17.09.2026
Seit mittlerweile drei Jahren setzt sich das Agroforst-Netzwerk NRW, das derzeit federführend durch Eva Horrion von der AbL NRW koordiniert wird, dafür ein, dass mehr Gehölze auf landwirtschaftlichen Flächen gepflanzt werden. Beim diesjährigen Jahrestreffen kamen rund 25 Personen zusammen, um das bisher Erreichte zu reflektieren und Prioritäten für das kommende Jahr abzustecken. Auf dem Programm des Treffens, das am 16. und 17. September 2026 im Gebäude der Versuchsstation für Landwirtschaftsökologie der Hochschule Soest in Ense stattfand, standen mehrere inhaltliche Beiträge von Netzwerkmitgliedern sowie mehrere interaktive Austauschrunden.
Der erste Tag drehte sich vor allem um Erfolge, Misserfolge, neue Entwicklungen und Prioritäten, um auf aktuelle bzw. bestehende Herausforderungen zu reagieren. Hervorgehoben wurde hier vor allem, dass noch immer große Wissenslücken zu Vorteilen und Umsetzungsmöglichkeiten der Agroforstwirtschaft seitens verschiedenster Akteursgruppen existieren. Anna-Lea Ortmann von der Hochschule Rhein-Waal berichtete dazu von einem sehr erfolgreichen Beispiel, um den direkten Praxisaustausch zwischen Landwirt:innen zu ermöglichen. Im Agroforst-Reallabor in Kleve gibt es seit einiger Zeit den regelmäßig stattfindenden Agroforst-Praxisstammtisch, wodurch ein sehr enges und beständiges Netzwerk entstanden ist.
Der Schwerpunkt des zweiten Tages war das Thema Kommunen und Agroforst. Zur Einführung präsentierte Julia Günzel vom DeFAF Ergebnisse aus einer Analyse zur bisherigen Integration von Agroforstwirtschaft in regionalen Strategien und Konzepten am Beispiel der Regierungsbezirke Detmold und Münster. Die Analyse, die im Rahmen des Projektes EELAP durchgeführt wurde, zeigt auf, dass Agroforstwirtschaft als „Werkzeug“ bisher nur rudimentär in wenigen Regionen berücksichtigt wird. Anknüpfungspunkte, um Agroforstwirtschaft auf kommunaler Ebene umzusetzen, gäbe es aber reichlich über verwandte Themen wie z.B. die Förderung von Biotopvernetzung und Biodiversität, den Erosions- und Hochwasserschutz oder auch die Versorgung mit nachwachsenden Rohstoffen und regionalen Produkten.
Im Anschluss wurden mehrere Praxisbeispiele zur Förderung der Agroforstwirtschaft mit Beteiligung on kommunalen Vertretern vorgestellt. Carsten Rech vom Landkreis Steinfurt stellte ein kürzlich über LEADER gefördertes kreisweites Agroforst-Projekt vor. Ebenfalls über LEADER gefördert wird die Anlage eines Agroforstsystems in Rheinbach durch die Queckenberg GbR, das vor allem auf mehr Wasserrückhalt abzielt. Der Landkreis Kleve hat vor kurzem eine kreisweite Agroforst-Förderung gestartet, die Marco Stabe vorstellte. Julia Binder von der Uni Münster präsentierte im Anschluss Ergebnisse aus Interviews, die sie mit kommunalen Verpächter:innen geführt hat. Ziel war es herauszufinden, welche Herausforderungen es aus Sicht von Kommunen bei der Anlage von Agroforstsystemen auf kommunalen Flächen geben kann. Die Ergebnisse zeigten, dass u.a. die Langfristigkeit der dafür nötigen Pachtverträge, aber auch die Rollenklärung für die Pflege und Bewirtschaftung Hürden sind.
Mit diesen Impulsen starteten die Teilnehmenden in eine Austauschrunde zu der möglichen Rolle von Kommunen für die Förderung der Agroforstwirtschaft, ihren direkten bzw. realistischen Handlungsspielräumen und den dafür nötigen Rahmenbedingungen. Zum Abschluss wurden Ideen gesammelt, was das Agroforst-Netzwerk NRW selbst aktiv beitragen kann. Um auch mit Kommunen dazu in den Austausch zu treten ist zum Beispiel ein Workshop vom DeFAF im Rahmen von EELAP und in Kooperation mit dem Landesverband Regionalbewegung NRW am 27. Oktober 2026 in der KVHS Freckenhorst geplant.
Julia Günzel | 15.09.2026
Die Verfügbarkeit von Wasser in der Landschaft ist ein zunehmend kritischer Faktor für die Landnutzung – der Sommer 2026 hat dies einmal mehr bewiesen. Zum Auftakt der Woche der Klimaanpassung 2026 wurde beim DeFAF-Kolloquium am 14.09.2026 aufgezeigt, wie Agroforstsysteme zu mehr Wasserrückhalt und zur Kühlung der Landschaft beitragen können.
Unter dem Motto „Wasser pflanzen“ drehte sich die Onlineveranstaltung mit rund 100 Teilnehmenden um die Vorteile und Gestaltungsmöglichkeiten von Agroforstsystemen für die Verbesserung des lokalen Wasserkreislaufes. Die beiden Referenten Jorin Herbst (Institut für angewandtes Stoffstrommangament e.V. (IfaS)) und Dr. Philipp Gerhardt (Baumfeldwirtschaft GmbH) berichteten dazu über ihre praktischen Erfahrungen im Bereich der Anlage entsprechender Systeme. Am Beispiel bisheriger Planungen und mit anschaulichen Darstellungen von Modellierungen der Wasserabflüsse auf landwirtschaftlichen Flächen zeigten sie z.B. auf, wie Agroforstsysteme am besten gestaltet werden, um z.B. das Wasser bei Starkniederschlägen in der Fläche zu halten.
Eine der wichtigsten Funktionen der Agroforstgehölze ist dabei die Erhöhung der Infiltration, also der Wassermenge, die z.B. bei Niederschlägen auf der Fläche versickern kann. Untersuchungen, die das IfaS dazu auf bestehenden Agroforstflächen im Rahmen der Projekt AFaktive und AGROfloW durchführt, zeigten, dass diese Menge in den Gehölzstreifen um einiges höher ist als auf der Ackerfläche. Aber auch weitere Vorteile wie mehr Verdunstungskühlung, weniger Oberflächenabfluss und Bodenabtrag und geringere Temperaturen durch mehr Beschattung können zum Wasserrückhalt beitragen. Herbst und auch Dr. Philipp Gerhardt in seinem anschließenden Vortrag bezogen sich dazu vor allem auf eine Studie von Jacobs et al. (2022) zum Mikroklima in Agroforstsystemen.
Im zweiten Beitrag zeigte Dr. Philipp Gerhardt auf, wie durch die Anlage von sogenannten Wässersystemen der Wasserrückhalt mit Agroforstwirtschaft noch gezielter optimiert werden kann. Durch die Anlage von Gräben entlang der Gehölzstreifen lässt sich das Wasser so noch besser verteilen. Für Starkregenereignisse, wie z.B. in 2021 im Ahrtal mit verheerenden Folgen, könnten solche Systeme Wassermengen zurück halten, wenn denn mehr davon in die Fläche kommt.
Und bei diesem Punkt waren sich beide Referenten einig: eine größere Anzahl von Agroforstsystemen, die für den Rückhalt von Wasser in der Landschaft angelegt werden, kann einen wichtigen Beitrag für den Landschaftswasserhaushalt leisten. Wichtig dafür sind einerseits flexiblere genehmigungsrechtliche Rahmenbedingungen, andererseits eine intensivere Zusammenarbeit von Kommunen und Landwirtschaftsbetrieben. Denn hier liegt großes Potential: Am Beispiel der Kooperation der Wurzener Landwerke GmbH und der Agrargenossenschaft Böhlitz eG am Tauchnitzgraben in Sachsen wurde aufgezeigt, wie Kommunen und Landwirtschaftsbetriebe gleichzeitig von einem Agroforstsystem profitieren können. Während der kommunale Wasserhaushalt verbessert und die Landnutzung gleichzeitig klimaresilienter wird, hat die Agrargenossenschaft durch die Kooperation und die Versorgung des Nahwärmenetzes mehr wirtschaftliche Sicherheit.
Das DeFAF-Kolloquium ist ein regelmäßiges Austauschformat von Mitgliedern für Mitglieder, das zum Anlass der Woche der Klimaanpassung 2026 für alle Interessierte geöffnet wurde. Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist hier zu finden.
