Feldforschung im Agroforst: Neue Standorte in Cottbus und Peickwitz erweitern das Monitoring-Netzwerk

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Über das Projekt agroforst-monitoring der Uni Münster finden deutschlandweit Langzeituntersuchungen in Agroforstsystemen statt – nun auch auf den Flächen der Branitzer Baumuiversität in Cottbus und dem Landwirtschaftsbetrieb Domin in Peickwitz bei Senftenberg. Sebastian Wiesner, FÖJler beim DeFAF, begleitete die Erhebungen vor Ort, die im Mai und Juni ihren Auftakt hatten. Sowohl Peickwitz als auch Cottbus zählen zu den neu aufgenommenen Standorten des Agroforst-Monitoring-Netzwerks.

Während an vielen Standorten bereits Lokalgruppen aktiv sind, wurde in Peickwitz ein anderer Ansatz gewählt: Vom 19. bis 22. Mai wurden mehrere Schulklassen zu Exkursionen in ein neu angelegtes Agroforstsystem eingeladen. An drei verschiedenen Stationen konnten die Schülerinnen und Schüler selbst wissenschaftlich tätig werden. Zu ihren Aufgaben gehörten die Auswertung von Laufkäferfallen, die Erfassung verschiedener Pflanzenarten sowie die Pflege eines jungen Pappelstreifens durch die Entfernung von Beikräutern.

Die jungen Forschenden konnten zahlreiche Laufkäferarten nachweisen und entdeckten darüber hinaus Erdkröten, die sich in den Fallen befanden. Solche Funde verdeutlichen die Vielfalt der Tierwelt, die bereits auf jungen Agroforstflächen anzutreffen ist.

Auch am Standort Cottbus wurden zwischen dem 4. und 7. Juni umfangreiche Erhebungen durchgeführt. Die Untersuchungsflächen befinden sich am Rand des Branitzer Parks auf dem Gelände der Branitzer Baumuniversität. Im Vergleich zu Peickwitz wurden hier deutlich weniger Laufkäfer, dafür jedoch wesentlich mehr Begleitpflanzen festgestellt. Solche Unterschiede verdeutlichen, wie stark die Biodiversität von den jeweiligen Standortbedingungen und Flächeneigenschaften beeinflusst wird.

Gleichzeitig ist zu beachten, dass beide Standorte in diesem Jahr erstmals untersucht wurden. Belastbare Aussagen über die langfristige Entwicklung der Artenvielfalt lassen sich daher erst nach mehreren Jahren kontinuierlicher Datenerhebung treffen. Ergänzend zu den Standarderhebungen wurden in Cottbus außerdem Kartierungen von Fledermäusen, Wildbienen und Schmetterlingen durchgeführt.

Biodiversität als Grundlage wertvoller Ökosystemleistungen

Viele der erfassten Tierarten übernehmen wichtige Funktionen innerhalb landwirtschaftlicher Ökosysteme. Zahlreiche Laufkäferarten ernähren sich beispielsweise von Schadinsekten und können damit einen natürlichen Beitrag zum Pflanzenschutz leisten. Andere Insekten, insbesondere Wildbienen und weitere Bestäuber, sind für die Bestäubung zahlreicher Kultur- und Wildpflanzen unverzichtbar. Agroforstsysteme können die Anzahl dieser Insekten in der Agrarlandschaft teilweise erheblich steigern.

Auch der DeFAF trägt maßgeblich zur Erforschung dieser Zusammenhänge bei. Im Rahmen des Projekts SEBAS wird untersucht, wie sich Biodiversität erhalten und fördern lässt, um langfristig stabile Ökosystemleistungen zu gewährleisten. Auch mit agroforst-monitoring wird in diesem Rahmen zusammen gearbeitet, z.B. am Standort Beelitz auf dem Landwirtschaftsbetrieb von Thomas Seehaus.

Darüber hinaus zielt das europäische Projekt EELAP durch die Arbeit in sogenannten Reallaboren darauf ab, die Agroforstwirtschaft auf regionaler Ebene zu verbreiten und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Landwirtschaft und Gesellschaft zu stärken. Dazu gehört auch, erfolgreiche Ansätze für die Einbindung von Mitmenschen in die Verbreitung von Agroforstsystemen einzubinden.

Gemeinsam forschen für mehr Wissen über Agroforstsysteme

Agroforst-monitoring, ein seit 2020 laufendes Citizen-Science-Projekt des Instituts für Landschaftsökologie der Universität Münster, verfolgt das Ziel, die ökologischen, klimatischen und landwirtschaftlichen Auswirkungen von Agroforstsystemen wissenschaftlich zu erfassen. Die diesjährige Sommersaison der gemeinsamen Feldtage wird von der Projektkoordination begleitet und findet vom 14. Mai bis zum 21. Juni 2026 an verschiedenen Standorten in Deutschland statt.

Zu Beginn jeder Veranstaltung erhalten die Teilnehmenden eine Einführung in die Methoden und Ziele des Projekts. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Artenkenntnissen sowie auf der standardisierten Durchführung der sogenannten Kernmethoden. Dazu zählen unter anderem die Erfassung von Laufkäfern, Hummeln, Wildbienen, Schmetterlingen und der Begleitflora in unterschiedlichen Entfernungen zu den Agroforststreifen.

Darüber hinaus stehen Anleitungen für weitere Untersuchungsmethoden zur Verfügung, die von den Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftlern zusätzlich durchgeführt werden können. Hierzu gehören beispielsweise die Erfassung von Brutvögeln und Fledermäusen sowie Untersuchungen zur Streuzersetzung.

Langfristiges Ziel des Netzwerks ist der Aufbau eigenständiger Lokalgruppen an allen Standorten. Mit Unterstützung der Projektkoordination sollen diese Gruppen ihre Untersuchungen selbstständig durchführen, Daten erheben und ihre Ergebnisse mit dem gesamten Netzwerk teilen. Auf diese Weise entsteht Schritt für Schritt ein deutschlandweites Forschungsnetzwerk, das wertvolle Erkenntnisse über die Wirkungen von Agroforstsystemen liefert und gleichzeitig den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis fördert.