Julia Günzel | 15.09.2026
Die Verfügbarkeit von Wasser in der Landschaft ist ein zunehmend kritischer Faktor für die Landnutzung – der Sommer 2026 hat dies einmal mehr bewiesen. Zum Auftakt der Woche der Klimaanpassung 2026 wurde beim DeFAF-Kolloquium am 14.09.2026 aufgezeigt, wie Agroforstsysteme zu mehr Wasserrückhalt und zur Kühlung der Landschaft beitragen können.
Unter dem Motto „Wasser pflanzen“ drehte sich die Onlineveranstaltung mit rund 100 Teilnehmenden um die Vorteile und Gestaltungsmöglichkeiten von Agroforstsystemen für die Verbesserung des lokalen Wasserkreislaufes. Die beiden Referenten Jorin Herbst (Institut für angewandtes Stoffstrommangament e.V. (IfaS)) und Dr. Philipp Gerhardt (Baumfeldwirtschaft GmbH) berichteten dazu über ihre praktischen Erfahrungen im Bereich der Anlage entsprechender Systeme. Am Beispiel bisheriger Planungen und mit anschaulichen Darstellungen von Modellierungen der Wasserabflüsse auf landwirtschaftlichen Flächen zeigten sie z.B. auf, wie Agroforstsysteme am besten gestaltet werden, um z.B. das Wasser bei Starkniederschlägen in der Fläche zu halten.
Eine der wichtigsten Funktionen der Agroforstgehölze ist dabei die Erhöhung der Infiltration, also der Wassermenge, die z.B. bei Niederschlägen auf der Fläche versickern kann. Untersuchungen, die das IfaS dazu auf bestehenden Agroforstflächen im Rahmen der Projekt AFaktive und AGROfloW durchführt, zeigten, dass diese Menge in den Gehölzstreifen um einiges höher ist als auf der Ackerfläche. Aber auch weitere Vorteile wie mehr Verdunstungskühlung, weniger Oberflächenabfluss und Bodenabtrag und geringere Temperaturen durch mehr Beschattung können zum Wasserrückhalt beitragen. Herbst und auch Dr. Philipp Gerhardt in seinem anschließenden Vortrag bezogen sich dazu vor allem auf eine Studie von Jacobs et al. (2022) zum Mikroklima in Agroforstsystemen.
Im zweiten Beitrag zeigte Dr. Philipp Gerhardt auf, wie durch die Anlage von sogenannten Wässersystemen der Wasserrückhalt mit Agroforstwirtschaft noch gezielter optimiert werden kann. Durch die Anlage von Gräben entlang der Gehölzstreifen lässt sich das Wasser so noch besser verteilen. Für Starkregenereignisse, wie z.B. in 2021 im Ahrtal mit verheerenden Folgen, könnten solche Systeme Wassermengen zurück halten, wenn denn mehr davon in die Fläche kommt.
Und bei diesem Punkt waren sich beide Referenten einig: eine größere Anzahl von Agroforstsystemen, die für den Rückhalt von Wasser in der Landschaft angelegt werden, kann einen wichtigen Beitrag für den Landschaftswasserhaushalt leisten. Wichtig dafür sind einerseits flexiblere genehmigungsrechtliche Rahmenbedingungen, andererseits eine intensivere Zusammenarbeit von Kommunen und Landwirtschaftsbetrieben. Denn hier liegt großes Potential: Am Beispiel der Kooperation der Wurzener Landwerke GmbH und der Agrargenossenschaft Böhlitz eG am Tauchnitzgraben in Sachsen wurde aufgezeigt, wie Kommunen und Landwirtschaftsbetriebe gleichzeitig von einem Agroforstsystem profitieren können. Während der kommunale Wasserhaushalt verbessert und die Landnutzung gleichzeitig klimaresilienter wird, hat die Agrargenossenschaft durch die Kooperation und die Versorgung des Nahwärmenetzes mehr wirtschaftliche Sicherheit.
Das DeFAF-Kolloquium ist ein regelmäßiges Austauschformat von Mitgliedern für Mitglieder, das zum Anlass der Woche der Klimaanpassung 2026 für alle Interessierte geöffnet wurde. Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist in Kürze hier zu finden.






