MODEMA trifft auf großes Interesse an Agroforst beim Deutschen Landschaftspflegetag in Kassel
Dr. Steffi Schillem | 29.06.2026
Dieser Deutsche Landschaftspflegetag vom 23.-25. Juni 2026 „war heiß“
…“heiß an Celsius und heiß an Themen“, so Maria Noichl, Vorstandsvorsitzende des DVL e. V.
Der Deutsche Landschaftspflegetag 2026 fand vom 23. bis 25. Juni 2026 unter dem Motto WERT. VOLL. LANDSCHAFT in Kassel und Schauenburg mit rund 250 Teilnehmenden statt. Im Fokus standen Themen wie Bioökonomie, Beweidung, neue EU-Agrarpolitik (GAP ab 2028) und die Praxis von Agroforstsystemen (AFS).
„Der Landschaftspflegetag machte deutlich, dass Agroforstsysteme ein großes Potenzial für die klimaangepasste Landwirtschaft bieten, insbesondere an solch heißen Tagen – zugleich aber weiterhin praktische, rechtliche und ökonomische Fragen zu klären sind.“ Dr. Steffi Schillem, Zentralkoordinatorin des DeFAF-Projekts MODEMA
Im Fachforum „Agroforst in der Praxis – Wie kann sich das lohnen?“, moderiert von Corinna Friedrich (DVL), wurde das Verbundvorhaben MODEMA als derzeit größtes Agroforstprojekt Deutschlands vorgestellt. Tobias Hoppe (Bioland Praxisforschung GmbH) zeigte anhand verschiedener Praxisbeispiele, wie vielfältig AFS ausgestaltet werden können. Die Wahl geeigneter Baumarten sowie die Ausgestaltung der Systeme hängen dabei maßgeblich von Standortbedingungen wie Wasserverfügbarkeit oder Winderosion sowie von den angestrebten Nutzungen – etwa Energieholz, Wertholz oder Nüsse – ab. Auch die aktuellen Fördermöglichkeiten standen im Fokus.
Dr. Steffi Schillem gab einen Überblick über den Projektstand von MODEMA mit aktuell 36 Betrieben in drei Modellregionen sowie den begleitenden Geschwisterprojekten. Erste Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede bei den Investitionskosten, insbesondere abhängig von Baumarten und Pflanzverfahren. Gleichzeitig wird ein hoher Anteil an Eigenleistungen in den Betrieben deutlich. Die Begleitforschung belegt zudem positive Effekte von AFS, darunter eine Reduktion der Windgeschwindigkeit um mehr als 50 Prozent, verringerte Verdunstung, niedrigere Bodentemperaturen sowie eine Zunahme der Regenwürmer, insbesondere in den Gehölzstreifen.
Einblicke in die betriebliche Praxis gaben die Projektlandwirte Eicke Zschoche (per Video) und Henning Rehren. Spannend war, dass die Motivation der Landwirte meist die Verbesserung bzw. der Erhalt der Produktionsbedingungen an den Klimawandel waren und dann erst die Wertschöpfung. Henning Rehren berichtete über Erfahrungen bei der Anlage von Agroforstsystemen mit Walnuss, Pappel und Ölweide, die vielfach bereits vor der Definition von AFS in der GAPDZV in Eigenleistung und mit Unterstützung aus dem lokalen Umfeld umgesetzt wurden.
Den Abschluss bildete ein ausführlicher Beitrag zu Produktionsintegrierten Kompensationsmaßnahme mit Agroforstsystemen, den Herausforderungen, Chancen und Erfahrungen insbesondere am Beispiel des Tauchnitzgrabens in der Gemeinde Thallwitz durch Frank Wagener (IfaS).
Am zweiten Veranstaltungstag standen Exkursionen zu Praxisstandorten im Mittelpunkt. Auf der Domäne Frankenhausen wurden unter anderem Streuobstränder sowie ein Alley-Cropping-System mit Walnuss, Haselnuss und Johannisbeeren vorgestellt. Ein weiterer Standort zeigte Herausforderungen beim Anbau von Weiden auf feuchten, tonigen Grünlandstandorten, insbesondere hinsichtlich Pflege und Etablierung. In Vellmar wurde zudem die Umsetzung kommunaler Streuobstprojekte im Rahmen der GAK-Förderung vorgestellt, die einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und Biotopvernetzung leisten.
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Die Förderung des MODEMA Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) im Rahmen des Förderprogramms „Nachhaltige Erneuerbare Ressourcen“.


