02.04.2026

Seit 2025 entstehen in Branitz, Cottbus, auf dem Gelände der neuen Baumuniversität der Stiftung Fürst-Pückler-Museum mehrere Agroforstsysteme. Am 28. März 2025 fand nun ein Parkseminar statt, bei dem Interessierte Methoden für das Erforschen von Agroforstsystemen kennenlernten und sich außerdem an einer Pflanzung beteiligen konnten. Zum vereinbarten Treffpunkt am Besucherzentrum des Branitzer Parks in Cottbus startete pünktlich um 9 Uhr die Veranstaltung. Mit dabei waren Teile des fleißigen Parkpersonals die den Park bis heute ein seinem Glanz erhalten und Agroforstinteressierte mit variierenden Vorkenntnissen.

Nach einer Vorstellungsrunde gab Christian Böhm eine kurzen Einführung in die Agroforstwirtschaft und die Planungen der Baumuniversität. Im direkten Anschluss stellte Thomas Middelanis von der Universität Münster das Projekt agroforst-monitoring vor. Ziel des Projektes ist es, unter Beteiligung von interessierten Personen aus der Umgebung über einen Citizen Science Ansatz (Bürgerwissenschaft) Agroforstsysteme über einen langen Zeitraum zu erforschen. Dabei hätten die Beteiligten die Möglichkeit, je nach eigenem Interesse selbst die Artenvielfalt, das Wachstum und die Vitalität der gepflanzten Bäume oder auch andere Aspekte zu erforschen und die eigens gesammelten Ergebnisse durch die Universität Münster professionell auswerten zu lassen. Für die neuen Flächen der Branitzer Baumuniversität soll genau dies angewendet werden, wofür es Aktive und Interessierte braucht, die sich zu einer Lokalgruppe für den Start des Agroforst-Monitorings zusammenfinden.

Mit Abschluss der Präsentation begann der Weg zur Baumuniversität. Glücklicherweise spielte das Wetter mit, sodass die Sonne mit Wärme auf alle Teilnehmer herab strahlte. Nach einer Vorstellung von Beispielmethoden zur Bestimmung von Regenwürmern und zur Kontrolle der Baumentwicklung aus dem Projekt agroforst-monitoring, gab es beim Mittagsimbiss die Möglichkeit, sich über das Gelernte auszutauschen. Nach der Pause ging es ans Pflanzen. Eine Gruppe säte eine Blühwiese mit einer aus Pflanzen des Branitzer Parks zusammengestellten Saatmischung aus, die zweite Gruppe brachte parallel dazu junge Sträucher und Pappeln in den Boden. Nachdem der Verbissschutz um die Pflanzen gelegt wurde, war das Werk vollbracht und wird schon bald für Besucher zu bestaunen sein. Und wer sich für ein aktives Mitmachen interessiert, ist herzlich eingeladen, bei einer agroforst-monitoring Lokalgruppe oder auch bei der bereits seit letztem Jahr bestehenden Waldgartengruppe mit einzubringen.

Falls Sie also Interesse haben, mitzuwirken oder gemeinsam als Gruppe in der Nähe eines Agroforstsystems forschen wollen, dann finden Sie weitere Informationen auf dieser Seite. Dort erhalten Sie umfangreiches Material, können an Einführungsworkshops teilnehmen und werden bei Fragen auch später aus der Ferne begleitet. Alternativ können Sie sich auch über agroforst-monitoring(at)posteo.de direkt an das Projektteam wenden oder an Christian Böhm von der Branitzer Baumuniversität über christian.boehm(at)pueckler-museum.de.

 

 

Annett Gernhardt| 09.03.2026

Neues Info-Bundle für Interessenten am Einstieg in die Agroforst-Landwirtschaft

Infoblatt als Ergänzung zu den Video-Betriebsportraits jetzt verfügbar

Dr. Steffi Schillem (DeFAF e. V.) und Tobias Hoppe (Bioland Praxisforschung GmbH) adressieren mit dem jetzt neu veröffentlichten Infoblatt vor allem Landwirtinnen und Landwirte, die sich mit der Frage beschäftigen, ob und wie Agroforst zu ihrem Betrieb passt. Beide Autoren sind im Projekt MODEMA tätig. Das vom DeFAF e. V. getragene Projekt MODEMA verfolgt das Ziel, Agroforstsysteme als zukunftsfähige Landnutzungsform in Deutschland zu etablieren und praxisnahes Wissen für Betriebe bereitzustellen. Mit dem neuen Info-Bundle wurden grundlegende Informationen, wirtschaftliche Eckdaten und rechtliche Hinweise in einem leicht zugänglichen Format aufbereitet.

Das Info-Bundle ist so konzipiert, dass interessierte Landwirtinnen und Landwirte sich in kurzer Zeit einen strukturierten Überblick verschaffen können, ohne dass die Inhalte zu stark vereinfacht werden. Im Infoblatt sind beispielhafte Zahlen zu Investitionsaufwendungen und Pflegekosten, Wertschöpfungspotenzialen und betriebswirtschaftlichen Effekten enthalten, die eine erste wirtschaftliche Einordnung ermöglichen. Ergänzend werden relevante rechtliche Normen und zentrale Vorschriften benannt, sodass Betriebe frühzeitig ein Gefühl für rechtliche Anforderungen und Gestaltungsspielräume bekommen. Die drei Filme vertiefen diese Aspekte visuell und praxisnah: Anhand realer Betriebe und konkreter Flächengestaltungen wird gezeigt, wie Agroforstsysteme geplant und umgesetzt werden können, welche Anpassungen im Betriebsablauf notwendig sind und welche Chancen sich für Klimaresilienz, Biodiversität und betriebliche Stabilität bieten.

Die Informationen eignen sich sowohl für konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Betriebe und knüpfen unter anderem an die Erfahrungen des MODEMA-Projekts aus den umfangreichen Pflanzungen der Periode 2024/2025 an. (vgl. Pressemitteilung vom 7.10.2025).

Der DeFAF dankt für die ehrenamtliche, gemeinnützige Mitarbeit des Fachbereichs Beratung und Planung sowie von Dr. Christian Böhm.

Julia Günzel | 27.02.2026

Regionale Wertschöpfungsketten gelten als nachhaltiger und robuster. Für noch mehr Nachhaltigkeit und Resilienz vor allem auf der Anbauseite sind Agroforstsysteme ein wichtiger Baustein. Auf dem Netzwerktreffen des Landesverbandes Regionalbewegung NRW e.V. am 26. Februar 2026 in Dortmund wurde die Rolle der Agroforstwirtschaft als eines von mehreren Schwerpunktthemen in einem Workshop diskutiert.

Wirtschaften in planetaren Grenzen – mit Agroforstsystemen lässt sich auf einer Fläche ökologischer und mehr produzieren. Teilweise entstehen dabei zusätzliche Produkte, für die es angepasste Ernte- und Verarbeitungsverfahren sowie neue Absatzwege braucht. Regionale Kooperationen z.B. mit dem Lebensmittelhandwerk sind daher essentiell, um Agroforstprodukte, die u.a. mehr Klimaschutz und -anpassung bedeuten, wirtschaftlich tragfähig und präsenter zu machen. Auf dem Netzwerktreffen in Dortmund mit rund 60 Teilnehmenden war genau das ein wichtiges Leitthema: Wie lassen sich Partnerschaften zwischen Kommunen, Landwirtschaftsbetrieben, regionalem Lebensmittelhandwerk und anderen Akteuren aus der Land- und Ernährungswirtschaft so gestalten, dass sie beständig sind, Vertrauen schaffen und langfristig erfolgreiche Ansätze aufbauen bzw. erhalten können?

Agroforst als wichtiger Baustein für nachhaltige regionale Versorgung

Im Projekt EELAP beschäftigt sich der DeFAF ebenfalls verstärkt mit diesen Fragen und dem Beitrag der Agroforstwirtschaft. Eingebracht wurde das Thema in Form von einem kurzen Pitch durch Julia Günzel.  Danach ging es in einen von drei Workshops, in dem die Rolle der Kommunen im Detail diskutiert wurde. Der Agroforstwirtschaft wurde hier Potential für mehr Klimaresilienz entlang von Wertschöpfungsketten zugesprochen. Gleichzeitig wurde angemerkt, dass es derzeit noch Bedarf an mehr Wissen aber auch Unterstützung seitens Kommunen für Praxispartner braucht. Die Diskussionsteilnehmenden wiesen ebenfalls auf den Bedarf nach einer stärkeren Honorierung von Gemeinwohlleistungen bzw. dem „public value“ nachhaltiger Anbauverfahren hin. Die Agroforstwirtschaft mit ihren Vorteilen für Boden, Klima, Artenvielfalt oder auch Landschaftsästhetik kann hier sehr stark punkten. Damit regionale Wertschöpfungsnetzwerke aber gestärkt werden, brauche dieses Thema in Kommunen aber eine bessere Einbindung und Verstetigung.

Insgesamt bot das Netzwerktreffen neue Anregungen und Anknüpfungspunkte, um das Wertschöpfungspotential von Agroforstsystemen in Nordrhein-Westfalen besser auszuschöpfen. Ein Ansatz, der in den nächsten weiterverfolgt wird, ist die Weiterentwicklung der Initiative Besser mit Bäumen, die im Projekt AgroWert-Regio entstanden ist. Weitere Aktivitäten dazu werden auf der EELAP-Seite veröffentlicht.

 

Julia Günzel | 19.02.2026

Wenn es darum geht, die Agroforstwirtschaft in die Praxis zu bringen, denkt man zuerst an Landwirtschaftsbetriebe. Agroforstsysteme bieten aber eine Vielzahl von Vorteilen und Anknüpfungspunkte, für die es auch die Zusammenarbeit oder gar Unterstützung anderer Personen- und Gesellschaftsgruppen braucht: von verarbeitenden Betrieben über regionale Entwicklungsakteure und Entscheidungsträger bis hin zur Gesellschaft im Ganzen als Konsumierende. Die Agroforstwirtschaft und ihre Chancen für Mensch und Natur auf der regionalen Ebene stärker zu berücksichtigen ist also sehr wichtig, um sie für eine zukunftsfähige Landnutzung weiter zu verbreiten. In welchen Themenbereichen und Sektoren regionaler Entwicklungsprozesse Berührungsspunkte für die Agroforstwirtschaft zu finden sind, wird derzeit im Projekt EELAP erarbeitet. Hier spielen z.B. Konzepte und Strategien für Klimaschutz und -anpassung, Biodiversitätssteigerung, Bioökonomie oder auch Nachhaltigkeit im Allgemeinen eine Rolle.

In einer Online-Veranstaltung am 21.04.2026, die der DeFAF e.V. in Kooperation mit der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) organisiert, soll gemeinsam mit Praxisbetrieben, regionalen Entwicklungsakteuren und anderen Interessierten diskutiert werden, welchen Beitrag die Agroforstwirtschaft für die Regionalentwicklung bietet. Dabei geht es um allgemeine Anknüpfungspunkte und Handlungsspielräume von Kommunen, aber auch um ganz praktische Beispiele, wie die Agroforstwirtschaft durch regionale Kooperationen in die Praxis gebracht werden kann. Neben Julia Günzel vom DeFAF sowie Camilla Bentkamp und Stefan Kämper von der DVS werden Sven Volkers (Landkreis Wolfenbüttel), Stefanie Kleine (Wurzener Landwerke GmbH) und Jan Große-Kleimann (Familienhof Große-Kleimann) als Referent:innen spannende Einblicke in die Praxis liefern. Alle Infos zur Veranstaltungen und die Möglichkeit zur Anmeldung sind auf der Veranstaltungsseite der DVS zu finden.