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SEBAS-Praxistag in Elsholz: Agroforstsysteme in Brandenburg verstetigen – Erfahrungen aus der Praxis

Allgemein, News, Veranstaltungen

Leon Bessert | 30.10.2026

 

Wie können Agroforstsysteme in die Fläche kommen und welche Rolle spielt dabei der Insektenschutz? Darum ging es am 28. Oktober 2026 bei der Veranstaltung „Agroforstsysteme in Brandenburg verstetigen – Erfahrungen aus der Praxis“ in Esholz bei Beelitz (Landkreis Potsdam-Mittelmark). Bei Vorträgen und einer Feldbegehung auf der Agroforstfläche des SEBAS-Betriebs Seehaus kamen Praxis, Wissenschaft und Verwaltung zusammen. Es ging um neue Forschungsergebnisse zur Insektenvielfalt, um die neue Brandenburger Agroforst-Förderrichtlinie und um die Frage, worauf es bei Anlage und Pflege wirklich ankommt.

 

Dr. Daniel Preußer (BTU Cottbus-Senftenberg, Fachgebiet Ökologie) stellte in Elsholz die wissenschaftlichen Ergebnisse des Projekts vor. Nikolai Scharsich vom Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) erläuterte die neue Agroforst-Förderrichtlinie des Landes. Im Mittelpunkt stand aber die Praxis: Der Betrieb Seehaus hat sein Agroforstsystem 2025 angelegt. Im Frühjahr pflanzte der Betrieb in Zusammenarbeit mit der Firma Lignovis GmbH maschinell Pappeln, im Herbst 2025 folgte die motormanuelle Pflanzung verschiedener Werthölzer. Im Spätsommer 2026 wurden entlang der Gehölzstreifen zusätzlich Blühstreifen eingesät. Seit dem Frühjahr 2026 beobachtet außerdem eine Lokalgruppe des Bürgerwissenschaftsprojekts „Agroforst-Monitoring“ die Fläche. Dabei unterstützt sie ein Team der Universitäten Münster und Würzburg. Die interessierten Bürgerinnen und Bürger erfassen, wie sich die Bäume entwickeln und wie sich das Agroforstsystem auf die biologische Vielfalt auswirkt.

 

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Praxis

Pappel-Agroforstsysteme können wirtschaftlich sein, wenn die Anwuchspflege konsequent umgesetzt wird und Verwertungsmöglichkeiten vorhanden sind. Das gilt umso mehr, wenn Betriebe die bestehenden Förderinstrumente nutzen: die Anlageförderung und die Bewirtschaftungsförderung, aktuell über die Öko-Regelung 3.

  • Die ersten zwei Jahre entscheiden. Ausschlaggebend ist die Pflege in dieser Zeit, vor allem die Beikrautregulierung.
  • Auch bei Werthölzern ist die Beikrautregulierung in den ersten Jahren zentral. Zusätzlich kann eine Bewässerung sinnvoll sein.
  • Professionelle Planung zahlt sich aus. Vor allem wenn mehrere Gehölzarten kombiniert werden, sollte eine fachkundige Planung die Anlage begleiten, damit Planungsfehler gar nicht erst entstehen. Auch die Planung wird in Brandenburg geförder

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Wissenschaft

  • Bereits Agroforstsysteme mit nur einer Gehölzart fördern bestimmte Insektengruppen durch die Erhöhung der Strukturvielfalt. Bei SEBAS waren das verschiedene Pappelhybride.
  • Der Saum macht den Unterschied. Ein Saumbereich entlang der Gehölzstreifen (ein selbstbegrünender Blühstreifen) fördert die Zahl und die Vielfalt der Insekten besonders gut.
  • Die Detailauswertung läuft noch. Welche Arten in welcher Form von welchen Agroforstsystemen beeinflusst werden, wird derzeit ausgewertet.

Erkenntnisse aus anderen Forschungsprojekten zum Einfluss von Agroforstsystemen auf Insekten gibt es hier:

 

  • Klartext Forschung #8: Natürliche Regulierung von Beikräutern und Schädlingen im Agroforst | DeFAF e.V.
  • Klartext Forschung #9: Laufkäfer als Nützlinge im Agroforst | DeFAF e.V.

 

Ausblick: Brandenburg hat jetzt die Chance zur Skalierung

In Deutschland gibt es zunehmend Agroforstsysteme, der Sprung in die Fläche ist aber noch in weiter Ferne (siehe Pressemitteilung des DeFAF e.V. vom 31. August 2026). Mit der neuen Agroforst-Förderrichtlinie hat Brandenburg nun die große Chance, die Etablierung von Agroforstsystemen entscheidend voranzubringen. Dafür müssen die Behörden zielgerichtet zusammenarbeiten. Das gilt besonders für die unteren Naturschutzbehörden: Sie sollten die Verbreitung von Agroforstsystemen aktiv unterstützen, denn diese dienen auch der biologischen Vielfalt. Wie Agroforstsysteme gestaltet sein können, um die Biodiversität gezielt zu fördern, zeigt der Biodiversitäts-Wegweiser aus dem Projekt „Bäume auf den Acker“, das ebenfalls im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert wird. Einen Eindruck, welche Gehölzarten zusätzlich bestäubende Insekten fördern liefert das Themenblatt Nr.5: Förderung von bestäubenden Insekten durch Agroforstgehölze.

 

Weitere Informationen zur Agroforst-Richtlinie gibt es beim Ministerium: Förderung von Agroforstsystemen | MLEUV

 

Das Projekt SEBAS wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Diese Artikel gibt die Auffassung und Meinung des Zuwendungsempfängers des Bundesprogramms Biologische Vielfalt wieder und muss nicht mit der Auffassung des Zuwendungsgebers übereinstimmen.
https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2026/10/photo_2026-10-30_10-43-00.jpg 960 1280 Leon Bessert https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2024/01/Logo_neu.png Leon Bessert2026-10-30 12:33:112026-10-30 12:35:12SEBAS-Praxistag in Elsholz: Agroforstsysteme in Brandenburg verstetigen – Erfahrungen aus der Praxis

Agroforst als Multifunktionstool: Workshop zu Potentialen und Handlungsspielräumen von Kommunen

EELAP-Projekt, News, Veranstaltungen

28.10.2026

Viele Landkreise und andere Gebietskörperschaften stehen vor der Aufgabe, Maßnahmen für Klimaschutz, Klimaanpassung oder auch die nachhaltige Ressourcennutzung in der Region zu ergreifen. Die Agroforstwirtschaft kann hierfür einen wichtigen Beitrag leisten. Wie das in der Praxis aussehen kann, diskutierten mehr als 20 Teilnehmende bei einem Workshop am 27.10.2026 in der Katholischen Landvolkshochschule (LVHS) Freckenhorst in Warendorf, Nordrhein-Westfalen.

Die Veranstaltung, die vom DeFAF im Rahmen des Projektes EELAP und in Kooperation mit dem Landesverband Regionalbewegung NRW sowie der LVHS Freckenhorst durchgeführt wurde, thematisierte die Potentiale von Agroforstsystemen für die Erreichung kommunaler Ziele im Bereich Landnutzung und Klimaresilienz. Diese Ziele und entsprechende Handlungsfelder, Maßnahmen und Pilotprojekte sind in der Regel in verschiedensten Planungsinstrumenten wie z.B. Klimaschutzkonzepten, Klimaanpassungsstrategien, in der Regionalplanung oder auch in Biodiversitätsstrategien festgehalten.

Die Agroforstwirtschaft spielt in diesen Planungsinstrumenten bisher eine eher geringe Rolle, wie eine Recherche zeigte, die im Projekt EELAP am Beispiel von den Regierungsbezirken Detmold und Münster durchgeführt wurde. Julia Günzel vom DeFAF präsentierte in ihrem Einführungsvortrag einige der Ergebnisse. Sie betonte dabei, dass es aber durchaus schon jetzt eine Reihe von Anknüpfungspunkten für die Nutzung der Agroforstwirtschaft als Werkzeug gäbe, z.B. über die Themen Erosions- und Hochwasserschutz, Erhalt und Förderung der Natur- und Kulturlandschaft oder Kohlenstoffbindung. Diese Themenbereiche seien in vielen der analysierten Planungsinstrumente von hoher Priorität und begründen Maßnahmen wie klimaangepasste Landwirtschaft, Erhöhung des Gehölzanteils in der Landschaft eine verstärkte Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen.

Agroforstwirtschaft für Erosionsschutz, mehr Biodiversität in Nutzungssystemen und regionale Bioökonomie

Bevor es in den interaktiven Teil des Workshops ging, gab es mehrere fachliche Impulse. Simon Geffroy vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Klima (LANUK) in NRW präsentierte Daten und Fakten aus dem Klimaatlas NRW und zeigt auf, für welche der Klimafolgen Agroforstwirtschaft wirksam sein kann. Julia Binder von der Uni Münster stellte anschaulich dar, wie mit Agroforstsystemen ein Mehr an Biodiversität auf Agrarflächen geschaffen werden kann. Vor allem im Rahmen des Projektes agroforst-monitoring wird dazu umfangreich und unter Beteiligung interessierter Bürger:innen geforscht. Wie mithilfe von zusätzlichen Maßnahmen innerhalb von Gehölzstreifen eine noch größere Wirkung für mehr Biodiversität geschaffen werden kann, zeigt der Biodiv-Wegweiser, entstanden im Projekt Bäume auf den Acker. Im Anschluss ging Prof. Dr. Ulrich Schurr von Forshungszentrum Jülich und Mitglied des Bioökonomierates NRW auf den möglichen Beitrag von Agroforstsystemen für mehr Wertschöpfung und Kreislaufwirtschaft in der Region ein. Dafür zeigte er vor allem die Anknüpfungspunkte für Agroforstwirtschaft in der aktuellen Fassung der Bioökonomiestrategie für NRW auf. Zwar ist die Agroforstwirtschaft zu gewissem Grad bereits berücksichtigt, weitere Anknüpfungspunkte sieht er aber auch im Bereich Forstwirtschaft, Ernährungs- und Holzwirtschaft sowie bei der Bereitstellung von Ökosystem-Funktionen.

Regionale Zusammenarbeit für strategischen Einsatz von Agroforst

Als weitere Impulse aus der Praxis für den Workshopteil berichteten Wiebke Brinkmann-Roitsch (Agroforst-Landwirtin und Landesverband Regionalbewegung NRW, Kreis Lippe), Carsten Rech (Kreis Steinfurt), Henrike Schedler (Hof Grünsnück, Kreis Rhein-Sieg) sowie Johannes Büsch (Biohof Büsch, Kreis Kleve) von ihren Aktivitäten und Bestrebungen, um Agroforstwirtschaft in ihrem Umfeld voranzubringen. Im Anschluss ging es an die Thementische, an denen vor allem zu bestehenden Anknüpfungspunkten für Agroforst, der möglichen Rolle von Kommunen und zum Beitrag von Agroforstsystemen für Biodiversität und Kulturlandschaft. Als zentrale Ergebnisse wurden vor allem der aktuelle Mangel an Personal und finanziellen Ressourcen seitens der Kommunen betont, aber auch ihre mögliche Rolle als Multiplikatorinnen und Antreiberinnen bzw. Begleiterinnen, um die Integration von Agroforstwirtschaft in aktuellen und zukünftigen strategischen Planungsprozessen zu unterstützen. Auch kamen einige neue Ideen auf, wo Agroforstwirtschaft mehr berücksichtigt werden könnte, und wen man dafür noch ins Boot holen sollte um vor allem gemeinsam an sinnvollen Umsetzungsmöglichkeiten und eventuellen Zielkonflikten zu arbeiten. Der Workshop stellte damit einen guten Auftakt für weiteren gezielten Austausch mit regionalen Akteur:innen und insbesondere kommunalen Vertreter:innen für mehr Agroforstwirtschaft in NRW dar. Aktuelle Infos gibt es über die Projektseite von EELAP oder auch über das Agroforst-Netzwerk NRW.

https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2026/10/DSC04108-kl-scaled.jpg 1438 2560 Julia Günzel https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2024/01/Logo_neu.png Julia Günzel2026-10-29 09:19:192026-11-02 09:31:06Agroforst als Multifunktionstool: Workshop zu Potentialen und Handlungsspielräumen von Kommunen

Kombination von Gemüse- und Obstbau, Hühnerhaltung und Agroforst • Feldtag auf dem Permakulturhof • Sachsen-Anhalt

Allgemein, News, Projekte
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https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2026/10/261008_Feldtag_Biophilja_cDenisTeubner-6.jpg 769 1368 Annett Gernhardt https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2024/01/Logo_neu.png Annett Gernhardt2026-10-16 12:41:192026-10-16 12:41:19Kombination von Gemüse- und Obstbau, Hühnerhaltung und Agroforst • Feldtag auf dem Permakulturhof • Sachsen-Anhalt

Agroforst Summer School – vier lehrreiche Tage mit dem Jungen DeFAF

Allgemein, Fachbereiche, News, Veranstaltungen

(c) Christoph Kayser

Lisa Hillenbrand | 23.09.2026

Anpack-Einsatz mit der Agroforst Summer School

Mitte September 2026 fand die erste Agroforst Summer School statt.

Unter dem Motto: „Vier Tage Agroforst: praktisch und praxisnah“ kamen 16 junge Menschen auf dem Betrieb Warnke Agrar GmbH in Cobbel (Sachsen-Anhalt) zusammen, um sich gemeinsam weiterzubilden. Die langen Anreisen aus Wien und Freiburg zeigen, dass mit dieser Veranstaltung ein wichtiges neues Angebot geschaffen wurde.

Inhaltliche Schwerpunkte waren die Planung von Agroforstsystemen sowie die Frage: „Wie kommt die Planung auf die Fläche?“ – vorgestellt von Agroforstplaner Jan-Fritz Nierste.  Außerdem vermittelte die Baumwartin Chiara Pohl die Grundlagen des Baumschnitts, die im Anschluss in die Praxis umgesetzt wurden.

Von zentraler Bedeutung war die Vorstellung des Betriebs durch Dr. Uta Mitsch. Da die Warnke Agrar GmbH über 2.000 Hektar bewirtschaftet und im Laufe der Jahre viele Agroforstsysteme und Hecken gepflanzt hat, dauerte die anschließende Betriebsrundfahrt über zwei Stunden. Der Betrieb ist Teil des Demonstrationsnetzwerks „Bäume auf den Acker“.

Ein weiterer Baustein des Programms waren die gemeinsamen Arbeitseinsätze: Damit junge Bäume gut anwachsen, benötigen sie in den ersten Jahren regelmäßige Pflege – daher kamen die vielen helfenden Hände gerade recht, um ein einjähriges Agroforstsystem auf einer Rinderweide zu unterstützen.

Das Feedback der Teilnehmenden fiel sehr positiv aus. Besonders erfreulich waren die zahlreichen Anfragen, sich zu beteiligen oder eine Abschlussarbeit zum Thema Agroforst zu schreiben. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, das Angebot im nächsten Jahr zu wiederholen.

Die Agroforst Summer School wurde in Kooperation zwischen dem Jungen Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF e.V.) und dem Projekt „Bäume auf den Acker“ veranstaltet – welches durch die VRD Stiftung für Erneuerbare Energien und im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert wird.

Landwirtin und Agroforst-Botschafterin Dr. Uta Mitsch (Warnke Agrar GmbH, 2.v.r.)

 

https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2026/10/Agroforst-Summer-School-2026-Gruppenbild_cChristoph-Kayser.jpg 1367 2048 Annett Gernhardt https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2024/01/Logo_neu.png Annett Gernhardt2026-10-14 12:39:282026-10-19 14:56:44Agroforst Summer School – vier lehrreiche Tage mit dem Jungen DeFAF

46. Gewässerforum: Gewässerentwicklung und Agroforstwirtschaft zusammendenken

EELAP-Projekt, News, Veranstaltungen

30.09.2026

Wie können Gewässer im ländlichen Raum naturnäher entwickelt werden, wenn die dafür benötigten Flächen landwirtschaftlich genutzt werden? Diese Frage zog sich als roter Faden durch das 46. Gewässerforum „Zukunft gestalten: Gewässerentwicklung im ländlichen Raum“ in Dresden. Im Mittelpunkt standen ausdrücklich praktikable Lösungen, die gemeinsam mit Landwirtschaft, Kommunen, Behörden und weiteren Akteuren entwickelt werden können. Etwa 160 Teilnehmer:innen fanden sich hierzu in der SAB ein.

Im Laufe der Veranstaltung boten sich widerholt Anknüpfungspunkte zur Agroforstwirtschaft und zur Integration von Gehölzen in die Agrarlandschaft. Bereits Staatssekretär Ulrich Menke griff in seiner Eröffnungsrede die Agroforstwirtschaft auf. Besonders verwies er auf die Agroforstanlage am Tauchnitzgraben bei Böhlitz.

Insbesondere aus gewässerökologischer Sicht wurde die Bedeutung von Gehölzen deutlich. PD Dr. Mario Brauns vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) plädierte für eine stärkere Beschattung der Gewässer durch Gehölze. Diese kann angesichts steigender Wassertemperaturen, sommerlicher Sauerstoffprobleme und zunehmender Austrocknung einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Gewässerökosysteme leisten.

Eine weitere Perspektive kam aus der kommunalen Praxis. Christiane Frohberg vom Amt für Stadtgrün und Gewässer Leipzig berichtete am Beispiel des Projekts „Lebendige Luppe“ über Fließgewässerentwicklung und Auendynamisierung in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Besonders aufschlussreich war dabei eine Folie zu den Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung von Gewässerentwicklungsmaßnahmen – eine Darstellung, die später von Christina Kretzschmar, Geschäftsführerin des DVL Sachsen, ausdrücklich als besonders wichtige Folie hervorgehoben wurde.

Nach der Mittagspause gab es eine geführte Posterrunde. Ein Highlight war sicherlich die Podiumsdiskussion, hervorragend moderiert von Linda Leibhold vom Deutschen Verband für Landschaftspflege e.V.

Aus den aktuellen Beiträgen im Sächsischen Gewässerforum ergeben sich interessante Parallelen zur Umsetzung von Agroforstsystemen. Auch dort sind die ökologischen Vorteile vielfach bekannt, während die praktische Umsetzung an Flächenverfügbarkeit, unterschiedlichen Förderinstrumenten, rechtlichen Rahmenbedingungen, Zuständigkeiten und den Interessen der Bewirtschaftenden hängt. Das Poster von Rico Hübner (DeFAF) zeigte konkrete Förderungsmöglichkeiten über das Naturwiederherstellungsgesetz, produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen (PIK), das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) und die GAP auf. Besonders deutlich werden die Synergien beim Gewässerschutz. Die Grafik zeigt Gehölze, Saumbereiche und Ufervegetation zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Gewässer. Solche Strukturen können unter anderem Nährstoffeinträge in Gewässer und Grundwasser reduzieren und gleichzeitig Bestandteil einer landwirtschaftlichen Nutzung bleiben. Interessanterweise taucht auch der zu Beginn der Veranstaltung vom Staatssekretär erwähnte Tauchnitzgraben auf auf dem Poster wieder auf. Die dortige Gewässerrenaturierung wird als positives Beispiel einer Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme angeführt. Gleichzeitig verweist das Poster mit Fokus auf Sachsen  –  da es Teil des EELAP Living Labs Lausitz ist – , dass bereits an der Weiterentwicklung produktionsintegrierter Kompensationsmaßnahmen (PIK) mit Agroforst gearbeitet wird.

Fazit: Das 46. Sächsische Gewässerforum zeigte aus unterschiedlichen Perspektiven letztlich ähnliche Herausforderungen: Nicht unbedingt das Wissen darüber, was ökologisch sinnvoll wäre, ist der Engpass, sondern häufig die praktische Umsetzung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Genau hier lohnt es sich, Gewässerentwicklung und Agroforstwirtschaft stärker zusammenzudenken. Gehölzstrukturen entlang von Gewässern können gleichzeitig der Gewässerökologie, dem Nährstoffrückhalt, der Biodiversität, dem Klimaschutz und – bei entsprechender Gestaltung – der landwirtschaftlichen Produktion dienen.

https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2026/10/IMG_5559-scaled.jpg 1920 2560 Rico Hübner https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2024/01/Logo_neu.png Rico Hübner2026-09-30 17:17:082026-10-06 08:59:0246. Gewässerforum: Gewässerentwicklung und Agroforstwirtschaft zusammendenken

Die Agroforst-Power von MODEMA plus 4 • neues Themenblatt „Investitionen“ zum Download

Allgemein, DeFAF-Infomaterialien, News, Veranstaltungen
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https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2026/10/260929_Ergebniskonferenz_Hannover_cAnnettGernhardt-scaled.jpg 1707 2560 Annett Gernhardt https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2024/01/Logo_neu.png Annett Gernhardt2026-09-30 10:35:582026-10-01 10:37:02Die Agroforst-Power von MODEMA plus 4 • neues Themenblatt „Investitionen“ zum Download

SAFFT4EU-Food Forester Training Auftaktveranstaltung

Allgemein, News, Projekte, Veranstaltungen
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https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2026/09/20260915_SAFFT4EU_Kick_off_C_Leonie_Schmidtlein_vErde_regenerativ_eV_16-scaled.jpg 1707 2560 Leon Bessert https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2024/01/Logo_neu.png Leon Bessert2026-09-24 09:24:022026-10-27 15:21:51SAFFT4EU-Food Forester Training Auftaktveranstaltung

Agroforstwirtschaft gemeinsam denken: Jahrestreffen des Agroforst-Netzwerks NRW bringt frische Ideen

Allgemein, EELAP-Projekt, News

17.09.2026

Seit mittlerweile drei Jahren setzt sich das Agroforst-Netzwerk NRW, das derzeit federführend durch Eva Horrion von der AbL NRW und Leonie Büttner vom DeFAF im Ehrenamt koordiniert wird, dafür ein, dass mehr Gehölze auf landwirtschaftlichen Flächen gepflanzt werden. Beim diesjährigen Jahrestreffen kamen rund 25 Personen zusammen, um das bisher Erreichte zu reflektieren und Prioritäten für das kommende Jahr abzustecken. Auf dem Programm des Treffens, das am 16. und 17. September 2026 im Gebäude der Versuchsstation für Landwirtschaftsökologie der Hochschule Soest in Ense stattfand, standen mehrere inhaltliche Beiträge von Netzwerkmitgliedern sowie mehrere interaktive Austauschrunden.

Der erste Tag drehte sich vor allem um Erfolge, Misserfolge, neue Entwicklungen und Prioritäten, um auf aktuelle bzw. bestehende Herausforderungen zu reagieren. Hervorgehoben wurde hier vor allem, dass noch immer große Wissenslücken zu Vorteilen und Umsetzungsmöglichkeiten der Agroforstwirtschaft seitens verschiedenster Akteursgruppen existieren. Anna-Lea Ortmann von der Hochschule Rhein-Waal berichtete dazu von einem sehr erfolgreichen Beispiel, um den direkten Praxisaustausch zwischen Landwirt:innen zu ermöglichen. Im Agroforst-Reallabor in Kleve gibt es seit einiger Zeit den regelmäßig stattfindenden Agroforst-Praxisstammtisch, wodurch ein sehr enges und beständiges Netzwerk entstanden ist.

Der Schwerpunkt des zweiten Tages war das Thema Kommunen und Agroforst. Zur Einführung präsentierte Julia Günzel vom DeFAF Ergebnisse aus einer Analyse zur bisherigen Integration von Agroforstwirtschaft in regionalen Strategien und Konzepten am Beispiel der Regierungsbezirke Detmold und Münster. Die Analyse, die im Rahmen des Projektes EELAP durchgeführt wurde, zeigt auf, dass Agroforstwirtschaft als „Werkzeug“ bisher nur rudimentär in wenigen Regionen berücksichtigt wird. Anknüpfungspunkte, um Agroforstwirtschaft auf kommunaler Ebene umzusetzen, gäbe es aber reichlich über verwandte Themen wie z.B. die Förderung von Biotopvernetzung und Biodiversität, den Erosions- und Hochwasserschutz oder auch die Versorgung mit nachwachsenden Rohstoffen und regionalen Produkten.

Im Anschluss wurden mehrere Praxisbeispiele zur Förderung der Agroforstwirtschaft mit Beteiligung on kommunalen Vertretern vorgestellt. Carsten Rech vom Landkreis Steinfurt stellte ein kürzlich über LEADER gefördertes kreisweites Agroforst-Projekt vor. Ebenfalls über LEADER gefördert wird die Anlage eines Agroforstsystems in Rheinbach durch die Queckenberg GbR, das vor allem auf mehr Wasserrückhalt abzielt. Der Landkreis Kleve hat vor kurzem eine kreisweite Agroforst-Förderung gestartet, die Marco Stabe vorstellte. Julia Binder von der Uni Münster präsentierte im Anschluss Ergebnisse aus Interviews, die sie mit kommunalen Verpächter:innen geführt hat. Ziel war es herauszufinden, welche Herausforderungen es aus Sicht von Kommunen bei der Anlage von Agroforstsystemen auf kommunalen Flächen geben kann. Die Ergebnisse zeigten, dass u.a. die Langfristigkeit der dafür nötigen Pachtverträge, aber auch die Rollenklärung für die Pflege und Bewirtschaftung Hürden sind.

Mit diesen Impulsen starteten die Teilnehmenden in eine Austauschrunde zu der möglichen Rolle von Kommunen für die Förderung der Agroforstwirtschaft, ihren direkten bzw. realistischen Handlungsspielräumen und den dafür nötigen Rahmenbedingungen. Zum Abschluss wurden Ideen gesammelt, was das Agroforst-Netzwerk NRW selbst aktiv beitragen kann. Um auch mit Kommunen dazu in den Austausch zu treten ist zum Beispiel ein Workshop vom DeFAF im Rahmen von EELAP und in Kooperation mit dem Landesverband Regionalbewegung NRW am 27. Oktober 2026 in der KVHS Freckenhorst geplant.

https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2026/09/WhatsApp-Image-2026-09-17-at-15.41.50.jpeg 1200 1599 Julia Günzel https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2024/01/Logo_neu.png Julia Günzel2026-09-17 16:44:252026-10-09 17:02:28Agroforstwirtschaft gemeinsam denken: Jahrestreffen des Agroforst-Netzwerks NRW bringt frische Ideen

Woche der Klimaanpassung 2026: DeFAF-Kolloquium zeigt Möglichkeiten für Wasserrückhalt mit Agroforstwirtschaft auf

Allgemein, News, Veranstaltungen

Julia Günzel | 15.09.2026

Die Verfügbarkeit von Wasser in der Landschaft ist ein zunehmend kritischer Faktor für die Landnutzung – der Sommer 2026 hat dies einmal mehr bewiesen. Zum Auftakt der Woche der Klimaanpassung 2026 wurde beim DeFAF-Kolloquium am 14.09.2026 aufgezeigt, wie Agroforstsysteme zu mehr Wasserrückhalt und zur Kühlung der Landschaft beitragen können.

Unter dem Motto „Wasser pflanzen“ drehte sich die Onlineveranstaltung mit rund 100 Teilnehmenden um die Vorteile und Gestaltungsmöglichkeiten von Agroforstsystemen für die Verbesserung des lokalen Wasserkreislaufes. Die beiden Referenten Jorin Herbst (Institut für angewandtes Stoffstrommangament e.V. (IfaS)) und Dr. Philipp Gerhardt (Baumfeldwirtschaft GmbH) berichteten dazu über ihre praktischen Erfahrungen im Bereich der Anlage entsprechender Systeme. Am Beispiel bisheriger Planungen und mit anschaulichen Darstellungen von Modellierungen der Wasserabflüsse auf landwirtschaftlichen Flächen zeigten sie z.B. auf, wie Agroforstsysteme am besten gestaltet werden, um z.B. das Wasser bei Starkniederschlägen in der Fläche zu halten.

Eine der wichtigsten Funktionen der Agroforstgehölze ist dabei die Erhöhung der Infiltration, also der Wassermenge, die z.B. bei Niederschlägen auf der Fläche versickern kann. Untersuchungen, die das IfaS dazu auf bestehenden Agroforstflächen im Rahmen der Projekt AFaktive und AGROfloW durchführt, zeigten, dass diese Menge in den Gehölzstreifen um einiges höher ist als auf der Ackerfläche. Aber auch weitere Vorteile wie mehr Verdunstungskühlung, weniger Oberflächenabfluss und Bodenabtrag und geringere Temperaturen durch mehr Beschattung können zum Wasserrückhalt beitragen. Herbst und auch Dr. Philipp Gerhardt in seinem anschließenden Vortrag bezogen sich dazu vor allem auf eine Studie von Jacobs et al. (2022) zum Mikroklima in Agroforstsystemen.

Im zweiten Beitrag zeigte Dr. Philipp Gerhardt auf, wie durch die Anlage von sogenannten Wässersystemen der Wasserrückhalt mit Agroforstwirtschaft noch gezielter optimiert werden kann. Durch die Anlage von Gräben entlang der Gehölzstreifen lässt sich das Wasser so noch besser verteilen. Für Starkregenereignisse, wie z.B. in 2021 im Ahrtal mit verheerenden Folgen, könnten solche Systeme Wassermengen zurück halten, wenn denn mehr davon in die Fläche kommt.

Und bei diesem Punkt waren sich beide Referenten einig: eine größere Anzahl von Agroforstsystemen, die für den Rückhalt von Wasser in der Landschaft angelegt werden, kann einen wichtigen Beitrag für den Landschaftswasserhaushalt leisten. Wichtig dafür sind einerseits flexiblere genehmigungsrechtliche Rahmenbedingungen, andererseits eine intensivere Zusammenarbeit von Kommunen und Landwirtschaftsbetrieben. Denn hier liegt großes Potential: Am Beispiel der Kooperation der Wurzener Landwerke GmbH und der Agrargenossenschaft Böhlitz eG am Tauchnitzgraben in Sachsen wurde aufgezeigt, wie Kommunen und Landwirtschaftsbetriebe gleichzeitig von einem Agroforstsystem profitieren können. Während der kommunale Wasserhaushalt verbessert und die Landnutzung gleichzeitig klimaresilienter wird, hat die Agrargenossenschaft durch die Kooperation und die Versorgung des Nahwärmenetzes mehr wirtschaftliche Sicherheit.

Das DeFAF-Kolloquium ist ein regelmäßiges Austauschformat von Mitgliedern für Mitglieder, das zum Anlass der Woche der Klimaanpassung 2026 für alle Interessierte geöffnet wurde. Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist hier zu finden.

https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2026/07/2607_Stefan-Schreiber-NI-Drusch_cVinzenzSpengler-9-scaled.jpg 1440 2560 Julia Günzel https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2024/01/Logo_neu.png Julia Günzel2026-09-15 15:43:182026-09-16 22:08:08Woche der Klimaanpassung 2026: DeFAF-Kolloquium zeigt Möglichkeiten für Wasserrückhalt mit Agroforstwirtschaft auf

Boden und Bäume zusammendenken: Feldtag zu Agroforst und Direktsaat lockt nach Steinfurt

EELAP-Projekt, News
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https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2026/09/DSC03945-scaled.jpg 1438 2560 Julia Günzel https://agroforst-info.de/wp-content/uploads/2024/01/Logo_neu.png Julia Günzel2026-09-10 15:25:202026-09-10 15:33:20Boden und Bäume zusammendenken: Feldtag zu Agroforst und Direktsaat lockt nach Steinfurt
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