Wo jetzt noch weitläufige monotone Getreidefelder zu sehen sind, wird zurzeit die Anpflanzung eines Agroforstsystems geplant und in Zukunft ökologische Landwirtschaft nach Biolandrichtlinien betrieben. Zur Bewirtschaftung des Landwirtschaftsbetriebes mit einer Betriebsfläche von ca. 300 ha sowie der Umsetzung des Agroforstvorhabens haben sich Ulrich Kotzbauer, Thomas Erver und Henno Arndt (v.li.) zur Biohof Garvsmühlen KG zusammengeschlossen.

Die landwirtschaftlichen Flächen werden hauptsächlich als Ackerflächen genutzt. Mit der Umstellung des Ackerbaus auf eine nachhaltige Landwirtschaft liegt den drei Betreibern die Verbesserung der Biodiversität durch die Etablierung eines Agroforstsystem am Herzen, um neben der ackerbaulichen Nutzung der Flächen ein schöneres vielfältigeres Landschaftsbild zu schaffen. Durch Bäume und Hecken soll an diesem küstennahen, windexponierten Standort ein verbesserter Erosionsschutz und Humusaufbau erzielt werden. Bei der Umstellungsplanung und der Einrichtung des Agroforstsystems wird die Biohof Garvsmühlen KG durch den DeFAF e.V., den Agroforstexperten Burkhard Kayser sowie die Forstwissenschaftsstudentin Sabine Kotzbauer unterstützt.

Im ersten Schritt wird die Anpflanzung eines Agroforstsystems auf ca. 40 ha geplant, wobei mit einer Anpflanzung der ersten Flächen von 10 ha im laufenden Jahr begonnen wird. Die Anpflanzungen werden so vorgenommen, dass die Kultivierung der Bäume und die ackerbauliche Nutzung auf einer Fläche möglich sind. Die Anordnung der Bäume erfolgt in Reihen, so dass in den Bereichen zwischen den Reihen eine maschinelle Bewirtschaftung der Ackerflächen weiterhin erfolgen kann. In den Zwischenräumen von Baum zu Baum erfolgt eine Anpflanzung von Hecken und Wildobst.

Neben dem ökologischen Nutzen, dem Ertrag von Bäumen und Sträuchern sowie der in Zukunft liegenden Holzgewinnung erhofft man sich auch andere LandwirtInnen und Interessierte für die Agroforstidee zu begeistern. Insbesondere möchte man auch den Verpächtern die Vorteile dieser kombinierten Bewirtschaftungsmethode näherbringen und so in Zukunft die Anpflanzung von Bäumen auch auf diese Fläche zu erweitern. Ein nennenswerter Teil der Pachtflächen sind Landes- oder Kircheneigentum. Besonders hier erhoffen sich die Betreiber mit der Anpflanzungsidee auf offene Ohren zu stoßen.

Der Betrieb und die Agroforstanpflanzungen liegen im schönen Ostseebad Rerik, mit direktem Blick auf das Salzhaff und Ostsee, in Nähe des beliebten Ostseefernradwegs in einer stark von Touristen frequentierten Region. Die Besucher können sich hier in Zukunft im geplanten Hofcafé bei einem Lupinenkaffee aus eigenem Anbau und Apfelkuchen mit Äpfeln aus der Agroforstanpflanzung direkt über den DeFAF und diese alternative und zukunftsweisende Methode der Landbewirtschaftung informieren. Wer schon jetzt mehr zu dem geplanten Agroforstsystem oder dem Biohof wissen möchte, darf sich gerne bei Ulrich Kotzbauer melden. Am 12. August wird es auf dem Hof außerdem eine Veranstaltung zum Thema Agroforstwirtschaft geben, bei der man den Betrieb und die Menschen hinter dem Projekt näher kennenlernen kann. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Kontakt:

Biohof Garvsmühlen KG
Ansprechpartner: Ulrich Kotzbauer
Dorfweg 3
18230 Ostseebad Rerik OT Garvsmühlen
post@biohof-garvsmuehlen.de

Der 25. Juni 2019 war der Tag, an dem sich mehr als 80 Personen dazu entschlossen, den Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. zu gründen. Eine gute und wichtige Entscheidung, wie sich bei Betrachtung der Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft nach wie vor steht, sowie der hieraus ableitbaren künftigen Anforderungen, die an die Agrarwirtschaft gestellt werden, zeigen. Ein Jahr ist nun vergangen. Worauf können wir zurückblicken?

Mittlerweile zählt der Verband über 130 Mitglieder. Vor allem in den ersten Monaten haben wir uns intensiv damit beschäftigt, den DeFAF funktional zu machen. Rechtliche und finanzielle Fragen mussten geklärt, strategische Entscheidungen getroffen, die Fachbereichsarbeit mitgestaltet sowie die Außendarstellung konzipiert und weiter ausgebaut werden. Vieles haben wir bereits erreicht:

Die Gemeinnützigkeit wurde anerkannt und durch die aktive Arbeit unserer Fachbereiche wird der DeFAF deutschlandweit schon jetzt sehr gut wahrgenommen. Viele Agroforstflächen sind in den letzten Monaten zu bereits bestehenden Agroforstsystemen hinzugekommen. Hierzu trägt u.a. auch die Kooperation mit dem Berliner Radiosender 94.3 rs2 bei, der die Pflanzung von Bäumen in Agroforstsystemen im Rahmen
einer Klimaschutzkampagne in Berlin und Brandenburg anteilig finanziert.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit wird aktiv betrieben und durch die in ganz Deutschland verteilten Mitglieder konnte der DeFAF auf einer Vielzahl von Veranstaltungen teilnehmen. Beim letzten Forum Agroforstsysteme in Freising durfte sich der DeFAF mit einem Infostand beteiligen. Unsere erste Mitgliederversammlung fand im November 2019 in Cottbus statt. Im Mai fand außerdem ein Strategietreffen des Vorstands und der Fachbereichsverantwortlichen statt, um konkrete Ziele für die Arbeit des DeFAF zu erarbeiten.

Das zweite Jahr des DeFAF startet nun mit einer äußerst guten Nachricht: Zum 1. Juli werden wir in Cottbus, dem Sitz des DeFAF, eine offizielle Geschäftsstelle in Betrieb nehmen können. Für die Ausgestaltung der Geschäftsstelle haben wir von der Deutschen Postcode-Lotterie eine Zuwendung von insgesamt 19.840 € erhalten. Hiervon können wichtige Utensilien für die Funktionsfähigkeit der Geschäftsstelle beschafft und zugleich auch noch Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit bereitgestellt werden. Ganz aktuell gehört dazu die Erarbeitung einer Agroforst-Landkarte, die in den nächsten Wochen auf unserer Internetseite eingebunden wird.

Unsere Arbeit geht weiter und wir freuen uns über die Unterstützung und den guten Zuspruch, den wir im letzten Jahr erfahren haben. Wir konnten der Agroforstwirtschaft in Deutschland schon jetzt mehr Gehör in Politik und Gesellschaft verschaffen. Dennoch sind wir erst am Anfang und vor uns liegt ein langer Weg, der weiterhin viel Geduld und Engagement abverlangen wird.

Die Arbeit des DeFAF lebt von seinen Mitgliedern und so bauen wir auch zukünftig auf Sie und weitere Unterstützer, um die agroforstliche Landnutzung auf allen Ebenen aktiv voranzutreiben und die Ziele des DeFAF erfolgreich umzusetzen. Möchten auch Sie unterstützen? Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig: Ob Sie Mitglied werden, sich aktiv in die fachliche Arbeit des DeFAF einbringen, in Ihrem Umfeld über Agroforstwirtschaft und den DeFAF informieren oder auch nützliche Kontakte herstellen – Unterstützung ist immer willkommen!

Das Interesse an Agroforstwirtschaft wächst und trotz Corona gibt es derzeit gute Möglichkeiten, sich dem Thema anzunehmen. Mehrere Studierende haben sich zusammen getan und die Public Climate School ins Leben gerufen, um sich online mit dem Thema Klimagerechtigkeit auseinander zu setzen. Mit dabei natürlich auch die Agroforstwirtschaft. Wie Agroforstsysteme einen Beitrag zu nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft leisten können wurde bei einem Webinar im Mai 2020 diskutiert. Die sehr umgfangreiche Präsentation thematisiert die geschichtliche Entwicklung von Agroforstwirtschaft, die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten und auch praktische Bezüge zur Anwendung werden dargestellt.  Warum die Integration von Bäumen in landwirtschaftliche Fläche in Europa aktuell aber noch schlecht umzusetzen ist wird ebenfalls anschaulich präsentiert. Hier ist das Webinar abrufbar.

Das Innovationskonzept „Bäume als Bereicherung für landwirtschaftliche Flächen“ ist jetzt auf unserer Seiter verfügbar. Als ein Ergebnis des Projektes AUFWERTEN formuliert es Handlungsoptionen, um Agroforstwirtschaft in Deutschland stärker zu etablieren. Das Handbuch analysiert umfassend die aktuelle Situation der Agroforstwirtschaft in Deutschland und gibt Ideen und Anstöße für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Es soll die wesentlichen Möglichkeiten und Chancen der Agroforstwirtschaft in knapper Form so vermitteln, dass das Denken in Zusammenhängen erleichtert wird. Der Benutzer findet daher zahlreiche Querverweise zu Werkzeugen und methodischen Formaten, um die notwendigen Schritte auf dem Weg zu mehr Agroforstwirtschaft erfolgreich zu beschreiten. Sowohl praktische Erfahrungen als auch konzeptionelle Ideen werden prägnant und themenspezifisch aufbereitet.

Das vorliegende Innovationskonzept richtet sich an alle Landwirte und Dienstleister, die sich mit den Grundlagen und Anwendungsgebieten der Agroforstwirtschaft beschäftigen wollen, aber auch an Vertreter von Kommunen, der Planung, landwirtschaftliche Beratungsunternehmen, Studierende und die interessierte Öffentlichkeit. Schwerpunktmäßig werden auch Aspekte herausgestellt, die für die Agrarverwaltung und –politik auf verschiedenen Ebenen von Interesse sein können.

Hier geht es zum Handbuch!

Im November 2019 veröffentlichte das IPCC ihren finalen, über 800 Seiten starken Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL). Der Bericht fokussiert dabei auf die weltweit relevantesten Entwicklungen in der Landnutzung im Zeitverlauf. Der derzeitige Stand des Wissens zur Klimaerwärmung und deren Auswirkungen auf die Landnutzung und andere Aspekte, wie Biodiversität, wird aufgegriffen um daraus Empfehlungen zu Lösungsansätzen gegeben. Die Agroforstwirtschaft spielt im Bericht eine große Rolle – 214 Mal erscheint der Begriff – und wird als eine wichtige und vielversprechende Option im Kampf gegen die Klimakrise und in der Anpassung an die Auswirkungen angesehen. Lesen Sie HIER mehr zu den Kernbotschaften des Berichtes:

„Wenn Du auf Reisen bist und Dich verirrst, geh‘ zum Ausgangspunkt zurück“ – mit diesem senegalesischen Sprichwort beschreibt der Nobelpreisträger Tony Rinaudo die aktuelle Situation der modernen Landwirtschaft. Drei unserer Mitglieder bekamen die Gelegenheit, ihn zu einem Interview in Berlin zu treffen und sich zum Thema Agroforstwirtschaft und den Vorteilen von Bäumen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft auszutauschen. Mit seiner Technik der Bauern-gestützten Wiederbewaldung (FMNR) erhielt er 2018 den alternativen Nobelpreis. Was ihn seine langjährige Arbeit mit den Menschen vor Ort gelehrt hat und inwiefern Landwirte sich hierzulande Bäume zunutze machen könnten, diskutierten wir im Interview. Lesen Sie HIER das vollständige Interview.

Unter dem Motto „Blick aufs Ganze! Innovative Landnutzung mit vielfältigen Funktionen in der Kulturlandschaft“ fand das 7. Forum Agroforstsysteme dieses Jahr vom 9. bis 10. Oktober in Freising statt. Der DeFAF war dabei natürlich auch vertreten. Neben einem Stand präsentierte unser Vorstandssitzender Christian Böhm die bisherige Arbeit des DeFAF außerdem in einem Vortrag. Das Interesse am Verband war sehr groß und die Besucher schienen sich einig zu sein, dass eine vermehrte Nutzung von Agroforstsystemen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft unabdingbar ist. Auf zwei Exkursionen am Ende der Veranstaltung konnten die Teilnehmer sich schließlich persönlich davon überzeugen, wie Agroforstwirtschaft in der Praxis funktionieren kann. Weitere Informationen zum Verlauf der Tagung finden Sie HIER.