SEBAS-Praxistag in Elsholz: Agroforstsysteme in Brandenburg verstetigen – Erfahrungen aus der Praxis

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Leon Bessert | 30.10.2026

 

Wie können Agroforstsysteme in die Fläche kommen und welche Rolle spielt dabei der Insektenschutz? Darum ging es am 28. Oktober 2026 bei der Veranstaltung „Agroforstsysteme in Brandenburg verstetigen – Erfahrungen aus der Praxis“ in Esholz bei Beelitz (Landkreis Potsdam-Mittelmark). Bei Vorträgen und einer Feldbegehung auf der Agroforstfläche des SEBAS-Betriebs Seehaus kamen Praxis, Wissenschaft und Verwaltung zusammen. Es ging um neue Forschungsergebnisse zur Insektenvielfalt, um die neue Brandenburger Agroforst-Förderrichtlinie und um die Frage, worauf es bei Anlage und Pflege wirklich ankommt.

 

Dr. Daniel Preußer (BTU Cottbus-Senftenberg, Fachgebiet Ökologie) stellte in Elsholz die wissenschaftlichen Ergebnisse des Projekts vor. Nikolai Scharsich vom Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) erläuterte die neue Agroforst-Förderrichtlinie des Landes. Im Mittelpunkt stand aber die Praxis: Der Betrieb Seehaus hat sein Agroforstsystem 2025 angelegt. Im Frühjahr pflanzte der Betrieb in Zusammenarbeit mit der Firma Lignovis GmbH maschinell Pappeln, im Herbst 2025 folgte die motormanuelle Pflanzung verschiedener Werthölzer. Im Spätsommer 2026 wurden entlang der Gehölzstreifen zusätzlich Blühstreifen eingesät. Seit dem Frühjahr 2026 beobachtet außerdem eine Lokalgruppe des Bürgerwissenschaftsprojekts „Agroforst-Monitoring“ die Fläche. Dabei unterstützt sie ein Team der Universitäten Münster und Würzburg. Die interessierten Bürgerinnen und Bürger erfassen, wie sich die Bäume entwickeln und wie sich das Agroforstsystem auf die biologische Vielfalt auswirkt.

 

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Praxis

Pappel-Agroforstsysteme können wirtschaftlich sein, wenn die Anwuchspflege konsequent umgesetzt wird und Verwertungsmöglichkeiten vorhanden sind. Das gilt umso mehr, wenn Betriebe die bestehenden Förderinstrumente nutzen: die Anlageförderung und die Bewirtschaftungsförderung, aktuell über die Öko-Regelung 3.

  • Die ersten zwei Jahre entscheiden. Ausschlaggebend ist die Pflege in dieser Zeit, vor allem die Beikrautregulierung.
  • Auch bei Werthölzern ist die Beikrautregulierung in den ersten Jahren zentral. Zusätzlich kann eine Bewässerung sinnvoll sein.
  • Professionelle Planung zahlt sich aus. Vor allem wenn mehrere Gehölzarten kombiniert werden, sollte eine fachkundige Planung die Anlage begleiten, damit Planungsfehler gar nicht erst entstehen. Auch die Planung wird in Brandenburg geförder

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Wissenschaft

  • Bereits Agroforstsysteme mit nur einer Gehölzart fördern bestimmte Insektengruppen durch die Erhöhung der Strukturvielfalt. Bei SEBAS waren das verschiedene Pappelhybride.
  • Der Saum macht den Unterschied. Ein Saumbereich entlang der Gehölzstreifen (ein selbstbegrünender Blühstreifen) fördert die Zahl und die Vielfalt der Insekten besonders gut.
  • Die Detailauswertung läuft noch. Welche Arten in welcher Form von welchen Agroforstsystemen beeinflusst werden, wird derzeit ausgewertet.

Erkenntnisse aus anderen Forschungsprojekten zum Einfluss von Agroforstsystemen auf Insekten gibt es hier:

 

 

Ausblick: Brandenburg hat jetzt die Chance zur Skalierung

In Deutschland gibt es zunehmend Agroforstsysteme, der Sprung in die Fläche ist aber noch in weiter Ferne (siehe Pressemitteilung des DeFAF e.V. vom 31. August 2026). Mit der neuen Agroforst-Förderrichtlinie hat Brandenburg nun die große Chance, die Etablierung von Agroforstsystemen entscheidend voranzubringen. Dafür müssen die Behörden zielgerichtet zusammenarbeiten. Das gilt besonders für die unteren Naturschutzbehörden: Sie sollten die Verbreitung von Agroforstsystemen aktiv unterstützen, denn diese dienen auch der biologischen Vielfalt. Wie Agroforstsysteme gestaltet sein können, um die Biodiversität gezielt zu fördern, zeigt der Biodiversitäts-Wegweiser aus dem Projekt „Bäume auf den Acker“, das ebenfalls im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert wird. Einen Eindruck, welche Gehölzarten zusätzlich bestäubende Insekten fördern liefert das Themenblatt Nr.5: Förderung von bestäubenden Insekten durch Agroforstgehölze.

 

Weitere Informationen zur Agroforst-Richtlinie gibt es beim Ministerium: Förderung von Agroforstsystemen | MLEUV

 

Das Projekt SEBAS wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Diese Artikel gibt die Auffassung und Meinung des Zuwendungsempfängers des Bundesprogramms Biologische Vielfalt wieder und muss nicht mit der Auffassung des Zuwendungsgebers übereinstimmen.