen
post@biohof-garvsmuehlen.de

Der 25. Juni 2019 war der Tag, an dem sich mehr als 80 Personen dazu entschlossen, den Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. zu gründen. Eine gute und wichtige Entscheidung, wie sich bei Betrachtung der Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft nach wie vor steht, sowie der hieraus ableitbaren künftigen Anforderungen, die an die Agrarwirtschaft gestellt werden, zeigen. Ein Jahr ist nun vergangen. Worauf können wir zurückblicken?

Mittlerweile zählt der Verband über 130 Mitglieder. Vor allem in den ersten Monaten haben wir uns intensiv damit beschäftigt, den DeFAF funktional zu machen. Rechtliche und finanzielle Fragen mussten geklärt, strategische Entscheidungen getroffen, die Fachbereichsarbeit mitgestaltet sowie die Außendarstellung konzipiert und weiter ausgebaut werden. Vieles haben wir bereits erreicht:

Die Gemeinnützigkeit wurde anerkannt und durch die aktive Arbeit unserer Fachbereiche wird der DeFAF deutschlandweit schon jetzt sehr gut wahrgenommen. Viele Agroforstflächen sind in den letzten Monaten zu bereits bestehenden Agroforstsystemen hinzugekommen. Hierzu trägt u.a. auch die Kooperation mit dem Berliner Radiosender 94.3 rs2 bei, der die Pflanzung von Bäumen in Agroforstsystemen im Rahmen
einer Klimaschutzkampagne in Berlin und Brandenburg anteilig finanziert.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit wird aktiv betrieben und durch die in ganz Deutschland verteilten Mitglieder konnte der DeFAF auf einer Vielzahl von Veranstaltungen teilnehmen. Beim letzten Forum Agroforstsysteme in Freising durfte sich der DeFAF mit einem Infostand beteiligen. Unsere erste Mitgliederversammlung fand im November 2019 in Cottbus statt. Im Mai fand außerdem ein Strategietreffen des Vorstands und der Fachbereichsverantwortlichen statt, um konkrete Ziele für die Arbeit des DeFAF zu erarbeiten.

Das zweite Jahr des DeFAF startet nun mit einer äußerst guten Nachricht: Zum 1. Juli werden wir in Cottbus, dem Sitz des DeFAF, eine offizielle Geschäftsstelle in Betrieb nehmen können. Für die Ausgestaltung der Geschäftsstelle haben wir von der Deutschen Postcode-Lotterie eine Zuwendung von insgesamt 19.840 € erhalten. Hiervon können wichtige Utensilien für die Funktionsfähigkeit der Geschäftsstelle beschafft und zugleich auch noch Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit bereitgestellt werden. Ganz aktuell gehört dazu die Erarbeitung einer Agroforst-Landkarte, die in den nächsten Wochen auf unserer Internetseite eingebunden wird.

Unsere Arbeit geht weiter und wir freuen uns über die Unterstützung und den guten Zuspruch, den wir im letzten Jahr erfahren haben. Wir konnten der Agroforstwirtschaft in Deutschland schon jetzt mehr Gehör in Politik und Gesellschaft verschaffen. Dennoch sind wir erst am Anfang und vor uns liegt ein langer Weg, der weiterhin viel Geduld und Engagement abverlangen wird.

Die Arbeit des DeFAF lebt von seinen Mitgliedern und so bauen wir auch zukünftig auf Sie und weitere Unterstützer, um die agroforstliche Landnutzung auf allen Ebenen aktiv voranzutreiben und die Ziele des DeFAF erfolgreich umzusetzen. Möchten auch Sie unterstützen? Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig: Ob Sie Mitglied werden, sich aktiv in die fachliche Arbeit des DeFAF einbringen, in Ihrem Umfeld über Agroforstwirtschaft und den DeFAF informieren oder auch nützliche Kontakte herstellen – Unterstützung ist immer willkommen!

Das Interesse an Agroforstwirtschaft wächst und trotz Corona gibt es derzeit gute Möglichkeiten, sich dem Thema anzunehmen. Mehrere Studierende haben sich zusammen getan und die Public Climate School ins Leben gerufen, um sich online mit dem Thema Klimagerechtigkeit auseinander zu setzen. Mit dabei natürlich auch die Agroforstwirtschaft. Wie Agroforstsysteme einen Beitrag zu nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft leisten können wurde bei einem Webinar im Mai 2020 diskutiert. Die sehr umgfangreiche Präsentation thematisiert die geschichtliche Entwicklung von Agroforstwirtschaft, die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten und auch praktische Bezüge zur Anwendung werden dargestellt.  Warum die Integration von Bäumen in landwirtschaftliche Fläche in Europa aktuell aber noch schlecht umzusetzen ist wird ebenfalls anschaulich präsentiert. Hier ist das Webinar abrufbar.

Das Innovationskonzept „Bäume als Bereicherung für landwirtschaftliche Flächen“ ist jetzt auf unserer Seiter verfügbar. Als ein Ergebnis des Projektes AUFWERTEN formuliert es Handlungsoptionen, um Agroforstwirtschaft in Deutschland stärker zu etablieren. Das Handbuch analysiert umfassend die aktuelle Situation der Agroforstwirtschaft in Deutschland und gibt Ideen und Anstöße für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Es soll die wesentlichen Möglichkeiten und Chancen der Agroforstwirtschaft in knapper Form so vermitteln, dass das Denken in Zusammenhängen erleichtert wird. Der Benutzer findet daher zahlreiche Querverweise zu Werkzeugen und methodischen Formaten, um die notwendigen Schritte auf dem Weg zu mehr Agroforstwirtschaft erfolgreich zu beschreiten. Sowohl praktische Erfahrungen als auch konzeptionelle Ideen werden prägnant und themenspezifisch aufbereitet.

Das vorliegende Innovationskonzept richtet sich an alle Landwirte und Dienstleister, die sich mit den Grundlagen und Anwendungsgebieten der Agroforstwirtschaft beschäftigen wollen, aber auch an Vertreter von Kommunen, der Planung, landwirtschaftliche Beratungsunternehmen, Studierende und die interessierte Öffentlichkeit. Schwerpunktmäßig werden auch Aspekte herausgestellt, die für die Agrarverwaltung und –politik auf verschiedenen Ebenen von Interesse sein können.

Hier geht es zum Handbuch!

Am 25. Juni 2019 wurde in Berlin der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) gegründet (zum Lesen der Pressemitteilung HIER klicken).

Die Gründungsversammlung des DeFAF zeigte ein Mal mehr, wie aktuell das Thema Agroforstwirtschaft in Deutschland ist. Mehr als 100 Personen fanden sich in den Räumlichkeiten des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen in Berlin zusammen, von denen rund 80 Personen als Gründungsmitglieder den Verband am Nachmittag gründeten. Neben den Abstimmungen zu Satzung, Geschäftsordnung, Beitragsordnung und Vorstand wurden außerdem Leiterinnen und Leiter sowie deren Stellvertreter für insgesamt neun Fachbereiche gewählt, die zukünftig die Arbeit des DeFAF aktiv umsetzen sollen.

Am 5. Juli 2019 traf sich das erste Mal der DeFAF-Vorstand in Cottbus, u.a. um die notarielle Anmeldung des DeFAF beim zuständigen Amtsgericht vorzunehmen. In den fünfköpfigen Vorstand wurden Christian Böhm (Vorsitzender; im Bild rechts), Thomas Domin (stellv. Vorsitzender; im Bild mittig), Anika Sebastian (Schatzmeisterin; im Bild 2. v. r.), Christian Siebert (stellv. Schatzmeister; im Bild links) und Julia Günzel (Schriftführerin; im Bild 2. v. l.) gewählt.

Neben dem Vorstand wurden auf der Gründungsversammlung auch die Verantwortlichen der insgesamt 9 Fachbereiche sowie die Kassenprüfer gewählt. Die Leiter bzw. Leiterinnen der Fachbereiche bilden zugleich den Beirat des DeFAF. Eine Übersicht zur Struktur des DeFAF und Details zu den Fachbereichen finden Sie HIER.

Wo finden sich Flächen, auf denen sich Agroforstflächen mit hoher Produktivität etablieren lassen? Bestehen Synergien zu ökologischen Effekten, indem Schutzwirkungen von Agroforstsystemen genutzt werden können? Können planerische Vorgaben als zusätzliche Synergieeffekte genutzt werden? Wo bestehen potenzielle Konkurrenzen? Profitieren Sie von diesem Wissen und melden sich am besten gleich zu diesem Workshop an.

Diese, und andere Fragen können Sie mit dem Werkzeug „META-AfS“ beantworten. Der Workshop dient dazu, das Werkzeug kennenlernen und es gemeinsam mit den übrigen Teilnehmenden nutzen, um Szenarien zur Flächenpotenzialermittlung von Agroforstsystemen zu erstellen und die Ergebnisse sowohl im Szenariengenerator als auch mit Excel-Dashboardanwendungen und GIS-Karten zu visualisieren > Anmeldung