21.11.2022

Im neuen Themenblatt zum Einsatz von Maschinen im Agroforst wird ein Überblick über die Möglichkeiten der Mechanisierung in silvoarablen und silvopastoralen Agroforstsystemen gegeben. Gegliedert in die verschiedenen Bewirtschaftungsschritte Anlage, Pflege und Ernte (Holz- und Fruchternte) werden entsprechende maschinelle Anwendungsmöglichkeiten aufgezeigt und anschließend Hinweise zur Beschaffung von gebrauchten Maschinen gegeben. Das Themenblatt können Sie in unserer Infothek oder direkt hier herunterladen.

Mit dem neuen Format des Infoblatts reagiert der DeFAF auf die hohe Nachfrage an gesammelten, themenspezifischen Informationen. Etwas kompakter als ein Themenblatt sind die Infoblätter oftmals Absprungbasis für eine eigene tiefergehende Recherche und sollen in regelmäßigen Abständen durch das Feedback der interessierten Leser aktualisiert und mit weiteren Informationen angereichert werden. Neu veröffentlicht wurden Infoblätter zu den folgenden Themen:

  • Nutzungsmöglichkeiten von Gehölzen in Agroforstsystemen
  • Preise und Erträge (verholzende Komponente in AFS)
  • Finanzierungsmöglichkeiten für Agroforstsysteme

Sowohl das Themenblatt, als auch die neuen Infoblätter, sind Arbeitsergebnisse des DeFAF-Fachbereichs Ökonomie und Bewirtschaftung und durch ehrenamtliches Engagement entstanden. Alle gesammelten Arbeitsergebnisse des Fachbereichs sind auch auf der entsprechenden Webseite zu finden.

Die Arbeit des Fachbereichs geht weiter und deswegen sei an dieser Stelle abschließend noch ein Aufruf in eigener Sache veröffentlicht:

Gesucht werden Praxis- und Forschungsbetriebe, die bereit sind Zahlen zur Anlage und/oder Pflege ihrer Agroforstsysteme (AFS) zu teilen. Die Datenerhebung soll in erster Linie dazu dienen, agroforst-interessierten Betrieben eine konkrete Entscheidungs- bzw. Planungsgrundlage zur Verfügung zu stellen.

Benötigt werden:

  • eine Übersicht über alle Tätigkeiten (z.B. Auswahl der Baumarten, Reihe ausmessen, (Schritte der) Pflanzung, Kontrollgänge, Beikrautbekämpfung, …);
  • die Dauer der Tätigkeiten (Akh, soweit dokumentiert);
  • anfallende Kosten (z.B. Pflanzgut, Pflanzmaschine, Baumschutz, Herbizid, …);
  • und eine kurze Beschreibung des AFS und des Standorts.

Um die Datenerfassung zu erleichtern, wurde eine Vorlage erstellt, die gerne zur Verfügung gestellt wird (oekonomie@defaf.de). Die bereitgestellten Daten können auf Wunsch auch anonymisiert behandelt werden.

10. November 2022

In der Kategorie „Gesamtbetriebliche Konzeption“ wurde der Biolandhof „Bannmühle“ (Nordpfälzer Bergland, Rheinland-Pfalz) mit zwei weiteren Siegern durch eine 12-köpfige, unabhängige und interdisziplinäre Jury ausgewählt.

Eigentlich sollte DeAFAF-Mitglied Hans Pfeffer im Rahmen des Fachkolloquiums am 13. und 14. Oktober 2022 in Fulda seine nachhaltigen Lösungen für die Wertschöpfung in Mittelgebirgen präsentieren. Die Apfelernte und Vermostung hielten ihn leider von einer Teilnahme ab. Das Jurymitglied Frank Wagener nahm den Preis und Geschenkkorb in Fulda in seine Obhut, um seine Laudatio kurzerhand auf der Bannmühle in der hofeigenen Mosterei zu halten:

Die Jury hob besonders hervor, dass

  • das Keyline Design in Deutschland weitestgehend unbekannt ist und nur Teile des Verfahrens es bisher in das öffentliche Bewusstsein geschafft haben.
  • die Bannmühle der erste Betrieb in Deutschland ist, bei dem das Keyline Design in diesem Maßstab und in detailreich verknüpften Maßnahmen in die Fläche gebracht wurde.
  • das Bewirtschaftungssystem eine innovative Verknüpfung von Agroforstkulturen mit Maßnahmen zur Speicherung /Rückhalt von Wasser ist (Höhenlinien angepasste Wasserverteilung und Speicherung durch Gräben, (Tiefen)Lockerung des Oberbodens in den Pflanzreihen, Himmelsteich usw.).
  • die Idee das landbauliche Potenzial v.a. zur Erhaltung von hoch biodiversen Grenzertragsstandorten in Zeiten des immer stärker sichtbaren Klimawandels zeigt: Denn Wasserextremereignisse wie Dürre und Starkregen beschleunigen die Aufgabe von Jahrhunderte alten, wichtigen Grünlandstandorten unserer Kulturlandschaften.
  • das adaptierte Landbausystem Leistungen zum Starkregenschutz durch Landbewirtschaftung für unterhalb liegende Ortschaften – wie hier Odernheim – erbringt, die für interdisziplinäre Hochwasserschutzkonzepte von herausragender Bedeutung sind.
  • der Pioniergeist von Hans Pfeffer die Entwicklung und Sichtbarkeit dieses gesamtgesellschaftlich außerordentlich wichtigen Lösungsweges zur Bewirtschaftung unserer Kulturlandschaften befördert.

Gut gelaunt überreichte Frank Wagener dann Urkunde, Schild und Geschenkkorb an Hans Pfeffer. Mehr Informationen zum Wettbewerb auf den Seiten des DVL und zum Betrieb Bannmühle in einem Artikel in der Zeitschrift LandInForm.

Bewirtschaftungsplanung von Hecken in Agrarlandschaften „leicht gemacht“ mit Hilfe der Entscheidungshilfe GoÖko-Heckenmanager

08.11.2022

Hecken stellen in Agrarlandschaften zahlreiche Ökosystemleistungen (ÖSL) bereit. Um die unterschiedlichen Hecken in der Landschaft in einem guten Zustand zu erhalten, sodass sie möglichst vielfältige ÖSL bereitstellen können, ist eine nachhaltige Heckenbewirtschaftung erforderlich. Ziel des Modell- und Demonstrationsvorhabens (MuD) GoÖko (Gehölznutzung Optimiert Ökosystemleistungen; FKZ 2818BM050) war die exemplarische Integration von nachhaltigen Heckenbewirtschaftungsmaßnahmen in Agrarräumen. Durch eine nachhaltige Bewirtschaftung sollen die Heckenstrukturen und die durch diese bereitgestellten ÖSL sowie die Agrobiodiversität dauerhaft erhalten bzw. verbessert werden.

Die Arbeiten im MuD GoÖko wurden durch den Lehrstuhl für Bodenschutz und Rekultivierung an der BTU Cottbus-Senftenberg und die Agrarproduktion GmbH Neuholland-Freienhagen in Kooperation mit Naturpark Barnim zwischen 2019 und 2021 durchgeführt. Im Untersuchungsgebiet des MuD GoÖko im Landkreis Oberhavel, Brandenburg, wurde modellhaft gezeigt, wie vorhandene Gehölzstrukturen in Agrarlandschaften nach einer generalisierbaren Methode kartiert und bewertet werden können und welche Bedeutung die Entwicklung dieser Strukturen für deren Bereitstellung von ÖSL hat. Dafür sollten die kartierten Hecken anhand von drei allgemeinen Kriterien: i) der Heckenstruktur, ii) dem Bedeckungsgrad und iii) dem Natürlichkeitsgrad vor Ort kategorisiert werden.

In 10 Hecken mit unterschiedlichen Heckeneigenschaften erfolgte eine modellhafte Bewirtschaftung in insgesamt 58 20 m-Abschnitten. Hierbei wurden unterschiedliche Arbeitsvorgänge bei den Bewirtschaftungsmaßnahmen getestet. In sieben Hecken wurden drei Methoden der Holzernte ausprobiert: i) vorwiegend motormanuell, ii) teilmechanisiert und iii) vorwiegend vollmechanisiert, wobei die Kosten für Letztere mit 17 EUR/RM am niedrigsten ausfielen. Die höchsten Kosten ergaben sich für das teilmechanisierte Verfahren und betrugen 34 EUR/RM. Überalterte Hecken können aufgrund der sehr starken Stämme in der Regel nicht vollmechanisiert geerntet werden, was die Kosten für deren Bewirtschaftung erhöht.

Für die Bewirtschaftungsplanung von Hecken auf Landschaftsebene nach dem GoÖko-Prinzip wurde eine webbasierte Entscheidungshilfe, der GoÖko-Heckenmanager, entwickelt. Die Anwendung ist unter https://hecken-landschaft.de/entscheidungshilfe kostenfrei verfügbar. Sie stellt einen systematischen Ansatz für die nachhaltige Bewirtschaftung von Hecken dar, wobei konkrete Eingriffe für jede Hecke individuell festgelegt werden können. Auch lokale und regionale Besonderheiten können berücksichtigt werden.

Die Anleitung ist für jeden Schritt auf der Webseite in Form von Merkblättern verfügbar. Im ersten Schritt erfolgt die Auswahl der Hecken in der Landschaft. Diese werden mittels eines Zeichnungswerkzeuges als Polygone digitalisiert. Im zweiten Schritt werden die notwendigen Daten zu den gezeichneten Hecken im Eingabeformular eingetragen. Dafür ist eine Vor-Ort-Datenerhebung notwendig. Im dritten Schritt kann der Zustand der ÖSL der gezeichneten Hecken in der Landschaft (Biomasse Produktion, Windschutz, Wasserschutz, Lebensraum und Landschaftsbild) bewertet werden. Im vierten Schritt erfolgt die Planung der Heckenbewirtschaftung und -weiterentwicklung, wobei die Erkenntnisse aus den Projektarbeiten integriert wurden. Die Planung ist sowohl für einzelne Hecken als auch für Heckengruppen möglich. Dadurch müssen die Maßnahmen für mehrere Hecken die gleich bewirtschaftet werden nur einmalig eingetragen werden. Für jede Planungsgruppe werden Informationen zu den Bereichen „Zielheckenstruktur“, „Holzerntekosten“, „Holzerlöse“ und „Etablierung und Bewirtschaftung“ eingetragen.

Im fünften Schritt wurde die Möglichkeit gegeben, die geplanten Maßnahmen als ein PDF-Dokument zu exportieren und zu speichern. Dieses Dokument fasst alle wichtigen Informationen zusammen und könnte als Grundlage für einen Antrag an die UNB zur Durchführung der Bewirtschaftungsmaßnahmen nach dem GoÖko-Prinzip genutzt werden. Die konkrete Integration des Vorgangs in die Verwaltungsabläufe war allerdings nicht Aufgabe des MuD GoÖko.

Eine wichtige Komponente der Webanwendung ist die Gehölzdatenbank. Diese ist im GoÖko-Heckenmanager integriert, kann aber auch eigenständig genutzt werden. Auf der Startseite der Gehölzdatenbank sind die Gehölzarten nach Gattung gruppiert. Jede Gehölzart kann separat aufgerufen werden, um detaillierte Informationen zu Bereichen wie „Standort und Klimaansprüche“, „Lebensbereiche der Gehölze“, „Nutzung“, „Landschaftsbild“ zu erhalten. Die Gehölzdatenbank ist unter https://hecken-landschaft.de/gehölzdatenbank verfügbar.

27. Oktober 2022

Der CERES-Award wird jedes Jahr an Landwirte vergeben, die mit innovativen Ideen und außergewöhnlichen Leistungen versuchen, die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an einen Landwirt, der die Agroforstwirtschaft in Brandenburg in die Praxis bringt: Benedikt Bösel vom Schlossgut Alt Madlitz in Briesen wurde als Landwirt des Jahres 2022 ausgezeichnet und damit für sein innovatives Betriebskonzept gewürdigt. Neben dem ganzheitlichen Weidemanagement, das der Betrieb für die Rinderhaltung eingeführt hat, spielt auch die Agroforstwirtschaft eine tragende Rolle, um die landwirtschaftlichen Flächen bodenschonend und nachhaltig zu bewirtschaften und auf diese Weise gesunde und resiliente Ökosysteme zu schaffen. Bei einer Exkursion des DeFAF zum Betrieb von Benedikt Bösel in diesem Jahr könnten wir uns direkt vor Ort von seinem innovativen Ansatz überzeugen. Umso mehr freuen wir uns, dass seine Arbeit gewürdigt wurde und gratulieren an dieser Stelle herzlich!

 

1. September 2022

Agroforstsysteme sind bezüglich ihres Designs hoch variabel. Um trotz dessen vergleichbare Untersuchungen in den unterschiedlichen Systemen durchführen zu können, bedarf es einer möglichst einheitlichen Vorgehensweise für die Erhebung der einzelnen Parameter. In einem neuen Leitfaden des DeFAF wird ein Forschungsdesign vorgestellt, das als Mindeststandard für die Durchführung von bodenkundlichen Untersuchungen in streifenförmigen Agroforstsystemen empfohlen wird. Neben den bodenkundlichen „hard-facts“ wie beispielsweise Beprobungstiefe und -zeitpunkt geht der Leitfaden schwerpunktmäßig auf die Probennahme im Transektdesign ein. Diese Methode ermöglicht es, die Heterogenität des Bodens in einem streifenförmig angelegten Agroforstsystem zu spiegeln und zu untersuchen.

Der Leitfaden wurde Im Rahmen des Projektes „Agroforstsysteme Hessen“ angefertigt, gefördert vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Sie können ihn in unserer Infothek oder direkt hier herunterladen.

Als bundesweiter Fachverband ist der DeFAF in ganz Deutschland vertreten. Auf Initiative von mehreren aktiven Mitgliedern hat sich im letzten Jahr eine Regionalgruppe für Schleswig-Holstein und Hamburg gegründet, um als Verband vor Ort noch aktiver wirken zu können. Die Regionalgruppe wird von Matthias Amelung, Felix Riecken und Michael Weitz geleitet und ist über die E-Mailadresse schleswig-holstein.hamburg@defaf.de erreichbar. Auch in Niedersachsen formiert sich derzeit eine Regionalgruppe. Dafür werden noch Mitstreiter:innen gesucht, die Lust haben, regional zusammenzuarbeiten, Informationsveranstaltungen zu organisieren und in Niedersachsen politisch die Agroforstwirtschaft voranzubringen. Wer dort mitwirken möchte, kann sich an Michelle Breezmann und Ernst Kürsten über die Adresse niedersachsen@defaf.de melden. Einzige Voraussetzung: eine Mitgliedschaft im DeFAF! Alle Infos dazu finden Sie hier.

5. Juli 2022

Im Rahmen der Öko-Feldtage 2022, die vom 28. bis 30. Juni auf dem Gladbacherhof in Hessen stattfanden, war der DeFAF mit einem interaktiven Infostand vertreten. Nicht nur für den Verband waren diese Tage ein voller Erfolg – auch die Agroforstwirtschaft hat viel positive Resonanz erhalten.

Der Infostand befand sich mit denen vieler anderer bekannter Agroforstakteure direkt über dem Ackeragroforstsystem der Universität Gießen, welches mittlerweile gut angewachsen ist und sehr schön anzusehen. Bei bestem Wetter war die Agroforstwirtschaft ein thematischer Fokus am ersten Tag und neben mehreren Führungen zu den Agroforstsystemen lockten spannende Vorträge in die Kartoffelhalle. Ein Highlight des von Triebwerk organisierten Fachforums war die Podiumsdiskussion mit Janos Wack von Triebwerk, Felix Riecken von Rieckens Landmilch, Ophelia Nick, der parlamentarischen Staatssekretärin des BMEL, sowie Hubert Heigl, BÖLW-Vorstand. Heiß diskutiert wurden vor allem aktuelle Konflikte und Hürden zur Umsetzung der Agroforstwirtschaft. Bemerkenswert war die Begeisterung und Hoffnung aller Parteien, dass die Agroforstwirtschaft bald, wenn auch vielleicht nicht in dieser Förderperiode, ein wichtiges Element der Landwirtschaft werde, dessen Wertschätzung dann auch in den politischen Rahmenbedingungen zu finden sein wird.

Beim Infostand des DeFAF informierte sich eine Vielzahl der Teilnehmenden zur Agroforstwirtschaft. Die vielfältigen Informationsmaterialien sind dabei sehr gut angekommen, ebenso wie eine ganz besondere Aktion:
In Eierkartons konnten die Besucher:innen in Kokossubstrat ihr eigenes kleines Agroforstsystem pflanzen. Zur Auswahl standen dafür verschiedene Samen: neben einer Gründüngung, Teff und Senfsaat gab es vor allem eine Reihe unterschiedlichster Baumsaaten. Viele Besucher:innen waren sehr begeistert, neben den ganzen Postern auf den Feldtagen auch mal etwas zum Anfassen zu haben und selbst etwas ausprobieren zu können.

Der DeFAF konnte während der Öko-Feldtage auch seine Mitgliederzahl erhöhen – die Freude war groß, als die 300-Mitgliedermarke überschritten wurde. Damit waren die Öko-Feldtage eine großartige Gelegenheit für spannende Gespräche, neue Impulse und ein zusehends wachsendes Agroforst-Netzwerk in Deutschland.

 

16. Mai 2022

Die Agroforstwirtschaft wird derzeit auch außerhalb von Deutschland immer beliebter. An der Bangor University in Wales kann man dazu schon länger ein ganzes Studium zu abschließen. Michelle Breezmann, Fachbereichsleiterin des Jungen DeFAF und Agroforstberaterin, ist derzeit in ihren letzten Zügen des Masterprogramms „Agroforestry and Food Security“, in dessen Rahmen jedes Jahr eine Studienexkursion stattfindet, die sie in diesem Jahr nach Irland geführt hat. In einem Bericht erzählt sie uns, was sie dabei erlebt hat und wie die Iren im Vergleich zu Deutschland mehr Bäume und Sträucher in die Landwirtschaft bringen.

Anfang Mai 2022 nahm ich im Rahmen meines Masterstudiums an der Bangor University in Wales an einer Studienexkursion nach Irland teil. Eine solche Exkursion wird im Rahmen des Studiums jedes Jahr in unterschiedlichen Regionen angeboten. Diese Reise steuerte nicht nur Ziele in der Republik Irland an, sondern auch in Nordirland, also dem Teil der irischen Insel, der zum Vereinigten Königreich gehört.

Während der Exkursion besuchten wir verschiedene landwirtschaftliche Betriebe und Versuchsbestriebe, die sich mehr oder weniger intensiv mit der Agroforstwirtschaft befassten. Besonders interessant fand ich, die Landwirte nach ihren Beweggründen zur bzw. ihren Hinderungsgründen gegen die Agroforstwirtschaft zu befragen und mit meinen Erfahrungen aus Deutschland zu vergleichen. Als Mitgliedsstaat der EU steht die Republik Irland grundsätzlich vor denselben politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen wie Deutschland. Im nationalen Recht unterscheiden sie sich aber in einem wesentlichen Punkt: Während in Deutschland seit 2008 im Bundeswaldgesetz (§2, Abs. 2) verankert ist, dass Agroforstflächen nicht zum Forst gehören, gibt es diese Formulierung nicht im irischen Recht. Das hat Vor- und Nachteile für die irische Agroforstwirtschaft: Einerseits gibt es dadurch vor allem von forstwirtschaftlicher Seite Bestrebungen, Bäume in die Landwirtschaft zu bringen, andererseits stehen die Landwirte dort schnell im Konflikt, dadurch wertvolle Ackerflächen in Forstflächen umzuwandeln und „zu verlieren“.

Foto: M. Breezmann

Bäume in die Landwirtschaft zu bringen heißt in Irland, Bäume auf Weiden zu pflanzen und nicht auf den Acker. Denn mit mehr als 90% Grünland der landwirtschaftlich genutzten Fläche sieht die Landwirtschaft ganz anders aus als in Deutschland. Während wir nur ca. 30% als Grünland nutzen und 70% als Acker, dient die Landwirtschaft in Irland vor allem der Haltung von Weidetieren, insbesondere von Schafen. Hier spielen die Lammsterblichkeit und die Dauer der Weidesaison als landwirtschaftliche Parameter eine wichtige Rolle. Dass Agroforstsysteme die Lammsterblichkeit teilweise halbieren und die Weidesaison um bis zu 17 Wochen verlängern kann, ist bei den allermeisten Landwirten leider noch nicht angekommen.

Außerdem hat die Mehrheit der Landwirte in Irland eine grundlegende Abneigung gegenüber Bäumen in der Landwirtschaft. Dabei sind sie uns ziemlich ähnlich: Bäume werden eher als unproduktives, störendes Element in einer effizienten Landwirtschaft wahrgenommen. Es kommt noch hinzu, dass die jetzt wirtschaftende Generation in einem Land mit nur 11% Waldfläche (Vergleich Deutschland: etwa 30%) in der Vergangenheit miterleben musste, wie mittelständische Familienbetriebe reihenweise aufgekauft wurden und großen Fichten-Monokulturen weichen mussten, die nun alle nach und nach zu Grunde gehen…

Betrachtet man diese Hintergründe und die unattraktiven Fördermöglichkeiten, die nur sehr wenig Gestaltungsspielraum lassen und, verglichen mit normalen Aufforstungsprämien, auch finanziell keinen Anreiz bieten, so geht es Irland mit der Agroforstwirtschaft ziemlich ähnlich wie Deutschland: Die Betriebe, die Bäume pflanzen, gelten als Pioniere, die, motiviert durch die potenziellen Vorteile und die Überzeugung, etwas Gutes zu tun (sowohl der Umwelt, als auch den Tieren und im Endeffekt sich selbst), häufig die Kosten selbst tragen. Ein Landwirt hat es großartig beschrieben, als wir auf seiner Weide mit Kirschen, Walnüssen, Eichen und Obstgehölzen standen: „Es ist so schade, dass ich die Schafe noch nicht hier rauftreiben konnte. Ihr hättet sehen müssen, wie die Lämmer mit ihren Müttern den Schatten und Schutz der Bäume suchen. Da geht einem einfach das Herz auf! Und man weiß, warum man sich die Arbeit gemacht hat“.

Es war beeindruckend, zu erleben, wie Landwirte in einem ganz anderen landwirtschaftlichen Kontext genauso ticken, wie unsere Landwirte: Obwohl ihre Existenz überwiegend von Subventionen abhängt, suchen und finden sie Wege, die ungünstigen Förderbedingungen so zu nutzen oder zu umgehen, dass großartige Agroforstprojekte entstehen. Wie in Deutschland hoffen auch viele irische Landwirte auf bessere Förderbedingungen unter der neuen GAP. Die Exkursion hat mir gezeigt, dass nicht nur die Landwirte in Deutschland (für unsere Papierkriege bekannt) vor umständlichen und unpraktischen Förderbedingungen stehen, aber auch, dass es überall eine Möglichkeit gibt, seinen eigenen, richtigen Weg zu gehen, um Bäume in der Landwirtschaft zu pflanzen!