Am 15. Dezember 2020 findet die Fachtagung „Agroforstwirtschaft als Agrarumwelt- und Klimamaßnahme – Stand, Erfahrungen und Perspektiven“ in Berlin statt. Ziel der Veranstaltung ist die Vorstellung des „Konzeptes zur Förderung von Agroforstflächen als Agrarumwelt- und Klimamaßnahme (AUKM) im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) des Landes Brandenburg“, das im Rahmen der Förderrichtlinie „Zusammenarbeit für eine markt- und standortgerechte Landbewirtschaftung und nachhaltige Landnutzung“ zwischen 2017 und 2019 erarbeitet wurde. Gleichzeitig ist die Fachtagung der Auftakt für die nun anstehende Konzeptbegleitung. Anmeldungen sind bis zum 6. Dezember über Katharina.Palm@MLUKBrandenburg.de möglich. Da die Plätze jedoch aufgrund der aktuellen Situation stark begrenzt sind, wird die Teilnahme zur Fachtagung zusätzlich über einen Livestream über den Twitterkanal des MLUK (@MLUKBrandenburg) ermöglicht. Das Programm der Veranstaltung ist hier einzusehen, das Konzept finden Sie hier auf unserer Seite.

 

 

Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltfragen (WBGU) bescheinigt der Agroforstwirtschaft ein großes Potential für eine nachhaltige Landnutzung weltweit.

Ziel des aktuellen Gutachtens des WBGU dem Titel „Landwende im Anthropozän: Von der Konkurrenz zur Integration“ ist es, Strategien für eine nachhaltige Landnutzung aufzuzeigen, um die drei großen globalen Herausforderungen Klimaschutz, Ernährungssicherheit und Erhalt der Biodiversität zu bewältigen. Eine solche Landwende zur Nachhaltigkeit gelinge nur mit multifunktionalen Landnutzungsformen, da so integrierte Ansätze angewendet werden, durch die Synergien in der Landschaft entstehen und gleichzeitig mehrere Nutzen erfüllt werden können.

Die Agroforstwirtschaft als multifunktionales Landwirtschaftssystem, das vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bietet und damit verschiedenste Bedarfe bedient wird in diesem Zusammenhang als konkreter Lösungsansatz für zwei von insgesamt fünf sogenannten Mehrgewinnstrategien genannt.

Für die erste Mehrgewinnstrategie „Renaturierung von degradierten Ökosystemen“ birgt Agroforstwirtschaft laut WBGU ein großes Potential, da sie auf der einen Seite zur Kohlenstoffspeicherung beiträgt, gleichzeitig aber auch Einkommen für den Menschen generiert wird und weitere ökologische Vorteile entstehen.

Im Bereich „Diversifizierung der Landwirtschaftssysteme“ wird die Agroforstwirtschaft als eine von 15 vorgeschlagenen Komponenten aufgeführt. Aufgrund ihrer Gestaltungsmöglichkeiten schafft sie vielfältige Synergien und trägt unter anderem zur Erhöhung der Produktvielfalt, zur Verbesserung der ökologischen Funktionen sowie zur Landschaftsästhetik bei. Das Potential der Agroforstwirtschaft wird dabei vor allem für Klimaschutz, Klimaanpassung und Biodiversitätserhaltung als sehr groß eingeschätzt. Zusammen mit der Komponente (Boden)konservierender Landwirtschaft gehört die Agroforstwirtschaft laut WBGU damit zu den vielversprechendsten Ansätzen dieser Mehrgewinnstrategie für die Landwirtschaft.

Der DeFAF e.V. freut sich sehr über die Bewertung der Agroforstwirtschaft durch den WBGU. Sie zeigt, welche Potentiale diese Form der Landnutzung für eine zukunftsfähige und nachhaltige Landwirtschaft hat. Nun kommt es darauf an, dass auf nationaler und internationaler Ebene das Thema stärkere Berücksichtigung findet und die Rahmenbedingungen entsprechend verbessert werden. Weitere Informationen zu dem Gutachten der WBGU finden Sie hier.

Am 12.8.2020 fand in der Kösterschün in Rerik eine Infoveranstaltung zur Agroforstwirtschaft statt. Anlass war die Informierung von interessierten Personen und Landwirten aus der Region sowie politischen Vertretern aus Mecklenburg-Vorpommern zu den Potentialen dieses Landnutzungssystems, da für den Herbst 2020 die Anlage eines Agroforstsystems auf dem Betrieb der Biohof Garvsmühlen KG in Rerik geplant ist. Das Organisationsteam bestand aus dem Agroforstberater Burkhard Kayser, Georg Eysel-Zahl, Geschäftsführer der VRD-Stiftung, Peter Stuckert von der Bioland-Beratung, Studierenden verschiedener Universitäten und den Betriebsleitern der Biohof Garvsmühlen KG. Damit waren auch Mitglieder des DeFAF e.V. aktiv vertreten, der sich zukünftig weitere solcher Vorhaben und Veranstaltungen wünscht.

Zur Freude der Veranstalter befanden sich in Kösterschün neben Landwirten und anderen Interessierten aus der Region auch Vertreter der Universitäten Münster und Rostock, des Landesbauernverbandes sowie der Naturschutzbehörden unter den Teilnehmern. Die Veranstaltung begann mit einem einführenden Vortrag von Burkhard Kayser zu Hintergründen und Potentialen der Agroforstwirtschaft. Im Anschluss wurde zum Austausch mit den Organisatoren und untereinander eingeladen und die Anwesenden konnten sich mit weiterführenden Informationen versorgen. Die Veranstaltung endete in gemütlichem Rahmen mit vielen interessanten Diskussionen in kleinen Gruppen.

Die Ideen der Agroforstwirtschaft wurden von allen Anwesenden durchweg positiv angenommen, auch wenn noch Herausforderungen insbesondere aufgrund der unsicheren gesetzlichen und förderrechtlichen Gegebenheiten gesehen werden. Für das Organisationsteam war die Veranstaltung auch im Nachhinein ein voller Erfolg: Aus dem Ort kommt noch immer positives Feedback zu der Veranstaltung und die geplante Anlage des Agroforstsystems angesprochen werden und benachbarte Landwirte verfolgen die Umsetzung des Vorhabens mit Interesse. Der DeFAF e.V. freut sich mit dem Team und sagt weiter so!

Bezugnehmend auf eine kleine Anfrage der Partei Die Linke zur Integration der Agroforstwirtschaft in die deutsche Agrarförderpolitik hat sich die deutsche Bundesregierung sehr ernüchternd geäußert. Wir haben mit einer Pressemitteilung darauf reagiert und betont, wie groß das Interesse an der Agroforstwirtschaft nach unserer Wahrnehmung in Deutschland ist und wie essentiell die Förderung dieser Landnutzungsform für eine nachhaltige Landwirtschaft ist.

Der DeFAF e.V. und speziell der Fachbereich Recht und Verwaltung unternimmt aktuell große Anstrengungen, um das Thema Agroforstwirtschaft in die Öffentlichkeit und vor allem an die Entscheidungsträger heran zu tragen. Ziel ist es dabei zu erreichen, dass Agroforstsysteme rechtssicher und in breiter Vielfalt in Deutschland umgesetzt werden können. Auch ist es wichtig, dass den Landwirtschaftsbetrieben hierfür finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden und sie Planungssicherheit erhalten.

In diesem Zusammenhang gab es im Sommer im Bundestag u.a. auch eine kleine Anfrage der Partei Die Linke an die Bundesregierung mit detaillierten Fragen zur Integration der Agroforstwirtschaft in die deutsche Agrarförderpolitik. Die Antwort der Bundesregierung fiel sehr enttäuschend aus – nicht nur für die anfragende Fraktion, sondern nach unserer Wahrnehmung auch für Abgeordnete anderer im Bundestag vertretener Fraktionen, die sich ebenfalls eine eindeutigere Stellungnahme erhofft hatten. Die Antwort zeigt außerdem, dass unsere Anstrengungen fortgesetzt werden müssen bzw. der Druck auf die relevanten Institutionen des Bundes weiter erhöht bzw. aufrechterhalten werden muss. Die Pressemitteilung können Sie hier einsehen.

 

 

Wo jetzt noch weitläufige monotone Getreidefelder zu sehen sind, wird zurzeit die Anpflanzung eines Agroforstsystems geplant und in Zukunft ökologische Landwirtschaft nach Biolandrichtlinien betrieben. Zur Bewirtschaftung des Landwirtschaftsbetriebes mit einer Betriebsfläche von ca. 300 ha sowie der Umsetzung des Agroforstvorhabens haben sich Ulrich Kotzbauer, Thomas Erver und Henno Arndt (v.li.) zur Biohof Garvsmühlen KG zusammengeschlossen.

Die landwirtschaftlichen Flächen werden hauptsächlich als Ackerflächen genutzt. Mit der Umstellung des Ackerbaus auf eine nachhaltige Landwirtschaft liegt den drei Betreibern die Verbesserung der Biodiversität durch die Etablierung eines Agroforstsystem am Herzen, um neben der ackerbaulichen Nutzung der Flächen ein schöneres vielfältigeres Landschaftsbild zu schaffen. Durch Bäume und Hecken soll an diesem küstennahen, windexponierten Standort ein verbesserter Erosionsschutz und Humusaufbau erzielt werden. Bei der Umstellungsplanung und der Einrichtung des Agroforstsystems wird die Biohof Garvsmühlen KG durch den DeFAF e.V., den Agroforstexperten Burkhard Kayser sowie die Forstwissenschaftsstudentin Sabine Kotzbauer unterstützt.

Im ersten Schritt wird die Anpflanzung eines Agroforstsystems auf ca. 40 ha geplant, wobei mit einer Anpflanzung der ersten Flächen von 10 ha im laufenden Jahr begonnen wird. Die Anpflanzungen werden so vorgenommen, dass die Kultivierung der Bäume und die ackerbauliche Nutzung auf einer Fläche möglich sind. Die Anordnung der Bäume erfolgt in Reihen, so dass in den Bereichen zwischen den Reihen eine maschinelle Bewirtschaftung der Ackerflächen weiterhin erfolgen kann. In den Zwischenräumen von Baum zu Baum erfolgt eine Anpflanzung von Hecken und Wildobst.

Neben dem ökologischen Nutzen, dem Ertrag von Bäumen und Sträuchern sowie der in Zukunft liegenden Holzgewinnung erhofft man sich auch andere LandwirtInnen und Interessierte für die Agroforstidee zu begeistern. Insbesondere möchte man auch den Verpächtern die Vorteile dieser kombinierten Bewirtschaftungsmethode näherbringen und so in Zukunft die Anpflanzung von Bäumen auch auf diese Fläche zu erweitern. Ein nennenswerter Teil der Pachtflächen sind Landes- oder Kircheneigentum. Besonders hier erhoffen sich die Betreiber mit der Anpflanzungsidee auf offene Ohren zu stoßen.

Der Betrieb und die Agroforstanpflanzungen liegen im schönen Ostseebad Rerik, mit direktem Blick auf das Salzhaff und Ostsee, in Nähe des beliebten Ostseefernradwegs in einer stark von Touristen frequentierten Region. Die Besucher können sich hier in Zukunft im geplanten Hofcafé bei einem Lupinenkaffee aus eigenem Anbau und Apfelkuchen mit Äpfeln aus der Agroforstanpflanzung direkt über den DeFAF und diese alternative und zukunftsweisende Methode der Landbewirtschaftung informieren. Wer schon jetzt mehr zu dem geplanten Agroforstsystem oder dem Biohof wissen möchte, darf sich gerne bei Ulrich Kotzbauer melden. Am 12. August wird es auf dem Hof außerdem eine Veranstaltung zum Thema Agroforstwirtschaft geben, bei der man den Betrieb und die Menschen hinter dem Projekt näher kennenlernen kann. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Kontakt:

Biohof Garvsmühlen KG
Ansprechpartner: Ulrich Kotzbauer
Dorfweg 3
18230 Ostseebad Rerik OT Garvsmühlen
post@biohof-garvsmuehlen.de

Der 25. Juni 2019 war der Tag, an dem sich mehr als 80 Personen dazu entschlossen, den Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. zu gründen. Eine gute und wichtige Entscheidung, wie sich bei Betrachtung der Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft nach wie vor steht, sowie der hieraus ableitbaren künftigen Anforderungen, die an die Agrarwirtschaft gestellt werden, zeigen. Ein Jahr ist nun vergangen. Worauf können wir zurückblicken?

Mittlerweile zählt der Verband über 130 Mitglieder. Vor allem in den ersten Monaten haben wir uns intensiv damit beschäftigt, den DeFAF funktional zu machen. Rechtliche und finanzielle Fragen mussten geklärt, strategische Entscheidungen getroffen, die Fachbereichsarbeit mitgestaltet sowie die Außendarstellung konzipiert und weiter ausgebaut werden. Vieles haben wir bereits erreicht:

Die Gemeinnützigkeit wurde anerkannt und durch die aktive Arbeit unserer Fachbereiche wird der DeFAF deutschlandweit schon jetzt sehr gut wahrgenommen. Viele Agroforstflächen sind in den letzten Monaten zu bereits bestehenden Agroforstsystemen hinzugekommen. Hierzu trägt u.a. auch die Kooperation mit dem Berliner Radiosender 94.3 rs2 bei, der die Pflanzung von Bäumen in Agroforstsystemen im Rahmen
einer Klimaschutzkampagne in Berlin und Brandenburg anteilig finanziert.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit wird aktiv betrieben und durch die in ganz Deutschland verteilten Mitglieder konnte der DeFAF auf einer Vielzahl von Veranstaltungen teilnehmen. Beim letzten Forum Agroforstsysteme in Freising durfte sich der DeFAF mit einem Infostand beteiligen. Unsere erste Mitgliederversammlung fand im November 2019 in Cottbus statt. Im Mai fand außerdem ein Strategietreffen des Vorstands und der Fachbereichsverantwortlichen statt, um konkrete Ziele für die Arbeit des DeFAF zu erarbeiten.

Das zweite Jahr des DeFAF startet nun mit einer äußerst guten Nachricht: Zum 1. Juli werden wir in Cottbus, dem Sitz des DeFAF, eine offizielle Geschäftsstelle in Betrieb nehmen können. Für die Ausgestaltung der Geschäftsstelle haben wir von der Deutschen Postcode-Lotterie eine Zuwendung von insgesamt 19.840 € erhalten. Hiervon können wichtige Utensilien für die Funktionsfähigkeit der Geschäftsstelle beschafft und zugleich auch noch Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit bereitgestellt werden. Ganz aktuell gehört dazu die Erarbeitung einer Agroforst-Landkarte, die in den nächsten Wochen auf unserer Internetseite eingebunden wird.

Unsere Arbeit geht weiter und wir freuen uns über die Unterstützung und den guten Zuspruch, den wir im letzten Jahr erfahren haben. Wir konnten der Agroforstwirtschaft in Deutschland schon jetzt mehr Gehör in Politik und Gesellschaft verschaffen. Dennoch sind wir erst am Anfang und vor uns liegt ein langer Weg, der weiterhin viel Geduld und Engagement abverlangen wird.

Die Arbeit des DeFAF lebt von seinen Mitgliedern und so bauen wir auch zukünftig auf Sie und weitere Unterstützer, um die agroforstliche Landnutzung auf allen Ebenen aktiv voranzutreiben und die Ziele des DeFAF erfolgreich umzusetzen. Möchten auch Sie unterstützen? Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig: Ob Sie Mitglied werden, sich aktiv in die fachliche Arbeit des DeFAF einbringen, in Ihrem Umfeld über Agroforstwirtschaft und den DeFAF informieren oder auch nützliche Kontakte herstellen – Unterstützung ist immer willkommen!

Das Interesse an Agroforstwirtschaft wächst und trotz Corona gibt es derzeit gute Möglichkeiten, sich dem Thema anzunehmen. Mehrere Studierende haben sich zusammen getan und die Public Climate School ins Leben gerufen, um sich online mit dem Thema Klimagerechtigkeit auseinander zu setzen. Mit dabei natürlich auch die Agroforstwirtschaft. Wie Agroforstsysteme einen Beitrag zu nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft leisten können wurde bei einem Webinar im Mai 2020 diskutiert. Die sehr umgfangreiche Präsentation thematisiert die geschichtliche Entwicklung von Agroforstwirtschaft, die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten und auch praktische Bezüge zur Anwendung werden dargestellt.  Warum die Integration von Bäumen in landwirtschaftliche Fläche in Europa aktuell aber noch schlecht umzusetzen ist wird ebenfalls anschaulich präsentiert. Hier ist das Webinar abrufbar.

Das Innovationskonzept „Bäume als Bereicherung für landwirtschaftliche Flächen“ ist jetzt auf unserer Seiter verfügbar. Als ein Ergebnis des Projektes AUFWERTEN formuliert es Handlungsoptionen, um Agroforstwirtschaft in Deutschland stärker zu etablieren. Das Handbuch analysiert umfassend die aktuelle Situation der Agroforstwirtschaft in Deutschland und gibt Ideen und Anstöße für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Es soll die wesentlichen Möglichkeiten und Chancen der Agroforstwirtschaft in knapper Form so vermitteln, dass das Denken in Zusammenhängen erleichtert wird. Der Benutzer findet daher zahlreiche Querverweise zu Werkzeugen und methodischen Formaten, um die notwendigen Schritte auf dem Weg zu mehr Agroforstwirtschaft erfolgreich zu beschreiten. Sowohl praktische Erfahrungen als auch konzeptionelle Ideen werden prägnant und themenspezifisch aufbereitet.

Das vorliegende Innovationskonzept richtet sich an alle Landwirte und Dienstleister, die sich mit den Grundlagen und Anwendungsgebieten der Agroforstwirtschaft beschäftigen wollen, aber auch an Vertreter von Kommunen, der Planung, landwirtschaftliche Beratungsunternehmen, Studierende und die interessierte Öffentlichkeit. Schwerpunktmäßig werden auch Aspekte herausgestellt, die für die Agrarverwaltung und –politik auf verschiedenen Ebenen von Interesse sein können.

Hier geht es zum Handbuch!