Annett Gernhardt| 09.03.2026
Neues Info-Bundle für Interessenten am Einstieg in die Agroforst-Landwirtschaft
Infoblatt als Ergänzung zu den Video-Betriebsportraits jetzt verfügbar
Dr. Steffi Schillem (DeFAF e. V.) und Tobias Hoppe (Bioland Praxisforschung GmbH) adressieren mit dem jetzt neu veröffentlichten Infoblatt vor allem Landwirtinnen und Landwirte, die sich mit der Frage beschäftigen, ob und wie Agroforst zu ihrem Betrieb passt. Beide Autoren sind im Projekt MODEMA tätig. Das vom DeFAF e. V. getragene Projekt MODEMA verfolgt das Ziel, Agroforstsysteme als zukunftsfähige Landnutzungsform in Deutschland zu etablieren und praxisnahes Wissen für Betriebe bereitzustellen. Mit dem neuen Info-Bundle wurden grundlegende Informationen, wirtschaftliche Eckdaten und rechtliche Hinweise in einem leicht zugänglichen Format aufbereitet.
Das Info-Bundle ist so konzipiert, dass interessierte Landwirtinnen und Landwirte sich in kurzer Zeit einen strukturierten Überblick verschaffen können, ohne dass die Inhalte zu stark vereinfacht werden. Im Infoblatt sind beispielhafte Zahlen zu Investitionsaufwendungen und Pflegekosten, Wertschöpfungspotenzialen und betriebswirtschaftlichen Effekten enthalten, die eine erste wirtschaftliche Einordnung ermöglichen. Ergänzend werden relevante rechtliche Normen und zentrale Vorschriften benannt, sodass Betriebe frühzeitig ein Gefühl für rechtliche Anforderungen und Gestaltungsspielräume bekommen. Die drei Filme vertiefen diese Aspekte visuell und praxisnah: Anhand realer Betriebe und konkreter Flächengestaltungen wird gezeigt, wie Agroforstsysteme geplant und umgesetzt werden können, welche Anpassungen im Betriebsablauf notwendig sind und welche Chancen sich für Klimaresilienz, Biodiversität und betriebliche Stabilität bieten.
- Infoblatt Nr. 9 – Agroforstwirtschaft: mehr Schutz, mehr Zukunft & neue Erträge für den landwirtschaftlichen Betrieb
- YouTube Playlist Bäume auf den Acker
Die Informationen eignen sich sowohl für konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Betriebe und knüpfen unter anderem an die Erfahrungen des MODEMA-Projekts aus den umfangreichen Pflanzungen der Periode 2024/2025 an. (vgl. Pressemitteilung vom 7.10.2025).
Der DeFAF dankt für die ehrenamtliche, gemeinnützige Mitarbeit des Fachbereichs Beratung und Planung sowie von Dr. Christian Böhm.
Julia Günzel | 27.02.2026
Regionale Wertschöpfungsketten gelten als nachhaltiger und robuster. Für noch mehr Nachhaltigkeit und Resilienz vor allem auf der Anbauseite sind Agroforstsysteme ein wichtiger Baustein. Auf dem Netzwerktreffen des Landesverbandes Regionalbewegung NRW e.V. am 26. Februar 2026 in Dortmund wurde die Rolle der Agroforstwirtschaft als eines von mehreren Schwerpunktthemen in einem Workshop diskutiert.
Wirtschaften in planetaren Grenzen – mit Agroforstsystemen lässt sich auf einer Fläche ökologischer und mehr produzieren. Teilweise entstehen dabei zusätzliche Produkte, für die es angepasste Ernte- und Verarbeitungsverfahren sowie neue Absatzwege braucht. Regionale Kooperationen z.B. mit dem Lebensmittelhandwerk sind daher essentiell, um Agroforstprodukte, die u.a. mehr Klimaschutz und -anpassung bedeuten, wirtschaftlich tragfähig und präsenter zu machen. Auf dem Netzwerktreffen in Dortmund mit rund 60 Teilnehmenden war genau das ein wichtiges Leitthema: Wie lassen sich Partnerschaften zwischen Kommunen, Landwirtschaftsbetrieben, regionalem Lebensmittelhandwerk und anderen Akteuren aus der Land- und Ernährungswirtschaft so gestalten, dass sie beständig sind, Vertrauen schaffen und langfristig erfolgreiche Ansätze aufbauen bzw. erhalten können?
Im Projekt EELAP beschäftigt sich der DeFAF ebenfalls verstärkt mit diesen Fragen und dem Beitrag der Agroforstwirtschaft. Eingebracht wurde das Thema in Form von einem kurzen Pitch durch Julia Günzel. Danach ging es in einen von drei Workshops, in dem die Rolle der Kommunen im Detail diskutiert wurde. Der Agroforstwirtschaft wurde hier Potential für mehr Klimaresilienz entlang von Wertschöpfungsketten zugesprochen. Gleichzeitig wurde angemerkt, dass es derzeit noch Bedarf an mehr Wissen aber auch Unterstützung seitens Kommunen für Praxispartner braucht. Die Diskussionsteilnehmenden wiesen ebenfalls auf den Bedarf nach einer stärkeren Honorierung von Gemeinwohlleistungen bzw. dem „public value“ nachhaltiger Anbauverfahren hin. Die Agroforstwirtschaft mit ihren Vorteilen für Boden, Klima, Artenvielfalt oder auch Landschaftsästhetik kann hier sehr stark punkten. Damit regionale Wertschöpfungsnetzwerke aber gestärkt werden, brauche dieses Thema in Kommunen aber eine bessere Einbindung und Verstetigung.
Insgesamt bot das Netzwerktreffen neue Anregungen und Anknüpfungspunkte, um das Wertschöpfungspotential von Agroforstsystemen in Nordrhein-Westfalen besser auszuschöpfen. Ein Ansatz, der in den nächsten weiterverfolgt wird, ist die Weiterentwicklung der Initiative Besser mit Bäumen, die im Projekt AgroWert-Regio entstanden ist. Weitere Aktivitäten dazu werden auf der EELAP-Seite veröffentlicht.
Julia Günzel | 19.02.2026
Wenn es darum geht, die Agroforstwirtschaft in die Praxis zu bringen, denkt man zuerst an Landwirtschaftsbetriebe. Agroforstsysteme bieten aber eine Vielzahl von Vorteilen und Anknüpfungspunkte, für die es auch die Zusammenarbeit oder gar Unterstützung anderer Personen- und Gesellschaftsgruppen braucht: von verarbeitenden Betrieben über regionale Entwicklungsakteure und Entscheidungsträger bis hin zur Gesellschaft im Ganzen als Konsumierende. Die Agroforstwirtschaft und ihre Chancen für Mensch und Natur auf der regionalen Ebene stärker zu berücksichtigen ist also sehr wichtig, um sie für eine zukunftsfähige Landnutzung weiter zu verbreiten. In welchen Themenbereichen und Sektoren regionaler Entwicklungsprozesse Berührungsspunkte für die Agroforstwirtschaft zu finden sind, wird derzeit im Projekt EELAP erarbeitet. Hier spielen z.B. Konzepte und Strategien für Klimaschutz und -anpassung, Biodiversitätssteigerung, Bioökonomie oder auch Nachhaltigkeit im Allgemeinen eine Rolle.
In einer Online-Veranstaltung am 21.04.2026, die der DeFAF e.V. in Kooperation mit der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) organisiert, soll gemeinsam mit Praxisbetrieben, regionalen Entwicklungsakteuren und anderen Interessierten diskutiert werden, welchen Beitrag die Agroforstwirtschaft für die Regionalentwicklung bietet. Dabei geht es um allgemeine Anknüpfungspunkte und Handlungsspielräume von Kommunen, aber auch um ganz praktische Beispiele, wie die Agroforstwirtschaft durch regionale Kooperationen in die Praxis gebracht werden kann. Neben Julia Günzel vom DeFAF sowie Camilla Bentkamp und Stefan Kämper von der DVS werden Sven Volkers (Landkreis Wolfenbüttel), Stefanie Kleine (Wurzener Landwerke GmbH) und Jan Große-Kleimann (Familienhof Große-Kleimann) als Referent:innen spannende Einblicke in die Praxis liefern. Alle Infos zur Veranstaltungen und die Möglichkeit zur Anmeldung sind auf der Veranstaltungsseite der DVS zu finden.
Annett Gernhardt| 19.02.2026
Agroforstsysteme als produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahme (PIK)
Infoblatt in Kooperation zwischen dem vom DeFAF e.V. koordinierten Projekt MODEMA und dem DeFAF-Fachbereich Recht und Verwaltung
Dr. Wolfgang Zehlius-Eckert leitet den Fachbereich Recht und Verwaltung beim Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft. Gemeinsam mit Iruna Müller, DeFAF-Praktikantin bzw. Studentin an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, wurde nun ein neues Infoblatt veröffentlicht.
„Das Infoblatt stellt die Möglichkeit der Anlage und Bewirtschaftung von Agroforstsystemen als produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahme vor. Es bietet einen kompakten Überblick über eine multifunktionale Flächennutzung im gemeinsamen Interesse von Naturschutz und Landwirtschaft.“, so die Autoren.
Das Infoblatt wie auch ein im Dezember initiiertes PIK-Netzwerk mit laufenden Aktivitäten wurden auf einer Tagung in Hannover ins Leben gerufen.
- Das Infoblatt steht hier zum Download bereit.
- zur PIK-Webseite des DeFAF e.V.
Links zu Aktivitäten des PIK-Netzwerks:
- Ein aktueller Fachartikel des IfaS steht hier zum Download bereit.
- Ein wissenschaftliches Poster des IfaS steht hier zum Download bereit.
Der DeFAF dankt für die ehrenamtliche, gemeinnützige Arbeit unserer Fachbereiche und der Netzwerkakteure für mehr frei verfügbares Agroforst-Wissen für alle.
Annett Gernhardt| 30.01.2026
Aus Erfahrungen lernen • Fehler in Agroforstsystemen
Ein Bundle-Informations-Angebot bestehend aus Masterarbeit, Film und Infoblatt
Lisa Hillenbrand leitet den Fachbereich Junger DeFAF beim Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft. Bis vor wenigen Wochen hat sie am Campus Witzenhausen der Universität Kassel studiert und hat nun erfolgreich ihren M.Sc. in Ökologischen Agrarwissenschaften abgeschlossen. Lisa ist seit vielen Jahren der Agroforstwirtschaft verbunden und ehrenamtlich für den DeFAF aktiv. Sie hat die Entstehung vieler Gehölzflächen auf Feldern begleitet und erforscht und sich besonders darauf konzentriert, auf vermeidbare „Fallstricke“ hinzuweisen.
„Aufgrund ihrer klimapositiven Wirkungen ist die Weiterentwicklung und Verbreitung von Agroforstsystemen von hoher Relevanz. Fehler sind auch im jungen und komplexen Themenfeld Agroforst allgegenwärtig. Ziel meiner Masterarbeit war es, aufgetretene Fehler strukturiert zu untersuchen.“, so Lisa Hillenbrand
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche sowie acht leitfadengestützten Experteninterviews, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wurden.
- Erstens wurde analysiert, welche Fehler bei der praktischen Umsetzung von Agroforstsystemen (AFS) in Deutschland auftreten können: Von 127 identifizierten Fehlerquellen entfiel der Großteil auf die Planung; am deutlichsten wurde jedoch unzureichende Systempflege betont.
- Zweitens wurden Ursachen der Fehlerentstehung untersucht, wobei insbesondere (fehlendes) Wissen hervorzuheben ist.
- Drittens wurde der Umgang und die Kommunikation über Fehler im AFS betrachtet – welche insgesamt positiv, jedoch noch ausbaufähig sind.
Abschließend werden drei Empfehlungen formuliert: die Verbesserung der Fehlerkultur, die Entwicklung einer ‚guten fachlichen Praxis‘, sowie die aktive
Verbreitung von Fehlern und daraus entstandene Lernerfahrungen.
Hierzu hat Lisa gemeinsam mit weiteren Unterstützenden ein umfangreiches Bundle-Informations-Angebot erarbeitet.
- Das Infoblatt steht hier zum Download bereit.
- Die Masterarbeit steht hier zum Download bereit.
- Das Video ist auf dem DeFAF-YouTube-Kanal veröffentlicht worden und hat bereits mehr als 10.000 Aufrufe.
Wer den persönlichen Erläuterungen durch Lisa Hillenbrand selbst lauschen möchte: Hier ist die Aufzeichnung eines kompakten Vortrags abrufbar.
Der DeFAF dankt für die ehrenamtliche, gemeinnützige Arbeit unserer Fachbereiche für mehr frei verfügbares Agroforst-Wissen für alle.
Julia Günzel | 22.01.2026
Was sind die kommunalen Handlungsspielräume, um Flächen zu sichern und nachhaltig für die regionale Versorgung zu nutzen? Welche Rolle kommt der Agroforstwirtschaft dabei zu? Um diese Fragen drehte sich das Fachforum „Flächen im Blick – nachhaltige Ernährung & Nahversorgung gemeinsam gestalten“, das am 21. Januar 2026 auf dem Programm des Zukunftsforum Ländliche Entwicklung (ZFLE) 2026 stand. Der DeFAF brachte hierzu seine Expertise zu den Vorteilswirkungen auf Landschaftsebene und für regionale Wertschöpfung mit ein.
Das Fachforum 8, das vom Bundesverband Regionalbewegung, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie der Europäischen Metropolregion Nürnberg organisiert wurde, bot ein interaktives Austauschformat, bei dem auch die Teilnehmenden mitdiskutieren konnten. Vorab lieferten die Referentinnen und Referenten kurze Impulse nach einer Begrüßung durch Nicole Nefzger vom Bundesverband der Regionalbewegung und Alexander Handschuh, Beigeordneter und Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Zwei Praxisbeispiele zu erfolgreichen Stadt-Land-Partnerschaften für die regionale Versorgung stellten Dr. Patricia Schläger-Zirlik (Geschäftsstelle Metropolregion Nürnberg) und Sebastian Pomm (Stadt Leipzig).
Mit einem Beitrag zu den Potentialen der Agroforstwirtschaft lenkte Julia Günzel vom DeFAF dann den Blick auf die eigentliche Flächennutzung in der Landwirtschaft. Essentiell sei hier, dass auch Kommunen diese vielversprechende Landnutzungsform im Blick haben und an verschiedener Stelle in der regionalen Entwicklung und Planung mit einbringen. Die Landwirtschaftsbetriebe dürfen nicht allein gelassen werden, gerade wenn es um behördliche Bestimmungen sowie auch mögliche kooperative Ansätze im Bereich der regionalen Wertschöpfungsketten geht. Die Agroforstwirtschaft als einen Lösungsansatz in z.B. Klimaanpassungskonzepten, Ernährungsstrategien oder auch regionalen Entwicklungskonzepten aufzunehmen, könnte dafür ein Ansatz sein. Die Möglichkeiten dafür werden im Projekt EELAP derzeit stärker beleuchtet.
Das Gehörte traf bei den Teilnehmenden auf großes Interesse. Bei der anschließenden Fish Bowl Diskussion brachten sich mehrere Personen mit Fragen und Anmerkungen ein, die zusätzliche Einblicke zu den aktuellen Herausforderungen in Kommunen, aber auch praktischen Ansätzen für die Umsetzung ermöglichten. Die Agroforstwirtschaft schien hierbei ein spannender Ansatz zu sein, den es für sie weiter zu verfolgen lohne.

