Drei Tage zur Agrarpolitik im Bereich der Agroforstwirtschaft, die es wirklich in sich hatten!

In Anbetracht der Tatsache, dass die 5. Europäische Agroforstkonferenz von Mai 2020 auf kommendes Jahr verschoben wurde und die Entwicklungen in Brüssel zur zukünftigen Förderung der Agroforstwirtschaft rasant voranschreiten, wurde eine eigenständige Mini-Konferenz zum Thema Agrarpolitik und Governance initiiert.

Vom 16. bis 18. November 2020 organisierte das lokale Organisationskomitee der EURAF 2020 (Nuoro) zusammen mit dem nationalen Komitee der EURAF und dem italienischen Agroforstverband (AIAF) unter Leitung der Vizepräsidentin Francesca Camilli das Webinar „Agroforestry and the Green Architecture of the New CAP“.  Die Veranstaltung wurde freundlicherweise von der jährlich stattfindenden Initiative „Eröffnung des Waldjahres“ durch die Forstverwaltung Sardiniens unterstützt.

Die Eröffnungszeremonie am ersten Tag legte einen Fokus auf die sardische Forst- und Agroforstwirtschaft; es kamen eine Reihe italienischer Vertreter zu Wort, zusammen mit der Begrüßung durch Patrick Worms, dem kürzlich wieder gewählten EURAF Präsidenten.

An den beiden folgenden Vormittagen wurden die agroforstpolitischen Themen vertieft und die Erfahrungen von Vertretern derjenigen Länder geteilt, die die Agroforstwirtschaft umsetzen. Konkret wurde der Stand der Umsetzung der Untermaßnahme 8.2 der regionalen Entwicklungspläne (RDP: 2014-2020) beleuchtet. Vertreter regionaler und nationaler Institutionen aus Irland, Ungarn, Flandern, Frankreich, Portugal, Spanien, Italien und Griechenland berichteten über die Stärken und Schwächen der Umsetzung in ihren Ländern.

Der dritte Tag des Webinars bot die Gelegenheit, gemeinsam mit drei zuständigen Vertretern der Kommission – DGAgri, DGClima und DGEnvi – sowie wichtigen Berufsstandvertretern und Umweltorganisationen über die Zukunft der Agroforstpolitik zu diskutieren.

Für die Abschlusspräsentation wurde eine ad-hoc SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) aus den Inhalten des dreitägigen Treffens präsentiert, die zusammenfassend die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Agroforstwirtschaft im Governance-Bereich aufzeigt.

Darüber hinaus wurden die Präsentationen in drei Schlagworte zusammengefasst, die die Konzepte und Notwendigkeiten der Agroforstpolitik in Europa weiter umreißen:

Komplementarität

Es ist an der Zeit, die Trennung zwischen Landwirtschaft und Umwelt zu überwinden. Die erste und zweite Säule der GAP müssen komplementär sein, indem sie die Konditionalität, die Öko-Regelungen (Ecoschemes) und die Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) verbessern, wobei die Förderfähigkeit dafür der Schlüssel ist, um dies zu erreichen. Kurzfristige Förderung und langfristige Unterstützung müssen komplementär betrachtet werden: Die Anwendung des Konzepts lässt sich in dem Hinweis „Bäume wachsen lassen und nicht nur pflanzen!“ zusammenfassen.

Interaktion

Beziehungen sollten auf verschiedenen Ebenen gepflegt werden. Forschung und Praxis könnten beispielsweise durch Living Labs und die Initiierung von Partnerschaften stärker interagieren. Die Interaktion zwischen den Akteuren muss gestärkt werden.

Dialog

Um diese Interaktion zu unterstützen, muss vor allem auch der Dialog zur Agroforstwirtschaft durch Wissenstransfer, Beratung und Bildung gefördert werden. Den Mitgliedsstaaten kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, eine ausreichende Abstimmung zwischen der nationalen Umsetzung der GAP (Strategiepläne) und den Zielen des European Green Deals einzufordern.

Fazit: eine von den Teilnehmer*innen überaus positiv wahrgenommene Veranstaltung, deren Inhalte in einem ausführlicheren Bericht in Kürze in englischer Sprache auf der EURAF-Website verfügbar sein werden.

Weitere Informationen zum Policy Event finden Sie hier. Für die EURAF-Konferenz vom 17.-19. Mai 2021 in Nuoro, Italien, gibt es derzeit einen neuen call-for-abstracts.