3. August 2022

Einer der vielen Vorteile der Agroforstwirtschaft ist ihr Beitrag zur Erhöhung der biologischen Vielfalt. Im Rahmen des vom BMU geförderten Bundesprogramms Biologische Vielfalt beteiligt sich der DeFAF e.V. ab dem kommenden Herbst als Projektpartner im Verbundprojekt SEBAS (Stabilisierung und Erhöhung von biologischer Vielfalt und Ökosystemleistungen auf Agrarflächen durch Schaffung vielfältiger agroforstlicher Nutzungsstrukturen). Für diesen Zweck suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Projektmitarbeiter (m/w/d).

Die Stelle umfasst 20 Wochenarbeitsstunden und ist entsprechend des Förderzeitraums zunächst auf drei Jahre befristet. Der Hauptarbeitsort ist die Geschäftsstelle des DeFAF e.V. in Cottbus. Das Gehalt orientiert sich an dem TV-L, je nach Qualifikation der Bewerberin bzw. des Bewerbers bis zur Entgeltgruppe 13. Eine Aufstockung der Stelle ist im Zuge einer erfolgreichen Einwerbung weiterer Forschungsprojekte ggf. möglich. Neben der Projekttätigkeit besteht in Kooperation mit einer Universität grundsätzlich auch die Möglichkeit zur akademischen Weiterqualifizierung.

Bewerbungsfrist ist der 22. August 2022. Alle weiteren Informationen finden Sie in der gesamten Stellenbeschreibung.

Als bundesweiter Fachverband ist der DeFAF in ganz Deutschland vertreten. Auf Initiative von mehreren aktiven Mitgliedern hat sich im letzten Jahr eine Regionalgruppe für Schleswig-Holstein und Hamburg gegründet, um als Verband vor Ort noch aktiver wirken zu können. Die Regionalgruppe wird von Matthias Amelung, Felix Riecken und Michael Weitz geleitet und ist über die E-Mailadresse schleswig-holstein.hamburg@defaf.de erreichbar. Auch in Niedersachsen formiert sich derzeit eine Regionalgruppe. Dafür werden noch Mitstreiter:innen gesucht, die Lust haben, regional zusammenzuarbeiten, Informationsveranstaltungen zu organisieren und in Niedersachsen politisch die Agroforstwirtschaft voranzubringen. Wer dort mitwirken möchte, kann sich an Michelle Breezmann und Ernst Kürsten über die Adresse niedersachsen@defaf.de melden. Einzige Voraussetzung: eine Mitgliedschaft im DeFAF! Alle Infos dazu finden Sie hier.

12. Juli 2022

Im Rahmen des Forschungsprojektes Konzeptbegleitung AUKM fand vom 5. bis 7. Juli 2022 eine Agroforst-Exkursion zu mehren Brandenburger Betrieben statt. Schon im März 2022 wurde eine Frühjahrsexkursion zu Landwirtschaftsbetrieben in Frankreich geführt. An der jetzigen Sommerexkursion nahmen insgesamt rund 40 Personen teil, wobei die Teilnehmergruppen an den einzelnen Exkursionstagen teilweise variierten.

Den Auftakt bildete am ersten Tag der Exkursion der Landwirtschaftsbetrieb Domin in Peickwitz bei Senftenberg. Rico Hübner vom DeFAF und Thomas Domin, Geschäftsführer des Betriebs und stellvertretender Vorsitzender des Verbands, gaben eine Einführung zur Agroforstwirtschaft in Brandenburg sowie zu den aktuellen Entwicklungen hinsichtlich einer Förderung und der gesetzlichen Rahmenbedingungen. In Peickwitz konnten die Teilnehmenden in den mittlerweile sieben Jahre alten Gehölzstreifen direkt empfinden, wie die Bäume zur Kühlung der Umgebung beitragen – vor allem an heißen Sommertagen ein sehr angenehmer Effekt! Am Abend des ersten Tages besuchten die Teilnehmenden bei einem Sektempfang die DeFAF-Geschäftsstelle in Cottbus.

Tag 2 war vollgepackt mit spannenden Betriebsbesichtigungen. Zunächst führte uns Benedikt Bösel als Betriebsleiter über die Agroforstflächen des Schlossgutes Alt Madlitz in Briesen (Mark). Die Agroforstspezialisten Renke de Vries und Rosanna Gahler standen für die vielen Fragen der Teilnehmenden zur Verfügung. Die vielfältigen agroforstlichen Anbauformen mit Obstgehölzen, Wertholzbäumen, Sträuchern und Büschen erfolgen nach wissenschaftlichen Prinzipien und setzen Ansätze aus der Permakultur und der Regenerativen Landwirtschaft erfolgreich in die Praxis um. Die Pflanzung von Futterhecken wird dem Betrieb zukünftig eine Zusatzfutterquelle für die Angus-Rinderherde erschließen.

Nach einer Stärkung aus der Gutsküche ginge es weiter zur ZGJ Landwirtschafts GmbH in Zinnitz bei Calau. Der Betriebsleiter Robert Häußler führte die Gruppe gemeinsam mit seiner Frau Marrin durch ein 2020 etabliertes silvopastorales Agroforstsystem, das im Frühjahr 2022 um Obst- und Nussbäume ergänzt wurde. Die Vorteile der Haltung von Gänsen, Enten und Legehennen im Schutz der Gehölze waren an diesem heißen Tag deutlich nachvollziehbar.

 

 

 

 

 

 

 

Am Abend des zweiten Tages hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, am 2. Lausitzer Agroforst-Stammtisch teilzunehmen, der im Rahmen des Projektes AgroBaLa eingeführt wurde und an diesem Tag im Landgasthaus „Zum Auerochsen“ in Freesdorf bei Luckau stattfand. Über 30 Personen lauschten Ekkehart Jung und seinem Sohn Robert, die die am Nachmittag thematisierte Geflügelhaltung mit einem weiteren Praxisbericht abrundeten. In ihrem Mastbetrieb werden nach den Prinzipien des ökologischen Landbaues Bronzeputen im Freiland mit über 10m² Auslauf je Individuum gehalten. Als schützende Elemente wurden mehrere Gehölzstreifen gepflanzt. Darüber hinaus werden auf dem Betrieb auch Pyrenäen-Berghunde gezüchtet, die sich als Herdenschutzhunde großer Beliebtheit bei Tierhaltern erfreuen.

An Tag 3 ging es ganz in den Norden Brandenburgs. Reiner Guhl, bekannter Spargel- und Kartoffelerzeuger in der Prignitz, legte mehrere Agroforstgehölzstreifen innerhalb der großen Schläge des Hof Düpow an. Damit hat er eine Lösung gefunden, langfristig auf die Herausforderungen der Klimakrise zu reagieren, in der selbst die Bewässerung an ihre Grenzen kommt, und gleichzeitig etwas an die Natur „zurückzugeben“. Bei der Exkursion berichteten er und seine Frau Marieluise, dass sie viel Zuspruch dafür von den Anwohnern und aus der Gemeinde bekommen. Bei einer kräftigen Tasse Kaffee und mit spontaner musikalischer Begleitung einer Exkursionsteilnehmerin wurde über die Vorteile der Agroforstwirtschaft sinniert.

Die TeilnehmerInnen konnten an den drei Exkursionstagen die wichtigsten Formen moderner Agroforstsysteme in Brandenburg aus erster Hand kennen lernen. Einige der Teilnehmenden wurden so von den Vorteilen überzeugt, dass sie nun selbst über die Pflanzung eines Agroforstsystems nachdenken. Bleibt zu hoffen, dass die Rahmenbedingungen und die angekündigten Förderprogramme im Zuge der neuen Agrarförderperiode ab Januar 2023 so gestaltet werden, dass das Engagement der LandwirtInnen nicht an bürokratischen Hürden oder schlechten Konditionen scheitert.

Die kommende Agrofrost Herbstexkursion wird voraussichtlich Ende September in Mitteldeutschland stattfinden. Interessenten können sich über info@defaf.de beim DeFAF vormerken lassen. Wir freuen uns wieder über eine rege Teilnahme und danken an dieser Stelle auch im Namen der Teilnehmenden allen Gastgebern der Sommerexkursion für ihre Unterstützung und das Engagement.

5. Juli 2022

Im Rahmen der Öko-Feldtage 2022, die vom 28. bis 30. Juni auf dem Gladbacherhof in Hessen stattfanden, war der DeFAF mit einem interaktiven Infostand vertreten. Nicht nur für den Verband waren diese Tage ein voller Erfolg – auch die Agroforstwirtschaft hat viel positive Resonanz erhalten.

Der Infostand befand sich mit denen vieler anderer bekannter Agroforstakteure direkt über dem Ackeragroforstsystem der Universität Gießen, welches mittlerweile gut angewachsen ist und sehr schön anzusehen. Bei bestem Wetter war die Agroforstwirtschaft ein thematischer Fokus am ersten Tag und neben mehreren Führungen zu den Agroforstsystemen lockten spannende Vorträge in die Kartoffelhalle. Ein Highlight des von Triebwerk organisierten Fachforums war die Podiumsdiskussion mit Janos Wack von Triebwerk, Felix Riecken von Rieckens Landmilch, Ophelia Nick, der parlamentarischen Staatssekretärin des BMEL, sowie Hubert Heigl, BÖLW-Vorstand. Heiß diskutiert wurden vor allem aktuelle Konflikte und Hürden zur Umsetzung der Agroforstwirtschaft. Bemerkenswert war die Begeisterung und Hoffnung aller Parteien, dass die Agroforstwirtschaft bald, wenn auch vielleicht nicht in dieser Förderperiode, ein wichtiges Element der Landwirtschaft werde, dessen Wertschätzung dann auch in den politischen Rahmenbedingungen zu finden sein wird.

Beim Infostand des DeFAF informierte sich eine Vielzahl der Teilnehmenden zur Agroforstwirtschaft. Die vielfältigen Informationsmaterialien sind dabei sehr gut angekommen, ebenso wie eine ganz besondere Aktion:
In Eierkartons konnten die Besucher:innen in Kokossubstrat ihr eigenes kleines Agroforstsystem pflanzen. Zur Auswahl standen dafür verschiedene Samen: neben einer Gründüngung, Teff und Senfsaat gab es vor allem eine Reihe unterschiedlichster Baumsaaten. Viele Besucher:innen waren sehr begeistert, neben den ganzen Postern auf den Feldtagen auch mal etwas zum Anfassen zu haben und selbst etwas ausprobieren zu können.

Der DeFAF konnte während der Öko-Feldtage auch seine Mitgliederzahl erhöhen – die Freude war groß, als die 300-Mitgliedermarke überschritten wurde. Damit waren die Öko-Feldtage eine großartige Gelegenheit für spannende Gespräche, neue Impulse und ein zusehends wachsendes Agroforst-Netzwerk in Deutschland.

23.06.2022

Auf den Lüneburger Bodentagen, die vom 9.06.-10.06.2022 in Echem stattfanden, drehte sich alles um die Bodenfruchtbarkeit. Am zweiten Tag lag der Fokus auf der Agroforstwirtschaft. Der DeFAF e.V. beteiligte sich an dem Programm mit einem Infostand und einem Workshop zum Thema „Agroforst-Forschung: Ergebnisse und Bedarf diskutieren“, der von Isabelle Frenzel durchgeführt wurde.

Bei dem Workshop nahmen über 20 Akteur:innen aus Wissenschaft und Praxis aus dem norddeutschen Raum teil. Zunächst wurde erörtert, welche Medien als Informationsquellen zum Thema Agroforstwirtschaft und zu entsprechenden Forschungsergebnissen genutzt werden. Genannt wurden unter anderem das „Book of Abstracts“ von der EURAF Konferenz, Fachzeitschriften, Newsletter unterschiedlicher Vereine und Verbände, Websites unterschiedlicher Akteure (z.B. vom FIBL, 3N-Kompetenzzentrum, Thünen-Institut, DeFAF), soziale Netzwerke (z.B. Twitter, LinkedIn) und Tagungsformate wie die Lüneburger Bodentage. In einer kurzen Präsentation wurden im Nachgang der Forschungsstand zu Agroforstwirtschaft in Deutschland sowie Teilergebnisse aus dem Projekt SIGNAL dargestellt.

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmer:innen in Kleingruppen, welche Forschungsergebnisse besonders relevant für die Praxis sind und wo sie noch Forschungsbedarf zu Themen rund um die Agroforstwirtschaft sehen. Dadurch entstand ein fruchtbarer Austausch, der die unterschiedlichen Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis aufzeigte. Insgesamt lieferte der Workshop nützliche Ergebnisse, um die weitere Arbeit des DeFAF im Bereich Wissenstransfer weiterzuentwickeln.

 

15.06.2022

Zur diesjährigen Brandenburger Landpartie, einer Art Wochenende der offenen Tür im ländlichen Raum, hat sich der DeFAF am 11. Juni mit einem Infostand beim Hoffest des Landwirtschaftsbetriebs Domin präsentiert. Angeboten wurden neben dem direkten Austausch und Infomaterialien auch eine Führung zum betriebseigenen Agroforstsystem. Und wer sich spielerisch an der Agroforstwirtschaft ausprobieren wollte, konnte das neue Agroforst-Memory zu den Vorteilen der Agroforstwirtschaft ausprobieren, das das altbekannte Spiel um eine zusätzliche Herausforderung erweitert: Ziel ist es nicht, die gleichen Bilder zu finden, sondern zwei Karten, die das gleiche Thema wie z.B. die Steigerung des Tierwohls behandeln. Nicht ganz einfach, doch mit etwas Geduld und Knobelei haben es einige Besucher doch geschafft. Zusätzlich gab es am Stand die Möglichkeit, nach Beantwortung eines kurzen Fragebogens zum Wissenstand und zum Interesse an der Agroforstwirtschaft im Rahmen des Projektes AgroBaLa an einer kleinen Verlosung teilzunehmen. Zu gewinnen gab es  ein „agroförstliches Frühstück“ bestehend aus einem DeFAF-Frühstücksbrett und Agroforstprodukten. Der Infostand war damit ein DeFAF-Angebot der anderen Art, das sich zu wiederholen lohnt und Lust auf Mehr machte.

2. Juni 2022

Mit insgesamt 32 Teilnehmenden sind in Kaufungen bei Kassel die ersten beiden Fortbildungskurse der neuen Agroforst-Akademie angelaufen. An diesem ersten Präsenztermin, der vom 23. bis 25. Mai 2022 im Tagungshaus Niederkaufungen stattfand, wurden den Kursteilnehmer:innen die ersten theoretischen Grundlagen zur Agroforstwirtschaft vermittelt, die durch zwei Exkursionen zu örtlichen Agroforstflächen praxisnah ergänzt wurden.  Die beiden Bildungsreferenten des DeFAF, Nicolas Haack und Christoph Meixner, wurden dabei von dem Pomologen Jan Bade sowie dem Agroforstberater Janos Wack unterstützt, die ihr Fachwissen im Bereich Obstgehölze sowie rechtliche Rahmenbedingungen mit einbrachten. Zwischen den einzelnen Seminareinheiten wurde der fachliche Austausch aber auch durch das umfangreiche und teilweise spezielle Wissen der Teilnehmer:innen bereichert, sodass spannende Diskussionen entstanden, die Lust auf mehr machten.

Der Kurstermin in Kaufungen war der Auftakt der in diesem Jahr gestarteten Agroforst-Akademie. Die am Agroforst-Praxiskurs teilnehmenden Landwrit:innen werden sich zum Ende des Jahres zu zwei weiteren Präsenzterminen treffen, für die am Agroforst-Planungskurses teilnehmenden Berater:innen sind bis März 2023 weitere vier Termine vorgesehen. Beide Kurse beinhalten außerdem eine Reihe von Online-Terminen zu verschiedenen Fachthemen, die im Juni starten. Der DeFAF freut sich sehr, dass die Agroforst-Akademie nun angelaufen ist, da die Wissensvermittlung zu Agroforstsystemen ein zentrales Anliegen des Verbands darstellt. Ziel ist es, mit der Agroforst-Akademie ein langfristiges und regelmäßiges Weiterbildungsangebot zu schaffen, mit dem das Wissen zur Umsetzung der Agroforstwirtschaft in die Praxis gebracht wird. Weitere Informationen zu der Agroforst-Akademie sind auf der neuen Webseite unter www.agroforst-akademie.de zu finden.

 

16. Mai 2022

Die Agroforstwirtschaft wird derzeit auch außerhalb von Deutschland immer beliebter. An der Bangor University in Wales kann man dazu schon länger ein ganzes Studium zu abschließen. Michelle Breezmann, Fachbereichsleiterin des Jungen DeFAF und Agroforstberaterin, ist derzeit in ihren letzten Zügen des Masterprogramms „Agroforestry and Food Security“, in dessen Rahmen jedes Jahr eine Studienexkursion stattfindet, die sie in diesem Jahr nach Irland geführt hat. In einem Bericht erzählt sie uns, was sie dabei erlebt hat und wie die Iren im Vergleich zu Deutschland mehr Bäume und Sträucher in die Landwirtschaft bringen.

Anfang Mai 2022 nahm ich im Rahmen meines Masterstudiums an der Bangor University in Wales an einer Studienexkursion nach Irland teil. Eine solche Exkursion wird im Rahmen des Studiums jedes Jahr in unterschiedlichen Regionen angeboten. Diese Reise steuerte nicht nur Ziele in der Republik Irland an, sondern auch in Nordirland, also dem Teil der irischen Insel, der zum Vereinigten Königreich gehört.

Während der Exkursion besuchten wir verschiedene landwirtschaftliche Betriebe und Versuchsbestriebe, die sich mehr oder weniger intensiv mit der Agroforstwirtschaft befassten. Besonders interessant fand ich, die Landwirte nach ihren Beweggründen zur bzw. ihren Hinderungsgründen gegen die Agroforstwirtschaft zu befragen und mit meinen Erfahrungen aus Deutschland zu vergleichen. Als Mitgliedsstaat der EU steht die Republik Irland grundsätzlich vor denselben politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen wie Deutschland. Im nationalen Recht unterscheiden sie sich aber in einem wesentlichen Punkt: Während in Deutschland seit 2008 im Bundeswaldgesetz (§2, Abs. 2) verankert ist, dass Agroforstflächen nicht zum Forst gehören, gibt es diese Formulierung nicht im irischen Recht. Das hat Vor- und Nachteile für die irische Agroforstwirtschaft: Einerseits gibt es dadurch vor allem von forstwirtschaftlicher Seite Bestrebungen, Bäume in die Landwirtschaft zu bringen, andererseits stehen die Landwirte dort schnell im Konflikt, dadurch wertvolle Ackerflächen in Forstflächen umzuwandeln und „zu verlieren“.

Foto: M. Breezmann

Bäume in die Landwirtschaft zu bringen heißt in Irland, Bäume auf Weiden zu pflanzen und nicht auf den Acker. Denn mit mehr als 90% Grünland der landwirtschaftlich genutzten Fläche sieht die Landwirtschaft ganz anders aus als in Deutschland. Während wir nur ca. 30% als Grünland nutzen und 70% als Acker, dient die Landwirtschaft in Irland vor allem der Haltung von Weidetieren, insbesondere von Schafen. Hier spielen die Lammsterblichkeit und die Dauer der Weidesaison als landwirtschaftliche Parameter eine wichtige Rolle. Dass Agroforstsysteme die Lammsterblichkeit teilweise halbieren und die Weidesaison um bis zu 17 Wochen verlängern kann, ist bei den allermeisten Landwirten leider noch nicht angekommen.

Außerdem hat die Mehrheit der Landwirte in Irland eine grundlegende Abneigung gegenüber Bäumen in der Landwirtschaft. Dabei sind sie uns ziemlich ähnlich: Bäume werden eher als unproduktives, störendes Element in einer effizienten Landwirtschaft wahrgenommen. Es kommt noch hinzu, dass die jetzt wirtschaftende Generation in einem Land mit nur 11% Waldfläche (Vergleich Deutschland: etwa 30%) in der Vergangenheit miterleben musste, wie mittelständische Familienbetriebe reihenweise aufgekauft wurden und großen Fichten-Monokulturen weichen mussten, die nun alle nach und nach zu Grunde gehen…

Betrachtet man diese Hintergründe und die unattraktiven Fördermöglichkeiten, die nur sehr wenig Gestaltungsspielraum lassen und, verglichen mit normalen Aufforstungsprämien, auch finanziell keinen Anreiz bieten, so geht es Irland mit der Agroforstwirtschaft ziemlich ähnlich wie Deutschland: Die Betriebe, die Bäume pflanzen, gelten als Pioniere, die, motiviert durch die potenziellen Vorteile und die Überzeugung, etwas Gutes zu tun (sowohl der Umwelt, als auch den Tieren und im Endeffekt sich selbst), häufig die Kosten selbst tragen. Ein Landwirt hat es großartig beschrieben, als wir auf seiner Weide mit Kirschen, Walnüssen, Eichen und Obstgehölzen standen: „Es ist so schade, dass ich die Schafe noch nicht hier rauftreiben konnte. Ihr hättet sehen müssen, wie die Lämmer mit ihren Müttern den Schatten und Schutz der Bäume suchen. Da geht einem einfach das Herz auf! Und man weiß, warum man sich die Arbeit gemacht hat“.

Es war beeindruckend, zu erleben, wie Landwirte in einem ganz anderen landwirtschaftlichen Kontext genauso ticken, wie unsere Landwirte: Obwohl ihre Existenz überwiegend von Subventionen abhängt, suchen und finden sie Wege, die ungünstigen Förderbedingungen so zu nutzen oder zu umgehen, dass großartige Agroforstprojekte entstehen. Wie in Deutschland hoffen auch viele irische Landwirte auf bessere Förderbedingungen unter der neuen GAP. Die Exkursion hat mir gezeigt, dass nicht nur die Landwirte in Deutschland (für unsere Papierkriege bekannt) vor umständlichen und unpraktischen Förderbedingungen stehen, aber auch, dass es überall eine Möglichkeit gibt, seinen eigenen, richtigen Weg zu gehen, um Bäume in der Landwirtschaft zu pflanzen!

6. Mai 2022

Im Rahmen der durch den DeFAF initiierten Agroforst-Akademie finden in diesem Jahr erstmalig umfangreiche Weiterbildungskurse zu Agroforstwirtschaft statt. Die neue Internetpräsenz der Agroforst-Akademie ist nun online und informiert über die Hintergründe und Angebote der Akademie. In diesem Jahr werden vorerst zwei Kurse durchgeführt: ein Agroforst-Praxiskurs für landwirtschaftliche Praktiker:innen sowie ein Agroforst-Planungskurs für Berater:innen aus der Agrarbranche. Geplant ist die jährliche Durchführung der Kurse. Aktuelle Informationen dazu sind zukünftig auf der neuen Webseite der Agroforst-Akademie zu finden. Wer schon jetzt Interesse an der Teilnahme an einem der beiden Kurse im kommenden Jahr hat, kann sich direkt an das Team der Agroforst-Akademie wenden. Die Webseite und Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier: www.agroforst-akademie.de