46. Gewässerforum: Gewässerentwicklung und Agroforstwirtschaft zusammendenken

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30.09.2026

Wie können Gewässer im ländlichen Raum naturnäher entwickelt werden, wenn die dafür benötigten Flächen landwirtschaftlich genutzt werden? Diese Frage zog sich als roter Faden durch das 46. Gewässerforum „Zukunft gestalten: Gewässerentwicklung im ländlichen Raum“ in Dresden. Im Mittelpunkt standen ausdrücklich praktikable Lösungen, die gemeinsam mit Landwirtschaft, Kommunen, Behörden und weiteren Akteuren entwickelt werden können. Etwa 160 Teilnehmer:innen fanden sich hierzu in der SAB ein.

Im Laufe der Veranstaltung boten sich widerholt Anknüpfungspunkte zur Agroforstwirtschaft und zur Integration von Gehölzen in die Agrarlandschaft. Bereits Staatssekretär Ulrich Menke griff in seiner Eröffnungsrede die Agroforstwirtschaft auf. Besonders verwies er auf die Agroforstanlage am Tauchnitzgraben bei Böhlitz.

Insbesondere aus gewässerökologischer Sicht wurde die Bedeutung von Gehölzen deutlich. PD Dr. Mario Brauns vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) plädierte für eine stärkere Beschattung der Gewässer durch Gehölze. Diese kann angesichts steigender Wassertemperaturen, sommerlicher Sauerstoffprobleme und zunehmender Austrocknung einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Gewässerökosysteme leisten.

Eine weitere Perspektive kam aus der kommunalen Praxis. Christiane Frohberg vom Amt für Stadtgrün und Gewässer Leipzig berichtete am Beispiel des Projekts „Lebendige Luppe“ über Fließgewässerentwicklung und Auendynamisierung in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Besonders aufschlussreich war dabei eine Folie zu den Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung von Gewässerentwicklungsmaßnahmen – eine Darstellung, die später von Christina Kretzschmar, Geschäftsführerin des DVL Sachsen, ausdrücklich als besonders wichtige Folie hervorgehoben wurde.

Nach der Mittagspause gab es eine geführte Posterrunde. Ein Highlight war sicherlich die Podiumsdiskussion, hervorragend moderiert von Linda Leibhold vom Deutschen Verband für Landschaftspflege e.V.

Aus den aktuellen Beiträgen im Sächsischen Gewässerforum ergeben sich interessante Parallelen zur Umsetzung von Agroforstsystemen. Auch dort sind die ökologischen Vorteile vielfach bekannt, während die praktische Umsetzung an Flächenverfügbarkeit, unterschiedlichen Förderinstrumenten, rechtlichen Rahmenbedingungen, Zuständigkeiten und den Interessen der Bewirtschaftenden hängt. Das Poster von Rico Hübner (DeFAF) zeigte konkrete Förderungsmöglichkeiten über das Naturwiederherstellungsgesetz, produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen (PIK), das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) und die GAP auf. Besonders deutlich werden die Synergien beim Gewässerschutz. Die Grafik zeigt Gehölze, Saumbereiche und Ufervegetation zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Gewässer. Solche Strukturen können unter anderem Nährstoffeinträge in Gewässer und Grundwasser reduzieren und gleichzeitig Bestandteil einer landwirtschaftlichen Nutzung bleiben. Interessanterweise taucht auch der zu Beginn der Veranstaltung vom Staatssekretär erwähnte Tauchnitzgraben auf auf dem Poster wieder auf. Die dortige Gewässerrenaturierung wird als positives Beispiel einer Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme angeführt. Gleichzeitig verweist das Poster mit Fokus auf Sachsen  –  da es Teil des EELAP Living Labs Lausitz ist – , dass bereits an der Weiterentwicklung produktionsintegrierter Kompensationsmaßnahmen (PIK) mit Agroforst gearbeitet wird.

Fazit: Das 46. Sächsische Gewässerforum zeigte aus unterschiedlichen Perspektiven letztlich ähnliche Herausforderungen: Nicht unbedingt das Wissen darüber, was ökologisch sinnvoll wäre, ist der Engpass, sondern häufig die praktische Umsetzung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Genau hier lohnt es sich, Gewässerentwicklung und Agroforstwirtschaft stärker zusammenzudenken. Gehölzstrukturen entlang von Gewässern können gleichzeitig der Gewässerökologie, dem Nährstoffrückhalt, der Biodiversität, dem Klimaschutz und – bei entsprechender Gestaltung – der landwirtschaftlichen Produktion dienen.