Leon Bessert | 10. Juli 2026
Das ebenfalls im Bundesprogramm biologische Vielfalt geförderte Projekt „Gezielte Insektenförderung für die Landwirtschaft“ untersuchte die Anlage und Funktion von Nützlingsblühstreifen (NüBS) zur Förderung von Nützlingsinsekten und deren Beitrag zur natürlichen Schädlingsregulierung. Das Projekt ist im Juli 2026 ausgelaufen. Bei der Abschlussveranstaltung Ende Juni in Nossen (Sachsen) wurden zentrale Ergebnisse dieses Projekts sowie weiterer Vorhaben aus dem Förderkontext, darunter SEBAS, vorgestellt.
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Integration von Nützlingsblühstreifen in Agrarlandschaften sowohl die Artenvielfalt als auch die Abundanz von Insekten erhöht und damit einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung des seit Jahrzehnten anhaltenden Insektenrückgangs leisten kann. Gleichzeitig wurde betont, dass landwirtschaftliche Betriebe auf praktikable, attraktive und langfristig angelegte Förderinstrumente angewiesen sind. Insbesondere die Dauer der Maßnahmen ist entscheidend, damit Blühstreifen ihre volle ökologische Wirkung entfalten können.
Ein Beispiel hierfür wäre, die Kombination von Förderung der Blühstreifen entlang von Gehölzstreifen in Agroforstsystemen mit der Förderung der Gehölzstreifen bzw. des Agroforstsystems selbst zu ermöglichen. Dies ist in der aktuellen Struktur der Öko-Regelungen nicht möglich. Darüber hinaus besteht weiterer Forschungsbedarf hinsichtlich geeigneter Blühmischungen für Agroforstsysteme, da Beschattung durch Gehölze einen wesentlichen Einflussfaktor darstellt. Ergebnisse aus dem Projekt SEBAS zeigen zudem, dass auch selbstbegrünende Blühstreifen ohne Einsaat entlang von Gehölzstreifen einen deutlichen Mehrwert für verschiedene Insektengruppen bieten können.
Offene Fragen bestehen weiterhin hinsichtlich der konkreten Wirkung geförderter Nützlinge auf spezifische Schaderreger in unterschiedlichen Kulturen. Am Beispiel des Rapserdflohs wird deutlich, dass zwar ein regulierender Effekt durch Nützlinge plausibel ist, belastbare Nachweise jedoch noch ausstehen. Entsprechende Exaktversuche sind aufwendig, weshalb bisher vor allem die grundsätzliche Förderwirkung von Blühstreifen und Agroforstsystemen auf Nützlingspopulationen untersucht wurde – mit zunehmend klaren positiven Ergebnissen.
Das Thema Förderung von Nützlingen durch Agroforstsysteme wurde bereits in einigen wissenschaftlichen Untersuchungen beforscht. Analysen zweier solcher Studien finden sich in Klartext Forschung #8 und Klartext Forschung #9.
Im Folgenden sind die Präsentationsfolien der Veranstaltung mit der Ergebnissen abrufbar:
- Überblick über das Projekt
- Gezielt Nützlinge fördern: Neue Strategien für einen effektiven biologischen Pflanzenschutz
- Erfahrungsbericht Anlage und Pflege von Blühstreifen / Blühflächen
- Praxisbeispiel Saat-Gut Plaußig
- Ergebnisse des Monitorings I
- Ergebnisse des Monitorings II
- Blühstreifen im Pflanzenschutz: Attraktivität für Nützlinge und Wirkung auf Blattläuse
- SEBAS: Förderung der biologischen Vielfalt durch Agroforstwirtschaft

Keynote von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer bei der Tagesspiegel Background Fachkonferenz Agrar & Ernährung © Tagesspiegel | Laurin Schmid
Isabelle Frenzel & Leon Bessert| 09.07.2026
Fachkonferenz Agrar & Ernährung: Resilienz und Agroforst im Fokus
Wie bleibt unsere Ernährung auch in Zeiten multipler Krisen gesichert? Diese Frage stand im Zentrum der Fachkonferenz „Agrar & Ernährung“ von Tagesspiegel Background, die Anfang Juli 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Praxis in Berlin zusammenbrachte. Ein Begriff zog sich durch nahezu alle Debatten: Resilienz – und dabei fiel auch ein Stichwort, das dem Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. besonders am Herzen liegt: die Agroforstwirtschaft.
Resilienz und die neue GAP als Leitthemen
Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, extreme Situationen ohne bleibende Schäden zu überstehen und ist für Agrarlandschaft sowie Ernährungssicherung essentiell. Intensiv diskutiert wurde die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP): Gefragt ist beides zugleich – die Honorierung von Gemeinwohlleistungen wie Klima-, Wasser- und Biodiversitätsschutz und eine Grundsicherung der landwirtschaftlichen Produktion, um Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und den Selbstversorgungsgrad zu stärken. Konkret gefordert wurden ein verbindliches Mindestbudget für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sowie ein eigenständiges Agrar-Budget in der GAP.
Agroforst als zentrale Klimamaßnahme
In der Podiumsdiskussion wurde die Agroforstwirtschaft ausdrücklich als eine der wichtigsten Klimamaßnahmen in der Landwirtschaft genannt. Gehölze auf Acker und Grünland verbinden produktionsorientierte Landwirtschaft mit Klimaschutz und Biodiversität – sie speichern Kohlenstoff, schützen vor Erosion und stabilisieren Erträge.
Der Workshop: Hemmnisse und Lösungswege
Wenngleich Agroforst als produktionsintegrierte Klimamaßnahme in der Landwirtschaft in aller Munde ist, klafft nach wie vor eine große Lücke zwischen Potenzial und Praxis: Es hapert noch an hinreichender Förderung und tragfähigen Business-Cases, weshalb die Skalierung stockt.
Genau hier setzte der vom DeFAF gestaltete Workshop „Agroforstsysteme als Chance für Produktion, Klimaschutz und Klimaanpassung“ an. Die Teilnehmenden priorisierten per Live-Abstimmung vier zentralen Hemmnisse für die Skalierung:
- Bürokratische und unzureichende Anlagen- und Bewirtschaftungsförderung
- Naturschutzrechtliche Hürden und hoher Genehmigungsaufwand
- Mangelnde langfristige Rechtssicherheit
- Wissenslücken und unklare Zuständigkeiten in den Behörden
Als relevantestes Hemmnis wurde die bürokratische und unzureichende Förderung identifiziert. Die Folgen: Wo verlässliche Förderung fehlt, entstehen vor allem in der Startphase von innovativen Bewirtschaftungsformen wie Agroforst kaum Projekte – zumal Agroforstsysteme langfristige Investitionen sind, die sich erst über Jahre amortisieren. Als Lösungswege diskutierten die Teilnehmenden vor allem die langfristige Wirtschaftlichkeit als Grundlage, eine gezielte Honorierung von Gemeinwohlleistungen sowie das Zusammenspiel entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Förderung über die Nutzung bis zur Kommunikation.
Dass diese Lösungswege nicht theoretisch bleiben, zeigen zwei laufende, vom DeFAF koordinierte Vorhaben: MODEMA baut ein bundesweites Modell- und Demonstrationsnetzwerk für Agroforstwirtschaft auf und bringt die Systeme mit rund 30 Betrieben sichtbar in die Fläche; EELAP verankert agrarökologische Praktiken in regionalen „Living Labs“ und nimmt dabei politische Rahmenbedingungen und Wertschöpfungsketten in den Blick.
Fazit: Resilienz braucht Agroforst – und verlässliche Rahmenbedingungen
Die Fachkonferenz hat bestätigt, was der DeFAF seit 2019 vertritt: Agroforstsysteme sind ein Schlüssel für eine resiliente, klimaangepasste und zugleich produktive Landwirtschaft. Damit dieses Potenzial in der Praxis realisiert werden kann, müssen die politischen Rahmenbedingungen nachziehen – mit praxistauglicher Förderung sowie einem sicheren Rechtsrahmen, tragfähigen Business-Cases und einer GAP, die Gemeinwohlleistungen honoriert und die Produktion absichert.
Zur Veranstaltung: Fachkonferenz Agrar & Ernährung von Tagesspiegel Background
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Die Förderung des MODEMA Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) im Rahmen des Förderprogramms „Nachhaltige Erneuerbare Ressourcen“.



