Leon Bessert | 01. Juni 2026

Im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) und dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt fand am 19. & 20. Mai 2026 das Dialogforum „Insektenschutz in der Praxis“ am Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn statt.

Kern der Veranstaltung war unter anderem der Projektabschluss vom Verbundprojekt „Brommi“ – Biosphärenreservate als Modelllandschaften für den Insektenschutz. Darüber hinaus stellten neun weitere Projekte, die im Rahmen des „Insekten-Calls“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert werden, in kompakten Kurzvorträgen ihre wichtigsten Erkenntnisse vor – darunter auch das Agroforst Naturschutzvorhaben SEBAS. Zentral ist die beobachtete Wirkung von Agroforstsystemen, in denen Gehölzstreifen mit Saumbereichen (selbstbegrünte Blühstreifen) kombiniert werden. Insbesondere diese Systeme fördern Nützlinge wie Ohrwürmer und seltene Laufkäfer- und Kurzflügelkäferarten. Ein weiteres zentrale Erkenntnis ist, dass Zielkonflikte zwischen Naturschutz und Agroforstwirtschaft als landwirtschaftliches Produktionssystem identifiziert wurden und der Dialog über mögliche Lösungsansätze voranschreitet.

Nach den Vorträgen ging es in den Austausch auf Basis von Projektpostern, wobei das Interesse an SEBAS sehr hoch war. Auf einem entsprechenden Poster wurde das Projekt präsentiert, auch ein im Rahmen des Projektes neu entstandenes Agroforstsystem wurde hier vorgestellt.

Am zweiten Tag der Veranstaltung wurden im Worldcafé interaktiv die Erfolgsfaktoren und Hemmnisse im Insektenschutz im Kontext der Umsetzung der NBS 2030 diskutiert. Im Vordergrund standen dabei die Themen Landwirtschaft, Insektenschutz auf urbanen Flächen, Citizen Science/Ehrenamt, Artenkenntnis und Schutzgebiete. Deutliches Licht auf eine der Gründe für den starken Insektenrückgang der letzten Dekaden brachte der Vortrag zur „Pestizidexposition von Insekten in der Agrarlandschaft“ von Carolina Honert von TU Kaiserslautern Landau. Die Erkenntnisse sind alarmierend und zeigen auf, dass für den Insektenschutz in der Agrarlandschaft die Reduzierung des Einsatzes von Pestiziden unabdingbar ist.

Die Veranstaltung zeigte eindrücklich wie Insektenschutz in der Praxis bereits funktioniert und welche Hürden noch überwunden werden müssen. Zentral ist hierbei die Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz in einem vertrauensvollen Rahmen, welcher bürokratische Flexibilität und hinreichende Finanzierung von Maßnahmen gewährleistet.

Der Blogbeitrag des BfN zur Veranstaltung mit weiterführenden Informationen ist hier online verfügbar: Dialogforum: Insektenschutz in der Praxis | BFN

 

Leon Bessert| 15.04.2026

Agroforst macht Waldgärten

DeFAF koordiniert europäisches Kooperations- und Partnerschaftsprojekt, um die Qualität und Innovation in der beruflichen Aus- und Weiterbildung zu fördern

Seit Dezember 2025 koordiniert der DeFAF e.V. das von der EU co-finanzierte Erasmus+ Projekt mit dem inspirierenden Titel:

SAFFT4EU – Food Forester Training: Species-rich agroforestry, food forest and forest garden training for Farmers in the EU.

  • Jetzt ist die Webseite www.safft4.eu online, informiert fortlaufend über die Projektaktivitäten und bietet eine Anmeldung zum Newsletter für Interessenten.
  • Eine erste Pilotierung der Trainings ist für das Frühjahr 2027 geplant, das Projekt läuft bis zum Juni 2028.

Für wen werden die Lehrgänge konzipiert?

Das Projekt richtet sich an Personen mit Erfahrung in den Bereichen Landwirtschaft und Gemüsebau, die artenreiche Waldgartensysteme (Food Forests) verstehen, betreiben und weiterentwickeln möchten. Zum Betrieb dieser Ökosysteme benötigen Praktiker:innen einige Zusatzqualifikationen. Der Lehrgang soll praxisorientierte Online-Module mit Vor-Ort-Workshops in vier europäischen Ländern (DE, BG, PT, AT) kombinieren. Inhalte werden in den jeweiligen Landessprachen vermittelt werden und alle relevanten Themen abdecken: von ökologischen Prinzipien über Pflanzen- und Bodenkenntnis bis hin zu Management und Vermarktung.

Welche Kompetenzen werden vermittelt?

Waldgärten bzw. Food Forests sind intensiv bewirtschafteten Agroforstsysteme. Sie bringen die Vorteile der Agroforstwirtschaft besonders stark zum tragen:

  • Sie stabilisieren Erträge, fördern Biodiversität und Humusaufbau,
  • verbessern die Bodengesundheit,
  • vermindern Bodenerosion und speichern Wasser.

Kurz gesagt – sie verbinden ökonomische Effizienz mit ökologischer Verantwortung.

Von wem werden die Lehrgänge konzipiert?

Gleichzeitig erfordert die Anlage und Bewirtschaftung solcher Agroforstsysteme besonders viel Wissen und intensives Management. Dieses Wissen wird das Projektkonsortium bündeln und als Best Practices zur Verfügung stellen. Die beteiligten Projektpartner sind langjährige Praktiker:innen im Bereich Waldgartensysteme. Sie arbeiten bei SAFFT4EU länderübergreifend zusammen, um einen europäischen Lehrgang zu entwickeln.

  • DeFAF e.V.
  • Nahrungswald e.V.
  • vErde regenerativ e.V.
  • Österreichisches Waldgarten-Institut
  • Wild Forest Farm
  • Balkan Ecology Project

Bei der Erstellung der Trainings wird der in der Realität bestehende Bedarf an Weiterbildung ermittelt und darauf ausgerichtete geeignete Lehrmaterialien erstellt. Am Ende steht ein für alle in ihrer Landessprache verfügbarer Online-Kurs und eine bei den Praxisbetrieben in den vier Ländern vor Ort stattfindenden Präsenzveranstaltung.

Dank der Einbettung in die Erasmus+ Förderung werden begeisterte Waldgärtnerinnen und Waldgärtner europaweit gestärkt.

Teilnehmende erwerben praxisnahes Know-how, das sie direkt in ihren Betrieben anwenden können – für eine regenerative Landwirtschaft, nachhaltige Lebensmittelproduktion und eine zukunftsfähige europäische Landwirtschaft.

Die Projektpartner bringen große Freude und Motivation ein, um die Bildungsaktivitäten in den Bereich der Waldgartensysteme sowie im europäischen Kontext auszuweiten.

 

02.04.2026

Seit 2025 entstehen in Branitz, Cottbus, auf dem Gelände der neuen Baumuniversität der Stiftung Fürst-Pückler-Museum mehrere Agroforstsysteme. Am 28. März 2025 fand nun ein Parkseminar statt, bei dem Interessierte Methoden für das Erforschen von Agroforstsystemen kennenlernten und sich außerdem an einer Pflanzung beteiligen konnten. Zum vereinbarten Treffpunkt am Besucherzentrum des Branitzer Parks in Cottbus startete pünktlich um 9 Uhr die Veranstaltung. Mit dabei waren Teile des fleißigen Parkpersonals die den Park bis heute ein seinem Glanz erhalten und Agroforstinteressierte mit variierenden Vorkenntnissen.

Nach einer Vorstellungsrunde gab Christian Böhm eine kurzen Einführung in die Agroforstwirtschaft und die Planungen der Baumuniversität. Im direkten Anschluss stellte Thomas Middelanis von der Universität Münster das Projekt agroforst-monitoring vor. Ziel des Projektes ist es, unter Beteiligung von interessierten Personen aus der Umgebung über einen Citizen Science Ansatz (Bürgerwissenschaft) Agroforstsysteme über einen langen Zeitraum zu erforschen. Dabei hätten die Beteiligten die Möglichkeit, je nach eigenem Interesse selbst die Artenvielfalt, das Wachstum und die Vitalität der gepflanzten Bäume oder auch andere Aspekte zu erforschen und die eigens gesammelten Ergebnisse durch die Universität Münster professionell auswerten zu lassen. Für die neuen Flächen der Branitzer Baumuniversität soll genau dies angewendet werden, wofür es Aktive und Interessierte braucht, die sich zu einer Lokalgruppe für den Start des Agroforst-Monitorings zusammenfinden.

Mit Abschluss der Präsentation begann der Weg zur Baumuniversität. Glücklicherweise spielte das Wetter mit, sodass die Sonne mit Wärme auf alle Teilnehmer herab strahlte. Nach einer Vorstellung von Beispielmethoden zur Bestimmung von Regenwürmern und zur Kontrolle der Baumentwicklung aus dem Projekt agroforst-monitoring, gab es beim Mittagsimbiss die Möglichkeit, sich über das Gelernte auszutauschen. Nach der Pause ging es ans Pflanzen. Eine Gruppe säte eine Blühwiese mit einer aus Pflanzen des Branitzer Parks zusammengestellten Saatmischung aus, die zweite Gruppe brachte parallel dazu junge Sträucher und Pappeln in den Boden. Nachdem der Verbissschutz um die Pflanzen gelegt wurde, war das Werk vollbracht und wird schon bald für Besucher zu bestaunen sein. Und wer sich für ein aktives Mitmachen interessiert, ist herzlich eingeladen, bei einer agroforst-monitoring Lokalgruppe oder auch bei der bereits seit letztem Jahr bestehenden Waldgartengruppe mit einzubringen.

Falls Sie also Interesse haben, mitzuwirken oder gemeinsam als Gruppe in der Nähe eines Agroforstsystems forschen wollen, dann finden Sie weitere Informationen auf dieser Seite. Dort erhalten Sie umfangreiches Material, können an Einführungsworkshops teilnehmen und werden bei Fragen auch später aus der Ferne begleitet. Alternativ können Sie sich auch über agroforst-monitoring(at)posteo.de direkt an das Projektteam wenden oder an Christian Böhm von der Branitzer Baumuniversität über christian.boehm(at)pueckler-museum.de.